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Barmstedt : Dem Seniorenheim fehlt ein Neurologe

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Zahn- und Hausärzte kommen ins Haus – doch ein Nervenarzt nicht. Defizit soll weiter sinken – Verhandlungen mit Verdi laufen.

Barmstedt | Eigentlich sollte der Termin eine Stunde dauern. Am Ende waren es fast zwei, die Anita Klahn im Barmstedter Seniorenheim verbrachte. Zusammen mit mehreren Vertretern des FDP-Ortsverbands ließ sich die FDP-Landtagsabgeordnete von Geschäftsführer Christoph Merker das Gebäude zeigen und das Konzept erläutern.

Das Seniorenheim ist in sieben Hausgemeinschaften aufgeteilt: Jeweils 13 Bewohner teilen sich eine Küche, in der sie auch selbst bei der Essenszubereitung mithelfen können. Das Modell war bei den Trägergemeinden nicht unumstritten, weil es im Vergleich zu einer Großküche höhere Kosten verursacht. Merker bestätigte, dass mehr Personal nötig sei. „Aber die Kassen statten uns trotzdem aus wie alle anderen.“ Was bedeute, „dass wir es selbst wuppen müssen“. Was dazu führe, „dass wir Pflegekräfte auch mal in den Küchen einsetzen.“

Ein weiteres Thema, das die Politiker interessierte, war die ärztliche Versorgung der Bewohner. Für Routineuntersuchungen komme ein Zahnarzt ins Haus, sagte Merker. „Aber wenn es aufwändiger wird, müssen wir die Patienten in eine Praxis fahren.“ Auch ein Internist und die Hausärzte aus Barmstedt kämen ins Heim. „Und es ist uns mit Mühen gelungen, einen Hautarzt zu finden, der zu uns kommt“, so Merker. Es fehle jedoch ein Neurologe. „Den hätten wir wirklich gern.“ Doch es gäbe nicht viele, „und deren Wartezimmer sind voll“.

Ganz nachvollziehen könne sie das trotzdem nicht, sagte Klahn. „Die Senioren sind unsere starke Generation. Darauf müssten sich doch auch die Ärzte als Dienstleister einstellen.“ Er habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass viele Mediziner „wegen ein paar Euro mehr, die die Kassen dafür zahlen“ nicht die Fahrtwege in Kauf nehmen wollten, sagte Merker. Anders sähe es etwa bei Friseuren, Optikern, Hörgeräteakustikern und Masseuren aus. „Die kommen zu uns. Die verdienen ja auch daran.“

Der Stand der Verhandlungen mit Verdi, der Jahresabschluss 2014 und die Kündigungen der Gemeinden Langeln und Bevern werden einige der Punkte sein, über die die Mitglieder des Zweckverbands des Seniorenheims Barmstedt/Rantzau am Dienstag, 15. September, beraten werden.  Die öffentliche Sitzung in der Marktstraße 47 beginnt um 18 Uhr.

Manche Bewohner würden auch selbst in die Stadt gehen, um Arzt- oder Friseurbesuche zu erledigen, betonte Merker. Generell seien viele Bewohner recht selbstständig, „einer fährt sogar Auto“. Andererseits gäbe es mehrere an Demenz erkrankte Bewohner. „Für sie haben wir aber keinen speziellen Bereich. Sie können das Haus auch verlassen“, so Merker. Die Betroffenen seien mit einem Sender ausgestattet, „so dass wir sie orten können, wenn sie nicht wiederkommen“. Es sei erstaunlich, so Merker mit einem Schmunzeln, „wie schnell viele sind“.

Dass das Heim – als einziges im Kreis Pinnberg – in kommunaler Hand ist, wüssten die Bewohner sehr zu schätzen, berichtete Merker. „Für sie ist das ein sicheres Gefühl. Und sie haben vertraute Pflegekräfte, weil die Fluktuation sehr gering ist.“ Das liege sicher auch an der Vergütung, die „etwas besser ist als bei privaten“ – andererseits aber auch dazu beiträgt, dass das Defizit nach wie vor hoch ist. „Es ist aber schon stark auf 350.000 Euro in 2014 zurückgegangen“, sagte Merker. Um es weiter zu senken, liefen zurzeit die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi. Einzelheiten wollte er dazu nicht nennen.

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erstellt am 28.Aug.2015 | 16:30 Uhr

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