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Barmstedter Schicksal : „Das ist menschenunwürdig“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Es stinkt ihnen gewaltig: Die Wohnung eines Ehepaars wurde mit Abwasser überflutet. Seit Tagen können sie sich weder waschen noch die Toilette nutzen. Der Abwasserzweckverband will dafür nicht verantwortlich sein.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2013 | 12:00 Uhr

Als sie erzählt, was ihr Mann und sie seit einer Woche durchmachen, kämpft Katja Wöhlk immer wieder mit den Tränen. „Das ist menschenunwürdig“, sagt sie einmal. Die Leidensgeschichte des Barmstedter Ehepaars begann am 26. September: Damals stand plötzlich ihr Keller unter Wasser. Seitdem können Katja und Thomas Wöhlk in ihrem Haus nicht mehr auf Toilette gehen, nicht mehr duschen, nicht mehr waschen. Einziges Glück im Unglück: ihr Wohnwagen, der auf ihrem Grundstück an der Gebrüderstraße steht. „Da gehen wir jetzt immer auf Toilette. Aber das ist eine einzige Zumutung“, sagt Katja Wöhlk. Für Katzenwäsche und den Abwasch nutzt sie Schüsseln und Eimer, das Wasser dafür erhitzt sie im Wasserkocher.

Als das Wasser acht Zentimeter hoch in ihrem Keller stand, dachte das Ehepaar zuerst, es sei ein Rohr verstopft, und riefen eine Fachfirma an. „Doch der hat schnell festgestellt: Das liegt nicht an euch“, sagt Wöhlk. Vielmehr lag es offenbar an der nahegelegenen Baustelle am AKN-Übergang an der Mühlenstraße, vermuten ihr Mann und sie. Dort saniert der Abwasserzweckverband (azv) seit drei Wochen ein Schmutzwasserrohr. Das Abwasser wurde während der Arbeiten zeitweilig an der etwa 16 Meter langen Schadstelle vorbeigeleitet. Die dafür genutzten Pumpen hätten es wohl nicht geschafft, die Wassermassen von der nahe gelegenen Meierei aufzunehmen, sagt Wöhlk. „So ist das alles bei uns gelandet.“

Das Schmutzwasser sei „aus dem Klo rausgekommen“ und habe vier der sechs Kellerräume komplett überflutet, schildert Wöhlk. „Das hat gestunken wie die Pest.“ Die nassen Möbel, altes Kinderspielzeug und viele andere Gegenstände haben die Wöhlks weggeworfen. Am Mittwoch wurde der Container von einer Entsorgungsfirma abgeholt.

Glück im Unglück: der Wohnwagen

In einem der Zimmer hat das Ehepaar Trockner aufgestellt und begonnen, das Laminat herauszureißen. Auch die Holztreppe nach oben ist feucht. „Die werden wir wohl auch erneuern müssen“, sagt Wöhlk. Und im Wohnzimmer sehe es aus „wie Kraut und Rüben“, weil sie Sachen aus dem Keller dort zwischenlagern müssten.

Am schlimmsten sei, dass ihnen keiner helfe, sagt Katja Wöhlk. Im Gegenteil: „Der azv meint, es sei unsere Schuld, weil unsere Wasserleitungen nicht auf Straßenniveau liegen. Aber dann ist es doch seltsam, dass 17 Jahre lang alles problemlos funktioniert hat. Wir hatten die Kinderzimmer im Keller, da war nie was.“ Auch den – wahrscheinlich gut gemeinten – Rat, sie könnten doch „bei Nachbarn auf Toilette gehen“, empfindet Wöhlk als Hohn: „Das ist ja wohl der Gipfel. Das kann man mal einen Tag lang machen. Aber doch nicht eine Woche.“ Wenn sie ihren Wohnwagen nicht hätten, sagt sie, „dann wüssten wir gar nicht mehr weiter“.

Der azv wollte keine Stellungnahme zu dem Fall abgeben. Projektleiter Jan Rogge hatte am Mittwochabend aber zumindest eine gute Nachricht für das Ehepaar: Die Pumpen seien seit Mittwoch abgeschaltet, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Meierei-Geschäftsführer Dirk Rowedder sagte: „Die Anwohner tun uns sehr leid. Aber es liegt nicht an uns.“ Unabhängig davon, habe die Meierei die Abwassereinleitung in Absprache mit dem azv wegen der Baustelle bereits „auf ein Minimum reduziert“.

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