Bullenkuhlen : Den Wald mit allen Sinnen erleben

Nur fühlen, nicht sehen: Ute Stolze versucht zu erraten, welchen Baum sie vor sich hat. Dass  es eine Birke sein muss, stand für sie nach kurzer Zeit fest.
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Nur fühlen, nicht sehen: Ute Stolze versucht zu erraten, welchen Baum sie vor sich hat. Dass es eine Birke sein muss, stand für sie nach kurzer Zeit fest.

Auf der Suche nach Köstlichkeiten und Kostbarkeiten: Eine Waldpädagogin führt Spaziergänger durch Forst bei Bullenkuhlen.

shz.de von
18. November 2013, 16:00 Uhr

Langsam tastet sich Ute Stolze durch den Wald. Unter ihren Füßen raschelt das dichte Laub, als sie durch den Erholungswald bei Bullenkuhlen stapft. Ihre Augen sind verbunden, geführt wird sie von Waldpädagogin Christine Gantner. An einer mächtigen Birke bleiben die beiden stehen. Ute Stolze tastet den Baum ab, soll herausfinden, um welche Art es sich handelt. Danach führt Gantner die Heederin wieder fort. Stolze nimmt die Augenklappe ab und versucht den Baum wiederzufinden, den sie zuvor ertastet hat.

Unter dem Motto „Köstliches und Kreatives aus dem Herbstwald“ hatten die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten zu einem Spaziergang in den Forst bei Bullenkuhlen eingeladen. „Der Wald ist ein Erlebnisraum, in dem man zu jeder Jahreszeit etwas machen kann“, so Gantner. In Bullenkuhlen schauten sich die vier Teilnehmer an, wie aus Wald-Materialien Adventsgestecke und kleine Figuren hergestellt werden. Sie begutachteten essbare Früchte, und am Ende probierten sie im Waldladen zudem Wildbret aus dem heimischen Forst. So erlebten sie den Wald mit allen Sinnen.

Schlehen, Hagebutten, Weißdorn – auch zum Ende des Jahres findet man noch Früchte im Wald. „Je mehr Frost jetzt kommt, desto weniger Früchte wird es bald geben“, so Gantner. Auch die  Pilzsaison sei beendet. Ab Beginn des Winters sei Fleisch eine der wenigen verbleibenden Köstlichkeiten aus dem Wald – bis zum Frühjahr.

Die Spaziergänger nutzten die Zeit auch, um Sturmschäden des Orkans „Christian“ vom 28. Oktober zu begutachten. „Im Dickicht gibt es noch ein paar Hänger“, so Gantner und zeigt auf einige halb umgestürzte Bäume, die sich in den Ästen anderer Bäume verkeilt haben. Das wichtigste aber: „Die Wege sind wieder frei geräumt.“

Am Ende des Spaziergangs hat auch Ute Stolze „ihren Baum“ gefunden. „Ich hätte mir die Birke anstelle der Waldpädagogin auch ausgeguckt“, berichtet sie. Die Struktur sei sehr unterschiedlich, es gebe glatte sowie raue Flächen. Auch den kleinen Blindflug im Wald habe sie genossen: „Man konzentriert sich mehr auf den Tastsinn und das, was unter den Füßen ist. Von dem Angebot der Landesforsten ist sie überzeugt: „Ich fand es sehr informativ. Man fährt sonst immer wer weiß wo hin, um sich etwas anzuschauen. Jetzt geht es darum, die nähere Umgebung zu erforschen.“

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