Dokumentar-Film : Der Narr vom Bokelsesser Moor

Über Ernst Otto Karl Grassmé sind nur wenige Fakten bekannt. Der Einsiedler starb vor 23 Jahren.
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Über Ernst Otto Karl Grassmé sind nur wenige Fakten bekannt. Der Einsiedler starb vor 23 Jahren.

Berliner Filmemacher Kai Ehlers plant eine Dokumentation über Ernst Otto Karl Grassmé aus Hörnerkirchen.

shz.de von
21. Juli 2015, 14:00 Uhr

Brande-Hörnerkirchen | Ernst Otto Karl Grassmé. Vor allen den älteren Bürgern im Norden des Kreises Pinneberg wird dieser Name noch etwas sagen. Grassmé galt als schwieriger Mensch – um es vorsichtig auszudrücken. Der ein oder andere bezeichnete den Exzentriker schlichtweg als verrückt. Nun soll ein Dokumentarfilm über Grassmé gedreht werden. Der Berliner Regisseur, Kameramann und Künstler Kai Ehlers hat sich des Themas angenommen.

Vor Kurzem wurden für das Projekt 4000 Euro von der Filmwerkstatt Kiel bewilligt. Für den Rechercheaufwand. 60 Minuten soll der Film einmal lang werden. „Ernst Otto Karl Grassmé – der Narr vom Bokelsesser Moor“ heißt der Arbeitstitel. In den Anmerkungen der Filmförderung ist zu lesen: „Der Film ist die dokumentarische Rekonstruktion eines einmaligen Lebens. Von den Nazis zwangssterilisiert und zum Bombenräumen abkommandiert, verliert der Adventist Grassmé seine Fähigkeit in dem, was die anderen Normalität nennen, zu leben und zu vergessen. Anstatt in einer Heilanstalt sein Leben zu fristen, beginnt er mit Hilfe seiner Frau ein Leben als Einsiedler auf dem ,Paradiesgrundstück‘. Hier lebt er 40 Jahre als ,Dorftrottel‘.“

An Fakten ist eher wenig bekannt über den Eigenbrödler Grassmé. Zumindest sein Todesdatum ist überliefert. Er starb 1992 an einem Herzschlag. „Das ist zumindest mein aktueller Kenntnisstand“, sagt Filmemacher Ehlers. Verheiratet war Gassmé mit seiner Berta, die 2002 gestorben war. Grassmé hauste inmitten von Müll und Gerümpel, galt als leicht reizbar und als Querulant. Er war wohl für kurze Zeit in einem KZ inhaftiert, dürfte aber nach bisherigem Kenntnisstand kein Nazi-Gegner gewesen sein. Dumm war Grassmé aber nicht. Obwohl er auf seinem Grundstück keinen Stromanschluss besaß, brachte er den Motor seines Autowracks wieder zum Laufen und half Kindern eines Freundes bei den Hausaufgaben.

Viele Fakten  aus dem Leben von Ernst Otto Karl Grassmé sind nicht bekannt. (Foto: Olaf Plotz)
Viele Fakten aus dem Leben von Ernst Otto Karl Grassmé sind nicht bekannt. (Foto: Olaf Plotz)
 

Nun liegt es an dem Filmemacher, mehr Details ans Tageslicht zu fördern. Ehlers reist regelmäßig von Berlin in den Kreis, um seine Recherchen voranzutreiben. Seit etwa einem Jahr arbeitet der 38-Jährige an dem Projekt. Grassmé charakterisiert er als „liebenswerten und abgründigen Menschen“, der fraglos schon etwas Verrücktes an sich gehabt habe. „Er war nicht wirklich zugänglich für andere Menschen“, so Ehlers. „Heute würde man bei ihm wohl so etwas wie Schizophrenie oder Realitätsverlust diagnostizieren.“ Begraben liegt Ernst Otto Karl Grassmé in Hamburg, wo seine Frau ihre letzten Lebensjahre verbrachte.

Diese Zeitung sucht Menschen, die Ernst Otto Karl Grassmé gekannt haben und etwas über ihn und sein Leben erzählen können. Wer Kontakt mit der Redaktion aufnehmen möchte, kann das unter der E-Mail-Adresse cut@a-beig.de oder unter der Telefonnummer 04101-5356191 tun.
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