zur Navigation springen

Brande-Hörnerkirchen : Denkzettel für den Propst

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Synode in Brande-Hörnerkirchen wählte Thomas Bergemann erst im zweiten Wahlgang. Kita-Werk abgesegnet.

Brande-Hörnerkirchen | Propst Thomas Bergemann will nach seiner denkbar knappen Wiederwahl „an zentralem Ort Flagge zeigen – in der größten Stadt unseres Kirchenkreises“. Das ist im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf, der in den Kreisen Steinburg und Pinneberg liegt, Elmshorn: Dort soll neben der Kirche St. Nikolai für 7,4 Millionen Euro ein „Kirchliches Zentrum Elmshorn“ anstelle des Gemeindehauses entstehen mit Café, Räumen und Sälen und Sozialwohnungen für Behinderte und nicht Behinderte. Die gestiegenen Kosten genehmigte die Synode des Kirchenkreises am Sonnabend in der „Tankstelle“ in Brande-Hörnerkirchen.

Das Zentrum in Elmshorn ist eins der Großprojekte, die den Kirchenkreis zurzeit bewegen. Das zweite ist die Organisation von 21 Kindergärten, die nicht direkt von den Gemeinden verwaltet werden. Für diese Kitas soll ein Kindertagesstättenwerk gegründet werden, organisiert als gemeinnützige GmbH (gGmbH). Mehrheitsgesellschafter soll das Diakonische Werk des Kirchenkreises werden, ebenfalls eine gGmbH; Der Kirchenkreis selbst soll Minderheitsgesellschafter werden. Auch dieses Konzept ließ die Synode passieren.

Bergemann will Elmshorn offenbar mehr Gewicht im Kirchenkreis geben. Bei ihm sei „angekommen, dass es wichtig ist, dass der Propst und seine Stellvertreterin häufiger in Elmshorn sind.“ Darum soll dort ein Propstensekretariat eingerichtet werden, die neue Stellvertreterin Bergemanns – die jetzige Amtsinhaberin Christiane Melchiors wird bald ausscheiden – soll dort ihren Dienstsitz nehmen.

Bevor die Synode über diese Sachfragen entschied, hatten die 76 Synodalen Propst Bergemann eine schallende Ohrfeige verpasst: Sie hatten ihn bei seiner Wiederwahl nach zehn Amtsjahren im ersten Wahlgang durchfallen lassen, im zweiten Wahlgang erreichte er genau die nötige Mindeststimmenzahl. Dabei hatte die Regie im Vorfeld alles getan, Bergemann den Weg zu ebnen: Der Kirchenkreisrat – eine Art Regierung für den Kirchenkreis unter Vorsitz des Propstes – hatte dafür plädiert, Bergemanns Job nicht auszuschreiben, sondern den Amtsinhaber wiederzuwählen.

„Eigenwillig, mutig und fortschrittlich.“

Der Elmshorner Wolfgang Turkat, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenkreisrates, begründete dieses Votum damit, dass der Kirchenkreis als „eigenwillig, mutig und fortschrittlich“ wahrgenommen werde. Auch Bischof Gothart Magaard schloss sich vor der Synode diesem Votum an. Und Synoden-Präses Günter Szameitpreiks aus Elmshorn hatte schon morgens bei der Verabschiedung der Tagesordnung klar gestellt, dass dieser Punkt „ohne Aussprache“ behandelt werde. Nur Bergemann selbst durfte seine Kandidatur in einer Rede begründen.

„In leitender Position muss man auch mal auf die Füße treten“, erklärte Bischof Gothart Magaard vor der Wahl. „Es gibt nicht wenige Konflikte im Kirchenkreis“, darauf wies Bergemann selbst in seiner Bewerbungsrede hin. Dabei räumte er Schwächen ein: Er habe „Menschen Manches zugemutet“ sagte er mit Blick auf die Mitarbeiter des Kirchenkreises und gab zu, dass die versprochene Unterstützung der Ehrenamtler in den Kirchengemeinderäten unterblieben sei. Positiv wollte er gewertet wissen, dass Rantzau-Münsterdorf als erster Kirchenkreis eine ganze Pfarrstelle für Flüchtlinge eingerichtet habe, die am 1. Mai besetzt werde. „Meine Aufgabe ist es, den Mund aufzumachen“, beschrieb er sein Amtsverständnis in der Öffentlichkeit. Dass er dabei anecke, müsse er aushalten.

Offenbar will er den Mund noch weit häufiger aufmachen; er nannte als Themen, bei denen der Kirchenkreis sich einmischen solle, das aktuelle Kopftuchurteil, den Islam, Satire oder den Gottesbezug in der Landesverfassung.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Mär.2015 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen