Der etwas andere Modellbauer

Flugzeuge, Trecker, Karrussels: Gunnar Ziesenitz (67) baut alles aus Pappe im Miniaturformat nach - maßstabsgetreu. Meyer (2)SSV-Vorsitzender Ingo In den Birken (links) freut sich über das von Gunnar Ziesenitz gebaute Lkw-Modell der Marke Magirus, das Spediteur Ernst-Adolf Bauer dem Verein geschenkt hat.
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Flugzeuge, Trecker, Karrussels: Gunnar Ziesenitz (67) baut alles aus Pappe im Miniaturformat nach - maßstabsgetreu. Meyer (2)
SSV-Vorsitzender Ingo In den Birken (links) freut sich über das von Gunnar Ziesenitz gebaute Lkw-Modell der Marke Magirus, das Spediteur Ernst-Adolf Bauer dem Verein geschenkt hat.

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26. Januar 2013, 01:14 Uhr

Barmstedt | Manchmal wühlt Gunnar Ziesenitz in Barmstedts Supermärkten in den Abfallbehältern. "Dann gucken manche Leute, als wäre ich der letzte Penner." Doch das stört ihn nicht: Der pensionierte Lehrer gibt nicht viel auf Konventionen. Und was er dort sucht, im Müll, hat mit Penner nichts zu tun: Ziesenitz benutzt die alten Pappverpackungen, um daraus Modelle zu basteln. In liebevoller, stundenlanger Kleinarbeit entstehen Lastwagen, Flugzeuge oder Villen im Kleinformat - maßstabsgetreu. Als Vorlage reichen ihm Fotos. "Ich fange dann zum Beispiel bei den Rädern an und gehe anschließend nach Symmetrie."

50 bis 70 Stunden benötigt Ziesenitz, bis er ein Modell fertig hat. "Außer der Pappe brauche ich dafür meistens nur Uhu, Schere, Zirkel, ein Lineal und Farbreste." Aber auch Eicheln - für die Lampen - und Getränkeflaschendeckel - für die Felgen - verwendet er oft. Pappe sei nicht gleich Pappe, sagt er. "Die dünne von Pizzakartons eignet sich natürlich für andere Sachen als die gerillte Strukturpappe, in der zum Beispiel Wein verpackt wird."

Viele Modelle werden von Freunden und Bekannten in Auftrag gegeben, "aber manche mache ich auch für mich selbst", sagt Ziesenitz, der ein "besonderes geschichtliches Interesse an den Treckern der Nachkriegszeit" hat. Im Vereinsheim des SSV Rantzau etwa steht seit kurzem ein Miniatur-Lkw der Marke Magirus, mit dem die Fußballer, Handballerinnen und Fans in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu Auswärtsspielen fuhren.

Mit dem Modellbau hat Ziesenitz vor mehr als 20 Jahren in einem Familienurlaub in Dänemark begonnen. "Da hatte es dauernd geregnet, und irgendwann habe ich gefragt: ,Habt ihr mal Uhu?", erzählt er. Pappe habe er als Rohmaterial gewählt, "weil die robuster ist als Plastik, aus dem die Flugzeugmodelle meines Sohnes waren". Zum Beweis schleudert er eines seiner Pappflugzeuge mit ziemlicher Wucht auf den Fußboden. Es bleibt unversehrt. Außerdem, sagt Ziesenitz, habe er ein Material gesucht, "das normalerweise weggeworfen wird". Vorbild seien dabei Schüler von der Elfenbeinküste gewesen, die aus Blechdosen Autos nachgebaut haben.

Das Modellbauen hat Ziesenitz als Projekt auch an der Kooperativen Gesamtschule Elmshorn angeboten, an der er von 1972 bis 2009 Physik, Geschichte und Sport unterrichtet hat. "Den Schülern hat es Spaß gemacht, und wir haben die Sachen für einen guten Zweck auf dem Weihnachtsmarkt verkauft."

Nur Modelle zu bauen, wäre allerdings nichts für den drahtigen Pensionär, der sich mit Tennis, Waldläufen und Hanteltraining fit hält. Zu langes Rumsitzen ist nämlich nicht sein Ding - weswegen er seine Bastelarbeiten nur zwischen Oktober und April anfertigt. "Dann wird es so früh dunkel, dass man draußen nicht viel machen kann." Und da ihn das Basteln allein nicht auslastet - "da schafft man ja nichts weg" - lernt der dreifache Vater und zweifache Großvater währenddessen via Kopfhörer meist noch eine Sprache. Zurzeit - weil sein Schwiegersohn von dort stammt - ist es Marokkanisch. Nicht alltäglich. Es passt zu Gunnar Ziesenitz.

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