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Barmstedter Zeitung

16. Dezember 2017 | 12:38 Uhr

Barmstedt : Dem Gemeinwohl verpflichtet

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Werner Münster ist neuer Schiedsmann der Schuhmacherstadt. Anfang des kommenden Jahres soll der 63-Jährige vereidigt werden.

shz.de von
erstellt am 19.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Es sei ein bisschen aus Mitleid gewesen, sagt Werner Münster (63) und lächelt. Er hatte in der Zeitung den Aufruf gelesen, dass die Stadt einen neuen Schiedsmann suche und sich bislang noch niemand gemeldet habe. Aber dann wird Münster wieder ernst: „Man ist dem Gemeinwohl verpflichtet und muss sich überlegen, ob man sich versteckt oder das übernimmt.“ Der 63 Jahre alte Barmstedter hat sich nicht versteckt – in ihrer jüngsten Sitzung wählten die Stadtvertreter ihn zum neuen Schiedsmann. Anfang des kommenden Jahres wird er vereidigt werden.

Fünf Jahre lang wird Münster immer dann eingreifen, wenn bei Nachbarschaftsstreitigkeiten oder anderen Konflikten um geringe Werte ein Schlichter benötigt wird. Wer Kontakt zum ihm sucht, kann sich über die Stadt Barmstedt an ihn wenden – oder wird vom Amtsgericht direkt an ihn verwiesen: „Bestimmte Verfahren werden erst zum Amtsgericht zugelassen, wenn ein Schiedsverfahren vorher nicht erfolgreich war“, erläutert der 63-Jährige.

Wer bei Streitigkeiten um geringe Werte – wie beispielsweise Konflikte um Grenzbepflanzungen – sich gleich ans Amtsgericht wendet und klagen will, wird in der Regel an den Schiedsmann weitergeleitet. Mit einer juristischen Funktion habe er aber erstmal nichts zu tun, so Münster. „Mein Ziel ist es, aus der Lebenspraxis heraus mit gesundem Menschenverstand unvereinbare Positionen zusammenzuführen.“ Wenn beide Parteien den Schiedsspruch einvernehmlich unterschrieben hätten, sei dieser rechtskräftig. „Man kann sich das dann nicht noch einmal anders überlegen“, sagt Münster.

Mit dem Gedanken, sich als Schiedsmann zu bewerben, habe er schon länger gespielt, berichtet er. „Das war aber neben dem Beruf nicht zu machen.“ Seine Erfahrungen (siehe-Info-Kasten) sollen ihm bei seiner neuen Aufgabe helfen. „Ich hatte eine Führungsfunktion bei Airbus und stand ständig in Kontakt mit vielen Menschen.“ Und wo es viele Menschen gebe, gebe es auch Diskussionen und Probleme. Zudem war Münster unter anderem fünf Jahre lang kaufmännischer Projektleiter beim Bau der Produktionsstätten des A380. Das Vorhaben hatte dabei ein Investitionsvolumen von etwa einer halben Milliarde Euro. „Da gab es auch mal Begehrlichkeiten von Baufirmen, die den Wert des Vertrags aufstocken wollten“, berichtet Münster. „Da musste ich dann vermitteln.“ Als Entwicklungsingenieur war er zudem zeitweise in einem internationalen Komitee vertreten, das Empfehlungen für die Entwicklung von Notausrüstungsgegenständen herausgab. „Da hat man auch mit vielen Interessen zu tun“, so Münster.

Und auch an einer weiteren wichtigen Entwicklung war der Barmstedter beteiligt: Mit seinem Team entwickelte er Notrutschen für Flugzeuge, die sich im Notfall innerhalb von zwei Sekunden aufblasen. Davor dauerte der Vorgang zehn Sekunden.

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