zur Navigation springen

Barmstedt : Der Einstieg in die E-Mobilität ist gescheitert

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Elektrofahrräder: Immer weniger Ausleihen. Jetzt denkt die Politik über ein Ende des Angebots nach. Auch der Bauhof soll keine Elektroautos erhalten.

Barmstedt | Sie waren als Einstieg in die Elektro-Mobilität gedacht: die 15 Elektrofahrräder (E-Bikes), die die Stadt Barmstedt mit Hilfe der Stadtwerke und der Aktivregion Holsteiner Auenland Ende 2010 gekauft hatten. Sie können von Touristen beim Bootsverleih am Rantzauer See ausgeliehen werden. Doch das 25.000-Euro-Projekt erweist sich als Rohrkrepierer: Von knapp 1000 Euro, die die Verleihungen der Räder in der Saison 2011 in die Stadtkasse spülten, sanken die Einnahmen kontinuierlich – bis auf nur noch 200 Euro im vorigen Jahr.

Für dieses Jahr rechnet die Verwaltung mit einem ähnlichen geringen Ertrag – und hohen Reparaturkosten, denn laut Verleiher Peter Latsch sind mehrere Fahrräder sind defekt. Vor allem müssten die teuren Akkus ausgetauscht werden. „Die Nutzer mussten für ein Fahrrad immer schon einen zweiten Akku mitnehmen“, berichtete Henning Behrens (CDU) im Hauptausschuss, in dem das Thema vor kurzem erörtert wurde. Eine Reparatur würde sich seines Wissens nach nicht mehr lohnen, zumal die Entwicklung der E-Räder wesentlich weiter fortgeschritten sei.

Laut Verwaltung haben zudem „die meisten Einwohner und Gäste der Stadt mittlerweile die Gelegenheit genutzt, ein Elektrofahrrad einmal auszuprobieren“. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, „ob wir die Räder weiterhin in diesem Umfang anbieten wollen oder das Angebot reduzieren und es eventuell auslaufen lassen sollten“, sagte der Ausschussvorsitzende Peter Gottschalk (FWB). Zu bedenken sei auch, dass die Nachfrage voraussichtlich weiter sinken werde, „weil viele Ältere mittlerweile ein eigenes E-Bike haben“.

Gleich beerdigen wollte der Ausschuss das Projekt aber nicht: Das Thema soll im Mai noch einmal im Kulturausschuss auf den Tisch kommen. Vom Tisch ist dagegen die Idee, den Bauhof mit zwei E-Autos als Ersatz für zwei alte Piaggios auszustatten. Das sei zu teuer, befand der Bauausschuss. Laut Verwaltung würde ein benzinbetriebenes Fahrzeug für zehn Jahre mit etwa 28.700 Euro zu Buche schlagen. Ein E-Auto wäre knapp 6  000 Euro teurer.

Ist Barmstedt doch kein „Vorreiter im Umweltschutz“?

„E-Autos reduzieren zwar die CO2-Emissionen, aber wir sparen schon an allen Ecken und muten den Bürgern einiges zu“, sagte Stephan Ritter (SPD). Daher sollte die Idee „erstmal zurückgestellt werden“. Ernst-Reimer Saß (CDU) wies auf einen Nachteil für die Bauhofmitarbeiter hin: „Mit der Heizung ist es in E-Autos schwierig.“ Und wegen der angespannten Haushaltslage „kann man das nicht machen – auch, wenn ich an sich für die Umwelt bin“.

Als Erholungsort sollte Barmstedt aber „Vorreiter im Umweltschutz sein“, meinte Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos). Doch das wollte Axel Schmidt (FWB) nicht gelten lassen. „Wenn wir nicht mal eine Baumschutzsatzung hinkriegen, sollten wir das Wort ,greenwashing’ nicht in den Mund nehmen“, entgegnete er. Eine „vernünftige Alternative“ seien Gas-Fahrzeuge. „Die stoßen weniger CO2 aus als Benziner und haben eine höhere Nutzlast und sind leichter zu reparieren als E-Autos.“

Doch auch diese Idee – die alle unterstützten – wird nicht realisiert: „Wir haben sie geprüft und wieder verworfen“, teilte Verwaltungssprecher Wolfgang Heins gestern mit. Begründung: „Barmstedt hat keine Autogas-Tankstelle. Die nächste wäre in Elmshorn, und ständig zum Tanken dorthin zu fahren, ist schlicht unwirtschaftlich.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 13.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen