Hitzesommer 2018 : Das Wetter beflügelt Subtropen-Pflanzen im Ellerhooper Arboretum

Hans-Dieter Warda zeigt einen Seidenbaum im Ellerhooper Arboretum. Das Gewächs liebt die Hitze und blüht nun richtig auf.  Fotos: Peter Jaster
Hans-Dieter Warda zeigt einen Seidenbaum im Ellerhooper Arboretum. Das Gewächs liebt die Hitze und blüht nun richtig auf. Fotos: Peter Jaster

Ideale Bedingungen für Blaue Seerosen. Tropische Pflanzen müssen intensiv bewässert werden.

shz.de von
26. Juli 2018, 12:00 Uhr

Ellerhoop | Unter der Hitze in diesen Sommertagen leiden viele Pflanzen, einige aber blühen erst so richtig auf. In der Norddeutschen Gartenschau in Ellerhoop ist aktuell sehr gut zu sehen, wie die Pflanzen auf die Hitze reagieren. Hans-Dieter Warda, Leiter des Arboretums, schwärmt bei den Sonnenliebhabern sofort von dem Seidenbaum. „Dieser Baum, auch Seidenakazie genannt, blüht jetzt auf, er liebt die Hitze. Diese Baumart ist eine große Seltenheit in unseren Gärten. Wir haben hier die helle und die dunkle Art. Er kommt aus Asien und unsere beiden sind schon über 30 Jahre alt“, berichtet er.

Trompetenblumen, Bleiwurz und Artischocken

Auch Trompetenblumen, Bleiwurz und Artischocken gehören zu den Wärmeliebhabern, sagt Warda. Das Sonnenauge komme aus der Prärie und kenne keine Ermüdungserscheinungen. Diesen Pflanzen gehöre die Zukunft, sollte das Wetter in den nächsten Jahren ähnlich warm bleiben, so der Experte. Anhand der Hortensien erklärt Warda, wie Pflanzen derzeit reagieren: „Je größer die Blattoberfläche, umso mehr Feuchtigkeit gibt die Pflanze ab und braucht also viel Wasser. Die Hortensie mit ihren Blütenbällen und den vielen einzelnen Blüten hat eine riesige Blütenoberfläche, gibt ganz viel ab und muss daher ständig bewässert werden, sonst krümeln sie.“ Zelltod nenne das der Fachmann. „Fast alle tropischen Pflanzen haben große Blätter und leiden unter dem ausbleibenden Regen. Pflanzen aus dem Mittelmeerraum, wie die rosaroten Wildalpenveilchen, haben ihre eigene Strategie entwickelt. Sie bleiben unter der Oberfläche und blühen erst, wenn es kühler wird.“ Andere Gewächse würden Blätter abwerfen um die Oberfläche und damit den Wasserbedarf zu verkleinern. Heimische Gewächse wie Eichen, Erlen und Kiefern hätten wie die Rosen mit ihren tiefen Wurzeln wenig Probleme. Ebenso ist es laut Warda bei Gräsern, dem Buchsbaum oder Fichten mit nur wenig Blattoberfläche. 

Die blauen Seerosen brauchen hohe Temperaturen und viel Sonnenschein.
Peter Jaster
Die blauen Seerosen brauchen hohe Temperaturen und viel Sonnenschein.
 

Für die Mitarbeiter des Arboretums bedeute die Trockenheit viel Arbeit: „Wir wollen unseren Besuchern ein blühendes Pflanzenparadies präsentieren, das ist unser Anspruch und daher wässern wir aus unseren eigenen Brunnen sehr viel und können viel zeigen“, so Warda.

Gar keine Probleme haben laut Warda derzeit die Wasserpflanzen, stehen sie doch im Wasser. So auch die ganz seltenen blauen Seerosen, die in diesen Tagen im Arboretum in Ellerhoop zu bewundern sind. Lufttemperaturen von 25 bis 30 Grad Celsius mit viel Sonne, wenig Wolken und Beleuchtungsstärken von 70 000 bis 100 000 Lux seien ideale Bedingungen für ein optimales Wachstum dieser Pflanzen, die sie sonst nur in ihren Heimatstandorten in den subtropischen Gebieten am Nil, in Asien, Südafrika, Mexiko oder Australien zu finden sind.

Bodenheizung für Seerosen im Winter

Nur mit den Wasser- und Bodentemperaturen in kälteren Monaten hätten die tropischen Seerosen Probleme, da müssten die Gärtner im Arboretum mit einer Bodenheizung nachhelfen, so Warda. „Und unsere kalte Jahreszeit mit Frösten würden sie nicht überleben.“ Da jedoch eine Überwinterung im Gewächshaus wegen des außerordentlich hohen Lichtbedarfs zu kostspielig sei, müssten die blauen Seerosen in jedem Frühsommer neu gesetzt werden, berichtet Warda. Die Jungpflanzen kommen mit einem Spezialtransport aus den Anbaubetrieben in Asien. „Die blauen Seerosen sind Langschläfer, die Blüte öffnet sich erst so gegen zehn bis elf Uhr. Auch wenn es weltweit über 500 Arten von Seerosen gibt, sind die wenigen Blaublütigen mit ihrer azurblauen Blüte immer noch eine große Seltenheit“ so Warda. Die Pflanzen seien jedoch nur die Vorboten für die echten indischen Lotusblumen. Das große Spektakel rund um die Blüte steht jedoch noch aus, die Vorbereitungen für das Lotusblüten-Fest am 11. und 12. August laufen auf Hochtouren.

Neben den Wasserpflanzen sind laut Warda zurzeit der Bauerngarten und die über 20 000 leuchtenden Sommerblumen in und um die Themengärten herum zu bestaunen. Das Arboretum ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet neun Euro, ermäßigt sind es 7,50 Euro. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre haben freien Eintritt.

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