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Ärzteversorgung in Barmstedt : Den Bürgern fehlt ein Augenarzt

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

80 Besucher diskutieren mit Experten. Offiziell reicht die Versorgung aus.

Barmstedt | Ist die ärztliche Versorgung in Barmstedt ausreichend oder nicht? Wie können Fachärzte in die Stadt geholt werden? Über diese und weitere Fragen rund um die Ärzteversorgung hat der CDU-Stadtverband bei seinem vierten Polittalk mit Fachleuten und einem mehr als 80-köpfigem Publikum diskutiert. Vorsitzender Ortwin Schmidt begrüßte den Radiojournalisten Achim Schlufter als Moderator. Der hiesige Mediziner Dr. Axel Plätzer sowie Delf Kröger, Leiter Gesundheitspolitik der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein, nahmen zuerst Stellung. „Unsere beiden ärztlichen Gemeinschaftspraxen in Barmstedt sind teils sehr ausgelastet“, sagte Plätzer, der in der Ansiedelung weiterer Ärzte kein Problem sieht. „Im Umfeld gibt es allerdings weitere Ärzte mit guter Qualifikation, hier ist auch Mobilität von Patienten gefordert“, so Plätzer. Positiv sei, dass es beiden hiesigen Praxen gelungen sei, einen Generationswechsel mit weiterhin qualifizierten Ärzten zu vollziehen. „Damit ist das Durchschnittsalter unter 45 Jahre gesunken“, erklärte er.

„Nachwuchsförderung betreiben wir, indem Medizinstudenten bei uns Praktika absolvieren“, sagte Plätzer. Nachwuchsmangel sei das Hauptproblem in Schleswig-Holstein, griff Kröger das Stichwort auf. „Wir haben 1950 Hausärzte im Land, davon sind 1600 ältere Semester“, nannte er Zahlen. Es würden 50 Prozent weniger Ärzte Praxen eröffnen, als Praxen geschlossen würden.

Welchen Einfluss die KV auf die Ansiedelung neuer Ärzte im Ort habe, wollte Schlufter wissen. „Die Zulassung unterliegt einer Bedarfsplanung. Das große Regelwerk ist in Planungsräume unterteilt“, so Kröger. Nach dieser Planung sei der größte Teil Schleswig-Holsteins noch ausreichend mit Ärzten versorgt. Frage aus dem Publikum: „Hier wohnen viele ältere Menschen, die nicht unbedingt mobil sind. Werden die in diese Statistiken eingerechnet?“ Der demografische Faktor sei nicht berücksichtigt, entgegnete Kröger.

Zum Wunsch aus dem Publikum nach einem Augenarzt schaute Kröger in seine Statistiken. „Für ihn ist ein Einzugsgebiet von 25.000 Einwohnern vorgesehen“, sagte er. Neuzulassungen für Fachärzte seien aufgrund der ausreichenden Versorgung des Bezirks nicht möglich, sagte ein Zuschauer.

Kröger schlug vor, dass ein Facharzt in Barmstedt eine Zweigstelle mit beschränkten Öffnungszeiten eröffnen könnte. Diese Idee hält Plätzer aus betriebswirtschaftlichen Gründen für unrealistisch. „Das ist wegen der benötigten teuren Apparaturen eine Lachnummer“, sagte er.

Das Thema stieß auf großes Interesse: Etwa 80 Besucher hatten sich im Humburg-Haus eingefunden. (Foto: Pergande)
Das Thema stieß auf großes Interesse: Etwa 80 Besucher hatten sich im Humburg-Haus eingefunden. (Foto: Pergande)
 

Karsten Jasper, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, malte ein eher düsteres Zukunftsbild. „Wir werden nicht nur in den ländlichen Räumen gewaltige Probleme bekommen, wie wir sie jetzt schon im Norden des Landes haben“, sagte er. Dort würden bereits Bürgerbusse für Fahrten zum Arzt organisiert. Pro Jahr würden 2  200 Ärzte würden in den Ruhestand gehen, nur 1100 eine neue Praxis eröffnen. Nur zehn Prozent der Studenten entschieden sich für Allgemeinmedizin. „Die Gesundheitspolitik wird zu 90 Prozent vom Bund gemacht“, verdeutlichte Jasper.

Michel-Léopold Jouvin, ehemaliger Krankenhaus-Direktor in Frankreich, schilderte die Unterschiede im französischen und deutschen Gesundheitssystem. Fazit: „Im Vergleich steht Deutschland viel besser da“, sagte er – obwohl die Krankenschwestern in Frankreich besser ausgebildet seien und viele Eingriffe in dortigen Krankenhäusern ambulant durchgeführt würden.

Das geplante Neubauvorhaben auf dem Wischhof-Gelände wäre für zwei Facharztpraxen sehr geeignet, sagte Schmidt. Aus dem Publikum kam die Anregung, dass die Stadt auf der Internetseite www.praxenmarkt.de mit ihrer Attraktivität von der Krippe bis zum Abitur sowie einem Bauplatz und der Möglichkeit einer Praxis, weiterhin mit der reizvollen Kleinstadtidylle mit guten Einkaufsmöglichkeiten punkten könne, um damit Fachärzte anzulocken.

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erstellt am 10.Mär.2015 | 10:31 Uhr

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