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Barmstedt : Das Saturn-Kino wird zur Kulturstätte

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Sohn des Eigentümers verwandelt das Lichtspielhaus am Markt in einen Kulturbetrieb mit Lesungen, Konzerten – und Salsa-Kursen.

Barmstedt | Gelernt hat Matthias Grütz Elektroinstallateur. Aber seine Leidenschaft ist die Kultur – sein Herz hängt am Schauspiel, am Theater, an Musik. Also sattelte der heute 37-jährige Barmstedter um: Er besuchte die Schauspielschule in Kiel, tingelte drei Jahre lang als Animateur für einen Reiseveranstalter um die Welt, spielte Theater in Köln und Lüneburg, trat in Musicals auf, wirkte in Fernsehserien mit und moderierte für den Kika-Kanal. 2002 gab sein Vater Jürgen den Betrieb des Saturn-Kinos am Barmstedter Marktplatz auf. „Da sah ich meine erste Chance, es zu übernehmen, aber es war wohl noch zu früh“, sagt Matthias Grütz rückblickend.

Stattdessen pachteten die Uetersener Kinobetreiber Kai Bartels und Stefan Keuchel das kleine Lichtspielhaus. Als sie es 2009 wieder abgaben, „hatte ich gerade in Lüneburg aufgehört, da hätte es mit der Übernahme gut gepasst“, sagt Grütz. Aber er hatte wieder Pech: Reinhard Klietz, Kinobetreiber aus Norderstedt, war schneller. Er führte das Programmkino sechs Jahre lang und stellte es auf Digitaltechnik um. Doch der Mindestlohn brach ihm das Genick: Ende Mai war Schluss – und für Grütz die dritte Chance gekommen.

„Das Haus weiter als Kino zu betreiben, hätte sich allerdings nicht gelohnt“, sagt der 37-Jährige, der seit 2009 hauptberuflich in der Solarenergiebranche tätig ist. Also plante er um – und stellte quasi im Handumdrehen ein anspruchsvolles Kulturprogramm auf die Beine. „Dabei haben mir meine Kontakte aus der Theaterzeit geholfen.“ So habe er unter anderem erreicht, dass in der „Kulturschusterei“ – wie er das ehemalige Kino in Anspielung auf Barmstedts Vergangenheit als Schusterstadt genannt hat – ein Loriot-Stück aufgeführt werden darf. „Das war mit den Rechten nicht ganz einfach und freut mich sehr.“ Ein weiteres Highlight – zwei Edith-Piaf-Abende im Januar – sei ebenfalls durch Kontakte zustande gekommen. „Die beiden Darstellerinnen werden dafür extra aus Süddeutschland anreisen.“

Da Grütz sich nur nebenberuflich um das Kulturzentrum kümmern kann, wird es Veranstaltungen wie Konzerte und Lesungen zunächst nur an den Wochenenden geben, „denn da will ich gern dabei sein“. Anders sieht es mit weiteren Angeboten aus: „Es wird zum Beispiel Salsa-Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene geben“, kündigt Grütz an. Auch die Gruppe ,Theater im Kino’ – die bereits im Saturn-Kino auf der Bühne stand und seit längerem pausiert – wird wieder auftreten. „Auch unter der Woche.“

Hinter dem Tresen werden zunächst Freunde und Verwandte stehen. Sie werden vor allem Getränke aus der Region ausschenken, mit deren Kauf die Besucher auch soziale Projekte unterstützen. „Das ist mir wichtig“, so Grütz. Zu essen dagegen werde es nur Snacks geben. „Die Leute sollen ja nicht deswegen kommen.“

Platz ist genug

Platz, um alle seine Ideen zu verwirklichen, sei im alten Kino genug, sagt Grütz. Der Saal ist 82 Quadratmeter groß; die Bühne misst drei mal sechs Meter. Darüber hinaus gibt es eine kleinere Eckbühne: „Falls es mal etwas gemütlicher werden soll.“ Für die Gemütlichkeit hat Grütz auch eine „Nostalgie-Ecke“ geschaffen: Im Eingangsbereich hat er vier der alten Kinosessel aufgebaut und an die Wand darüber zwei alte Filmrollen gehängt.

Die Eintrittspreise habe er mit fünf bis elf Euro bewusst moderat angesetzt, sagt Grütz. „Ich hoffe, dass wir das halten können. Denn gute Künstler kosten Geld.“ Als Einleitung wird es für jede Veranstaltung einen Teaser (Ansage) geben, den ein befreundeter Radiomoderator einspricht. „Das soll eine Art ,Film ab’ sein, weil die Verbindung zum Kino bleiben soll.“

Ein wenig Kino-Flair wird zudem im ersten Stock erhalten bleiben: Der kleine Saal bleibt bestehen. „Wir werden ihn renovieren, einen Beamer und eine Leinwand aufbauen. Dann können Besucher eigene Filme mitbringen und zum Beispiel Kindergeburtstage feiern“, so Grütz.

Die Karten für alle vier September-Veranstaltungen sind im Friseurgeschäft Ritter, Reichenstraße 11, erhältlich. Den Auftakt macht am Sonnabend, 12. September, ab 20 Uhr Cathrine Jauer mit  Live-Musik unter dem Motto „One woman, one guitar“. Der Eintritt kostet sieben, im Vorverkauf sechs Euro.  Das weitere Programm im Internet unter www.kulturschusterei.de
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erstellt am 18.Aug.2015 | 12:30 Uhr

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