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Im Interview: Stadtjugendpfleger Martin von Aspern : Das Jukids wird ausgezeichnet

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Barmstedts Jugendzentrum wird für Mitarbeiter-Fortbildung ausgezeichnet. Einrichtungsleiter Martin von Aspern über die Angebote.

Barmstedt | Das Barmstedter Jugendzentrum (Jukids) wird ausgezeichnet: Der Kreis Pinneberg verleiht dem Haus das Prädikat ,Qualitätseinrichtung Jugendarbeit’. Im Gespräch spricht Barmstedts Stadtjugendpfleger Martin von Aspern über die Arbeit des Jukids – in dem fünf Mitarbeiter und zwei Honorarkräfte täglich etwa 50 Kinder und Jugendliche betreuen. Das Gespräch führte Redakteurin Elisabeth Meyer.

Herr von Aspern, was bedeutet die Auszeichnung für das Jukids?
Martin von Aspern: Zum einen ist es ein Schild, das wir ans Haus hängen können. Das mag vielleicht albern klingen, aber für uns es wichtig, damit die Eltern wissen, dass sie ihre Kinder von pädagogisch geschultem Personal betreuen lassen, das sich fortlaufend weiterbildet. Es steckt eben etwas mehr dahinter, als nur Kicker spielen und Kekse backen. Deshalb haben auch alle mitgemacht: sowohl wir drei gelernten Erzieher als auch die beiden Halbzeitkräfte. Wir wollen schließlich am Ball bleiben und mitkriegen, was läuft.

Was beinhaltete die Veranstaltungsreihe?
Es ging zum Beispiel um Kinderschutz. Was mache ich mit Kindern, die vom Jugendamt betreut werden müssten, und wie wir im Team besser über diese Fälle sprechen können. Ein anderes Thema war Mobbing – wie kann ich das in den Griff bekommen. Das ist in der offenen Arbeit schwieriger als zum Beispiel in der Schule, weil man bei der vorgestellten Methode mit den Betroffenen feste Termine vereinbaren muss. In den Schulen ist so etwas möglich, bei uns kaum, da unsere Arbeit auf Freiwilligkeit beruht. Was super ankam, war der Workshop ,Verhaltensoriginell’.

Was muss man sich darunter vorstellen?
Der Begriff bezieht sich hier auf Verhaltensweisen bei Kindern und Jugendlichen, die man sich oft nicht einfach erklären kann. Hier können traumatische Erlebnisse oft Auslöser sein, und die Fortbildung hat uns einiges an Handwerkzeug mitgegeben.

Welche Rolle spielen heute soziale Netzwerke?
Ein Beispiel: Wenn früher zwei Kinder ins Jukids kamen, hat man ihnen angemerkt, dass sie sich gleich streiten würden. Heute passiert das scheinbar aus heiterem Himmel – die kommen rein und gehen in die Luft. Das liegt dann oft daran, dass sie sich vorher schon über Whatsapp oder andere soziale Netzwerke gestritten haben. Es gibt Kinder, die durch digitale Medien vereinzeln. Aber ganz so dramatisch und hoffnungslos, wie es manchmal dargestellt wird, würde ich es nicht sehen. Wie viel Spaß Kindern und Jugendlichen der direkte Austausch miteinander macht, zeigt sich zum Beispiel immer wieder beim Stockbrot-Backen. Da vergessen plötzlich alle ihr Handy. Deshalb bin ich so   ein großer Fan ganz einfacher Aktionen.

Warum, meinen Sie, gehen Kinder und Jugendlichen ins Jukids?
Weil sie hier feste Ansprechpartner finden, denen sie vertrauen. Beziehungsarbeit ist das Allerwichtigste. Es gibt Kinder, die wollen nur zu bestimmten Betreuern. Außerdem basiert hier alles auf Freiwilligkeit – das ist anders als in der Schule. Und anders, als viele denken, kommen hier nicht nur Schüler aus sozial benachteiligten Familien her. Wir sind ein Haus für alle, das auch von allen besucht wird. Man kann hier seine Freizeit verbringen, Freunde treffen, sich selbst einbringen und auch eine Menge ohne Tafel und Stundenplan lernen.

Seit Mai hat das Jukids alle zwei Wochen auch am Samstag geöffnet. Wie wird das angenommen?
Recht gut, wir haben im Schnitt 25 Kinder hier. An Wochentagen durchlaufen etwa 50 Kinder und Jugendliche die Einrichtung. Problematisch ist allerdings, dass unsere Mitarbeiter – es müssen immer zwei da sein – schnell viele Überstunden sammeln, die sie dann während der Woche abbummeln müssen. Da kürzen wir dann Angebote. Mit unseren Honorarkräften kriegen wir das
aber meistens ganz gut in den Griff.

Wie sieht es mit der Ferienfahrt aus, die das Jukids einmal im Jahr anbietet?
Die ist sehr beliebt, aber wir müssen uns leider fragen, ob wir sie 2016 noch anbieten können. Die Eltern wollen sie gern, aber es sind vier Betreuer für eine Woche gebunden – was da an Stunden zusammenkommt, kann man sich vorstellen...

Die meisten Angebote im Jukids sind für die Besucher kostenlos. Wie finanzieren Sie das?
Wir haben verschiedene Etats, die jedes Jahr von der Politik festgesetzt werden. Unser Programmetat beläuft sich auf 4000 Euro pro Jahr. Für die Ferien haben wir einen extra Ansatz. Wir gehen eben sehr sparsam mit den Mitteln um und leisten uns manche Dinge auch nicht. Am wichtigsten ist und bleibt natürlich das Personal und der „gute Draht“ zu den Kindern. Ein Jugendzentrum konkurriert aber natürlich immer auch mit dem Flachbildschirm und der neuesten Spielekonsole im Kinderzimmer.

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erstellt am 07.Nov.2015 | 10:00 Uhr

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