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Ernteausfall nach Starkregen : Das Wasser macht die Felder unbefahrbar

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Zahlreiche Äcker und Wiesen in der Region überschwemmt. Landwirte müssen deshalb die Maisernte unterbrechen.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Barmstedt | Der Heeder Trecker-Treck: ausgefallen. Das Rasenmäher-Rennen in Bilsen: ausgefallen. Die Parkflächen zum Herbstmarkt in Heede: nicht benutzbar. Eine Maisernte auf den Felder in der Region: derzeit kaum möglich. Vom goldenen September und Oktober ist in diesen Tagen in Norddeutschland wenig zu sehen. Erst zog das Sturmtief „Sebastian“ über Schleswig-Holstein hinweg und brachte jede Menge Regen.

Während des Sturms „Xavier“ in der vergangenen Woche knickten zudem zahlreiche Bäume wie Streichhölzer um. Die Folgen des schlechten Wetters: Veranstaltungen wurden abgesagt oder mussten umgeplant werden. Und auch die Landwirte in der Region schauen derzeit skeptisch auf ihre Felder. Eigentlich sollten dort die Maishäcksler rollen, stattdessen fließt das Wasser in Strömen. Noch ist die Situation aber nicht dramatisch, die Landwirte hoffen nun auf besseres Wetter.

Ende eines goldenen Herbsttags: Am Knöller Damm in Osterhorn verschwindet die Sonne langsam hinter dem Horizont. Auf den Wiesen ringsherum sind die Folgen der Regenfälle der vergangenen Tage sichtbar.
Ende eines goldenen Herbsttags: Am Knöller Damm in Osterhorn verschwindet die Sonne langsam hinter dem Horizont. Auf den Wiesen ringsherum sind die Folgen der Regenfälle der vergangenen Tage sichtbar. Foto: Christian Uthoff
 

Etwa ein Viertel des Maises in der Region sei bislang eingefahren, schätzt Christof Kirst vom Kreisbauernverband Pinneberg, der selbst einen Hof in Brande-Hörnerkirchen betreibt. In einigen Gebieten sei aber noch gar nicht mit der Ernte begonnen worden. „Die wenigsten Landwirte sind fertig“, so Kirst. Abgeerntete Flächen gibt es zum Beispiel rund um Barmstedt oder in Westerhorn.

Blaue Stunde in Westerhorn: Auf vielen Feldern in der Region steht das Wasser.
Blaue Stunde in Westerhorn: Auf vielen Feldern in der Region steht das Wasser. Foto: Christian Uthoff
 

In der vergangenen Woche sei es überhaupt nicht möglich gewesen, die Felder zu befahren. „Das ging gar nicht.“ Gestern hätten es einige Landwirte zwar versucht, aber Kirst rechnet nicht damit, dass in dieser Woche viel passieren werde. Bis Donnerstag kündigen die Wetterdienste erneut immer wieder Regenschauer an. Erst danach soll es trockener werden.

Der viele Niederschlag sei ein zweischneidiges Schwert, so der Landwirt aus Brande-Hörnerkirchen. Aufgrund des Regens sei das Wachstum der Pflanzen gut gewesen. Erträge, Preise und Qualität seien ebenfalls gut – wenn man denn an die Pflanzen herankäme. „Wir müssen jetzt ernten. Der Mais reift ab. Die Feuchtigkeit lässt ihn auch nicht viel besser werden“, sagt Kirst. „Wir brauchen dringend trockeneres Wet  ter.“ Das Problem ziehe sich wie ein roter Faden durch das Jahr 2017.

In der Offenau-Niederung zwischen Groß Offenseth-Aspern und Klein Offenseth-Sparrieshoop stehen noch immer zahlreiche Flächen unter Wasser. Die Überschwemmungen sind von der Landesstraße 113 aus gut zu sehen.
In der Offenau-Niederung zwischen Groß Offenseth-Aspern und Klein Offenseth-Sparrieshoop stehen noch immer zahlreiche Flächen unter Wasser. Die Überschwemmungen sind von der Landesstraße 113 aus gut zu sehen. Foto: Christian Uthoff
 

„Der Regen hat uns häufig einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Das bestätigt auch die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Insbesondere der Sommer sei von Wetterkapriolen besonderen Ausmaßes gekennzeichnet gewesen. Ergiebige Regenfälle hätten dafür gesorgt, dass sich die Landwirte vor allem Raps und Weizen regelrecht von den Feldern klauen mussten. Schätzungsweise 40 Prozent des Weizens standen um den 20. August herum noch auf dem Land.

Außer dem Wasser hätte auch der Sturm „Xavier“ am Donnerstag seine Spuren in Feldern hinterlassen, so Kirst weiter. Bäume und Äste waren in Maisfelder gestürzt, Pflanzen umgeknickt. „Je nach Region und Betrieb könnten bis zu zehn Prozent der Pflanzen auf den Feldern bleiben“, sagt er. Die Maschinen könnten die umgeknickten Pflanzen nicht richtig abernten.

Sonnig und trocken: Die heimischen Landwirte hoffen auf besseres Wetter – wie am vergangenen Sonntag.
Sonnig und trocken: Die heimischen Landwirte hoffen auf besseres Wetter – wie am vergangenen Sonntag. Foto: Christian Uthoff
 

Drei bis vier Tage ohne Regen wären laut Kirst nötig, damit die trockeneren Böden wieder getrocknet seien; bei den feuchteren Böden dauere es doppelt so lange. Wenn die Maschinen dann zur Ernte anrollen, bitten er und der Kreisbauernverband um Verständnis für die sogenannte Bauernglätte. Gerade wegen der sehr feuchten Böden gelange durch Traktoren und Häcksler besonders viel Dreck auf die Straßen. „Das wird zunehmen“, so Kirst. Schilder weisen auf die Verschmutzungen hin. Die Landwirte seien angehalten, die Straße wieder zu räumen.

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