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Das Herbstfest der Feuerfarben : Der Chef des Arboretums plant eine Erlebniswiese

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Chef des Arboretums, Hans-Dieter Warda, plant eine Erlebniswiese. Zehn Hektar Fläche für neue Ausstellung gepachtet.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2015 | 16:15 Uhr

Ellerhoop | Auch wenn sich die Natur langsam in den Winterschlaf verabschiedet – im Arboretum in Ellerhoop ist das Gartenjahr noch lange nicht vorbei. „Es wird durchgeblüht“, sagt der Chef Hans-Dieter Warda. Am Sonnabend und Sonntag, 24.    und 25. Oktober, ist der Baumpark während des Herbstfests von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Und Warda hat auch abseits der Veranstaltungen noch einiges vor: Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er aktuell das Programm für die Gartenakademie. Außerdem entsteht auf einem zehn Hektar großen Areal ein neues Erlebnisgebiet, das sich der Flora und Fauna auf Wiesen widmet. Das Interview führte Fabian Marciniak.

Das große Saisonhighlight – das bunte Herbstfest – steht kurz bevor. Was erwartet die Besucher?
Hans-Dieter Warda:
„Die Norddeutsche Gartenschau ist eine der schönsten Gartenanlagen in ganz Norddeutschland. Es gibt eine große Vielfalt an Pflanzen und Themen zu bewundern. Das Spektakulärste in Ellerhoop ist zur Zeit jedoch: die Herbstfärbung. In unserer Abteilung „Indian Summer“ haben wir Gartenbilder gestaltet, die wunderschöne Eindrücke der farbenprächtigen Herbstzeit schaffen. Generell ist das Potenzial der Herbstfärbung in der Landschaftsarchitektur noch längst nicht ausgeschöpft, und es gibt noch so viele unbekannte Herbstfärberschätze. Die wollen wir den Fachleuten und Hobbygärtnern näherbringen. Unser Herbstfest beinhaltet viele Programmpunkte: Es wird einen Pflanzenmarkt geben, Mitmach-Aktionen für Kinder und selbstgebackenen Kuchen. Aber unser Motto lautet ,Die Pflanze steht im Mittelpunkt‘, und in diesem Fall sind es die herbstfärbenden Gehölze und Stauden.“

Gibt es dieses Jahr ein besonderes Highlight?
Wie schon im letzten Jahr, werden wir auch beim diesjährigen Herbstfest die berühmte Blaue Stunde – also den Übergang von Tag und Nacht – thematisieren. Es wird eine besondere Illumination der Parkanlage um 20 Uhr geben. Dann tauchen wir die Bäume und Sträucher in weiches, warmes Licht und heben so die Herbstfärbung vor dem dunklen Abendhimmel besonders hervor. Um die märchenhaften Momente noch zu verstärken, wird es in diesem Jahr zusätzlich noch klassische Musik geben, die die Beleuchtung akustisch untermalt.

Gibt es im Park einen Bereich, den Sie als Ihren Lieblingsplatz bezeichnen?
Ganz klar: Der Arboretum-See mit den Rot-Ahornen, den rostorangen Sumpfzypressen und den brennend hellroten Nymphenbäumen. Wenn man am See steht und sich die roten Blätter im Wasser spiegeln, dann vermittelt dieses Rot ein Gefühl von Dynamik und Energie. Hier kann ich auftanken. Ich war als Student schon völlig in den Herbst vernarrt. Im Innern bin ich ein Pyromane. Ich möchte mit den Herbstfärbergehölzen und ihren glühenden Farben überall im Park optische Herbstfeuer legen. Die Stimmung im Herbst gefällt mir. Man wird etwas melancholischer. Aber im Herbst gibt es auch schon ein Frühlingsahnen. Diese Stimmung, diese Mischung – das braucht die Seele. Für mich ist der Herbst Seelennahrung.

Sie als Professor der Dendrologie haben ein Wissen, das geteilt werden will. Seit geraumer Zeit ist eine Garten-Akademie in Planung – wie ist der Stand der Dinge?
Wir stellen gerade die Programme zusammen. Die Umsetzung ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich brenne darauf, etwas über Landschaft und Landschaftsarchitektur, über die Biologie der Pflanze und all diese Dinge mitzuteilen. Daran hatte ich schon an der Hochschule viel Freude, und daran habe ich immer Spaß – an dem Weitergeben von Wissen. Das ist auch eine wichtige Aufgabe, um die wir uns hier in der Norddeutschen Gartenschau kümmern. Es geht nicht nur um die Ästhetik und schöne Gartenbilder, sondern auch um das Vermitteln von Bildung: Umweltbildung, Naturerziehung und schulbiologische Themen.

Welche Projekte stehen noch an?
Gerade vor ein paar Tagen haben wir wertvollste Freiland-Orchideen von einer Spezial-Gärtnerei in Bad Reichenhall erstehen können. Sie werden ein wichtiger Bestandteil unserer großen Orchideen-Ausstellung im kommenden Jahr sein. Darüber hinaus konnten wir ab September eine benachbarte Wiesenfläche von knapp zehn Hektar pachten. Hier wollen wir einen Kontrast zum bisherigen, strukturierten, von Menschenhand gestalteten Park schaffen. Die Wiese soll weitgehend unberührte Natur darstellen. Wir haben schon im Vorwege Saatgut von unbekannten, heimischen Feldrand- und Wiesenpflanzen gesichert. So wollen wir längst vergessene oder vom Aussterben bedrohte Pflanzen den Kindern und erwachsenen Besuchern zeigen. Die weich modellierte Wiesenlandschaft mit ihren vielfältigen Kräutern und Gräsern wird die Besucher in eine romantische Stimmung versetzen. Unsere Gäste haben die Möglichkeit, sich Picknickkörbe im Café packen zu lassen. Was gibt es schöneres, als in der freien Natur auf einer märchenhaften Blumenwiese zu picknicken? Geplant sind auch die Durchführung bildhauerischer Arbeiten und Skulpturen-Ausstellungen. Eine auf dem Gelände stehende, 1000 Quadratmeter große Reithalle werden wir zu einem Veranstaltungsort umfunktionieren, den wir für unsere Gartenfestivals dringend benötigen. Selbstverständlich kann die neue Fläche vom Arboretum aus betreten werden, ohne dass der Besucher Mehrkosten für  dieses Wiesen-Event zu entrichten hat.

Im September erfolgte auch der Spatenstich für den Baumpark an der Raa in Pinneberg. Was halten Sie von dem Bauvorhaben?
Als leidenschaftlicher Baumfreund finde ich jede Baumpflanzungsinitiative begrüßenswert. Die Bäume sind unsere unverzichtbaren Mitbewohner und Freunde auf der Erde. Eine 5000-Quadratmeter-Fläche aber als Baumpark zu bezeichnen, ist wohl doch ein wenig zu hoch gegriffen. Darüber hinaus ist die Bezeichnung Baumpark, die Bestandteil unseres Förderkreisnamens ist, und die auch häufig in den Medien erscheint, gerade im Kreis Pinneberg etwas problematisch und irreführend.

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