zur Navigation springen

Brande-Hörnerkirchen : Der Bio-Hof, der mehr ist als nur Landwirtschaft

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Mischbetrieb hat etwa 90 Hektar Land. Der Schwerpunkt liegt auf dem Gemüseanbau.

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2017 | 13:00 Uhr

Brande-Hörnerkirchen | Der Schümannhof in Brande-Hörnerkirchen kann auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken. 1980 stellte Hofchef Wilfried Schümann auf Bio-Landwirtschaft um. Doch damit nicht genug: Der Hof wandelte sich über die Jahre zu „einem Ort für Menschen“, wie es der zukünftige Betriebsleiter Janosch Pietruck beschreibt. Jüngst empfing er drei Sozialdemokraten zur Hofführung. Mit dabei waren die SPD-Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann und Karin Thissen, sowie Hökis SPD-Vorsitzender Werner Harms.

Die Umstellung des Hofes von herkömmlicher Landwirtschaft auf Bio sei ein „25-jähriger Weg gewesen“, sagte Pietruck. Der Schümannhof sei heute ein Mischbetrieb mit etwa 90 Hektar Land, wobei der Gemüseanbau im Mittelpunkt stehe. Daneben gibt es so ziemlich alles, was moderne Demeter-Betriebe auszeichnet, angefangen beim Hofladen über einen Lieferservice bis hin zur Hofbäckerei.

Doch der Schümannhof will mehr sein als ein landwirtschaftlicher Betrieb. „20 Menschen leben hier“, sagt Pietruck. Darunter auch etliche mit Betreuungsbedarf. „Etwa 35 Menschen sind hier beschäftigt.“ Rossmann lobte das Konzept des Hofes als „Gesamtkunstwerk“. Doch der angehende Betriebsleiter Pietruck gab auch zu, dass es finanziell nicht immer einfach sei, ein solches Projekt rentabel zu gestalten.

Kosten könne man eigentlich nur durch höhere Stückzahlen reduzieren, doch das ginge zu Lasten der Qualität. Ein Weg, der für die Schümannhof-„Macher“ nicht in Frage kommt. Ganz bewusst würden auch keine Discounter beliefert, so Pietruck. Wer auf dem Hof einkaufe, dem seien gesunde, hochwertige Waren und seltene Sorten wichtig. Rund 50 verschiedene Gemüsesorten seien aktuell im Sortiment. „Wir versuchen alles anzubauen was hier wächst“, sagt Pietruck. Besonders stolz sei man auf die zehn bis zwölf Tomatensorten, die per Direktvermarktung dankbare Kunden fänden. „Und unsere Möhren sind die leckersten, die es gibt.“

Tiere gibt es auf dem Schümannhof auch noch. Aber eher, um „echtes“ Hofleben zu bieten, und weniger als finanzielles Standbein. Der gelernten Tierärztin Thissen fiel gleich die alte Schweinerasse auf. Etwa 20 Schweine gibt es auf dem Hof. Hinzu kommt eine 65-köpfige Kuhherde samt 25 Mutterkühen, die in erster Linie zur Mistproduktion benötigt wird. „Schon seit 2006 wird hier nicht mehr gemolken“, erklärte Pietruck. Auch eine intensive Mast gebe es nicht. Einmal im Monat werde ein Tier geschlachtet, je nach Bedarf. Auf die Frage von Rossmann, wo sich Pietruck „Fördermittel für einen solch ganzheitlichen Ansatz“ vorstellen könne, sagte der zukünftige Betriebsleiter: „Am beste wäre es, wenn sich gesellschaftlich etwas ändern würde, sodass wir ohne Fördermittel auskämen.“

Doch das Einkaufsverhalten der Menschen könne nicht politisch diktiert werden, betonte Thissen. „Wir können den Konsumenten nicht vorschreiben, was sie kaufen sollen.“ In Deutschland seien Lebensmittel leider lange ausschließlich über den Preis vermarktet worden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen