Amt Rantzau : Der Bau-Boom geht weiter

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In diesem Jahr wollen die zehn Gemeinden des Amts Rantzau voraussichtlich 55 Baugrundstücke zu Kauf anbieten. Amtsdirektor Heinz Brandt spricht im Interview mit shz.de über den Bau-Boom im Amt Rantzau und die Konsequenzen.

shz.de von
08. Januar 2018, 16:00 Uhr

Barmstedt | Die zehn Gemeinden des Amts Rantzau haben im vergangenen Jahr dutzende Wohngrundstücke erschlossen und verkauft. Und das Wachstum geht weiter: Dieses Jahr wollen die Kommunen laut Amtsdirektor Heinz Brandt (Foto) nach aktuellem Stand 55 Wohngrundstücke zum Kauf anbieten. Im zweiten Teil des Interviews mit shz.de erläutert er, welche Neubaugebiete geplant sind und was das für die Infrastruktur der Gemeinden bedeutet. Zudem wirft Brandt einen Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen. Das Gespräch führte Christian Uthoff.

Anfang Mai hatten wir Landtagswahlen. Zuvor war über Großgemeinden und die Zusammenlegung von Ämtern debattiert worden. Das Amt hatte die Pläne abgelehnt. Ist das Thema seit der Wahl vom Tisch?
Das ist glücklicherweise vom Tisch. Darüber sind wir sehr froh und das geht vielen Ämtern und Kommunen in Schleswig-Holstein so.

Hat sich durch die Landtagswahl und die neue Jamaika-Koalition für das Amt Rantzau etwas konkret geändert?

Nein. Es hat sich zumindest bislang nicht negativ ausgewirkt, dass wir uns in diesem neuen Zusammenspiel der Kräfte befinden. Ich denke, wenn die regierenden Fraktionen in Kiel konstruktiv aufeinander zugehen, kann es auch weiterhin funktionieren. Es hängt immer von den handelnden Personen ab.

In 2018 wird in Schleswig-Holstein auf kommunaler Ebene gewählt. Haben die Vorbereitungen schon begonnen?

Ja, die haben hier längst begonnen. Es gibt einen festen Terminplan, der vom Land vorgegeben ist. Die Wahlvorschläge müssen spätestens bis zum 12. März 2018 hier eingereicht werden. Ich hoffe, dass die Parteien und Wählergemeinschaften wieder genügend Kandidaten für ihre Wahlvorschlagslisten zusammenbekommen. Wir hatten ja in 2013 im Vorfeld der Wahl zumindest in einer Gemeinde Probleme. Dort mussten wir ein wenig Trommeln, was zum Erfolg führte. Ich hoffe, dass wir das in 2018 nicht wiederholen müssen.

Warum ist es aus ihrer Sicht wichtig, sich politisch auf kommunaler Ebene für seine eigene Gemeinde zu engagieren?

Ich mag mir nicht vorstellen, wie es denn wäre, wenn wir nicht mehr genügend ehrenamtliche Mandatsträger für die wichtigen Aufgaben in unserer kommunalen Selbstverwaltung finden. Gerade diese kommunalen Mandatsträger sind es, die die Freiräume in unseren Gemeinden gestalten und sich um sachgerechte Lösungen für unsere Einwohner bemühen. Ich weiß, dass gern auch mal Entscheidungen der Gemeinden kritisiert werden. Aber man kann es eben nicht allen recht machen. Ich betone aber immer, dass es ganz wichtig ist, dass sich Bürger finden, die sich dieser wichtigen ehrenamtlichen Aufgabe widmen.

Die Alternative – wenn sich nicht genügend Ehrenamtliche finden – wäre eine Zwangsverwaltung?
Die Alternative wäre letztendlich eine Zwangsverwaltung auf Anordnung der Kommunalaufsicht. Ich kenne zwar aus der Vergangenheit keinen solchen Fall, aber das könnte passieren. Vermutlich würden auf Anweisung des Kreises Aufgaben auch auf das Amt übertragen werden. Aber so einen Fall hat es hier noch nicht gegeben und ich möchte mich auch gar nicht damit befassen.

Kann sich jeder zur Wahl aufstellen lassen?
Ja, die sogenannten Wählbarkeitsvoraussetzungen müssen erfüllt sein, aber es kann sich grundsätzlich jeder Bürger aus unseren Gemeinden über Partei, Wählergemeinschaft oder auch als Einzelbewerber bewerben. Die Personen müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Jeder der Interesse hat, sollte sich aktiv an seinen Bürgermeister oder an Parteien und Wählergemeinschaften wenden und signalisieren, dass er sich engagieren möchte.

Ein Thema, mit dem sich alle Kommunen weiterhin befassen werden, sind die Baugebiete. In diesem Jahr hatten wir einen regelrechten Boom: Es sind zahlreiche Baugebiete im Amtsbezirk ausgewiesen worden, auch viele Grundstücke verkauft und bebaut worden. Die Gemeinde bessern dadurch ihre Haushalte auf. Wie setzt sich das in 2018 fort?
Dieser Boom wird sich fortsetzen. Die Zahlen aus 2017 werden vermutlich übertroffen werden. Nachdem wir in diesem Jahr in verschiedenen Gemeinden 22 Baugrundstücke verkauft haben, werden es in 2018 vermutlich etwa 55  Grundstücke sein, die von den Gemeinden zum Kauf angeboten werden. Darunter sind allein 27 Bauplätze in Bokholt-Hanredder. Die Gemeinde plant ein größeres Neubaugebiet in Offenau. Darüber hinaus ist in Hemdingen ein Gewerbegebiet geplant, das in 2018 erschlossen werden soll. Die Grundstücke werden parallel dazu verkauft. Im übrigen werden weitere Bauland-Flächen in Bevern, Hemdingen und Lutzhorn überplant, die aber erst ab 2019 in den Verkauf gehen werden.

Das heißt, es tut sich jede Menge und offenbar ist der Amtsbezirk als Wohnort doch sehr begehrt.
Ja, wir erleben in vergangenen Jahren verstärkt eine hohe Nachfrage auch von auswärtigen Bauinteressenten. Zuvor hatten die Gemeinden ihren Bauland-Bedarf an Interessenten aus dem eigenen Ort ausgerichtet. Unsere Gemeinden haben sich inzwischen mehr geöffnet, auch für Auswärtige.

Zielen die neuen Baugebiete wie am Eichenring in Bokholt-Hanredder oder am Kreuzrebenbach in Bullenkuhlen eher auf Auswärtige ab oder sind sie für Einheimische gedacht?
Die Gemeinden sind zunächst darauf bedacht, den Bedarf der Interessenten aus der Gemeinde oder von denen, die ehemals in der Gemeinde gewohnt haben und wieder zurückziehen möchten, zu decken. Wenn dieser Bedarf gedeckt ist, ergibt sich häufig, dass Baugrundstücke übrig bleiben. Und die Gemeinden müssen das Interesse haben, das jeweilige Baugebiet in einem überschaubaren Zeitraum fertigzustellen. So bleiben auch Bauplätze für Auswärtige übrig, die dann vergeben werden.

Bokholt-Hanredders Haushalt weist für 2018 einen Überschuss von mehr als einer Million Euro aus – vor allem durch Grundstücksverkäufe. Neubaugebiete spülen Geld in die Kassen, die Infrastruktur muss aber mitwachsen. Wie sehen Sie da momentan die Balance?

Da machen sich die Gemeinden im Vorfeld große Gedanken, denn man kann nicht nur Bauland ausweisen und auf Teufel komm raus wachsen. Abgesehen von den Erschließungskosten, die dabei entstehen, muss man auch an spätere Folgeinvestitionen denken – wie Kindergartenplätze und Schulen, die irgendwann vorhanden sein müssen. Da muss man in die Zukunft denken. Daher ist eine in den Raum geworfene Zeile, nach der eine Gemeinde einen hohen Gewinn erwirtschaftet, zu kurz gegriffen. Am Rande erwähnt sei nur die umfangreiche Sanierung der Grundschule Bokholt-Hanredder in der vergangenen Legislaturperiode. Die Aufzählung weiterer investiver Maßnahmen an gemeindlichen Einrichtungen ließe sich beliebig fortsetzen.

Die Infrastruktur muss also mitwachsen. Was stehen da in 2018 für Projekte an?

Der Kindergartenneubau in Ellerhoop ist eines der dringendsten Projekte in 2018. Wenn, wie die Gemeinde hofft, die Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn gleich Anfang des Jahres erteilt wird, soll noch im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden. Die Gemeinde möchte, wenn es irgendwie geht, den Kindergarten 2018 auch in Betrieb nehmen. Das wird eine echte Herausforderung. Dann ist die Erschließung der erwähnten Baugebiete in Hemdingen und Bokholt-Hanredder geplant. Und der Bau des Glasfaser-Netzes soll 2018 starten. In Hemdingen laufen erste Überlegungen zum Bau eines neuen Kindergartens, die aber noch nicht projektreif sind. Da müssen noch intensive Planungen stattfinden.

Reichen die Schul- und Kindergartenplätze im Amtsbezirk denn aus?
Der wesentliche Bedarf ist meines Erachtens gedeckt, aber das müssen die Gemeinden ständig im Blick behalten. Zur Bedarfsdeckung trägt auch der geplante Kindergartenneubau in Ellerhoop bei. Wie die mittelfristige Entwicklung abläuft, ist aber nicht komplett sicher. Wir werden nicht auf Jahrzehnte planen können, sondern müssen immer wieder nachjustieren. Bei den Grundschulen gehen die Kinderzahlen hoch, was sicherlich auch den neuen Baugebieten geschuldet ist. Wir sind froh, dass wir die Grundschulen in unseren Gemeinden erhalten konnten. Das war ja vor Jahren ein großes Thema.

Die Debatte über die Schulstandorte ist also vom Tisch?  Ja. Kein Grundschulstandort ist gefährdet.

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