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Hemdingen : „Das halten die Straßen nicht aus“

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Wegeunterhaltungsverband Pinneberg wird 50 Jahre alt. Schwere Fahrzeuge machen dem Wegenetz zu schaffen.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 16:30 Uhr

Hemdingen | Kommunen mit ausreichend finanziellen Mitteln zur Wegesanierung ausstatten: Diesen Wunsch hat der Wegeunterhaltungsverband (WUV) Pinneberg während einer Feierstunde zum 50-jährigen Bestehen des Zweckverbands geäußert. Vorstand, Geschäftsführer, ehemalige Mitglieder und Ingenieure trafen sich vor Kurzem im „Hemdinger Hof“, um über die Vergangenheit zu reden und einen Ausblick in die Zukunft zu geben. Der WUV – ein Zusammenschluss von 38 amtsangehörigen Gemeinden im Kreis Pinneberg – ist dem Amt Rantzau angegliedert. Die Organisation kümmert sich darum, Schlaglöcher, Risse und kaputte Stellen in Gemeindestraßen und Wirtschaftswegen zu reparieren und ausgefahrene Randstreifen in einen ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen.

Etwa 1,1 Millionen Euro gebe der WUV jährlich für Reparaturen des 900 Kilometer langen und 1150 Straßen umfassenden Wegenetzes aus, berichteten Verbandsvorsteher Reimer Offermann und Geschäftsführer Klaus Perthen. Der Verband sei ein Erfolg, die Zusammenarbeit klappe gut: „Alle haben gemeinsame Interessen“, sagte Offermann. Die Zukunft stecke aber voller Herausforderungen: „Viele Wege und Straßen sind 50 Jahre und älter.“ Damals sei der Verkehr ein ganz anderer gewesen, und die Wege hätten die Belastungen gut ausgehalten. Gerade in der Marsch sei aber der Untergrund schwierig. Und: „Das heutige Gewicht der Fahrzeuge halten die Straßen und Wege nicht aus“, resümierte Offermann. „Die Fahrzeuge sind zu breit und zu schwer. Schadstellen entstehen.“ Problem seien aber nicht ausschließlich die modernen landwirtschaftlichen Maschinen. So nutzten beispielsweise auch Lieferdienste die Wege.

Den Schaden ausgleichen müssten am Ende die Gemeinde, so Offermann weiter. „Wenn es nass ist und dann ein harter Winter folgt, ergibt das eine hohe Schadenslage.“ Zunehmend seien keine Risssanierungen, sondern gründliche Sanierungsarbeiten erforderlich. Die Mitgliedsgemeinden zahlten jährlich einen Beitrag von derzeit 35 Cent pro Quadratmeter Straße und Betonfläche. Das Ziel: „Für möglichst wenig Geld gute Ergebnisse erzielen“, sagte der Vorsitzende.

In Zeiten stark belasteter Gemeindehaushalte regte Offermann daher mit Blick auf Bund, Kreis und Land an zu überlegen, Kommunen finanziell unter die Arme zu greifen, um zukunftsfähig zu bleiben. „Nicht jeder Feldweg braucht eine Grundsanierung. Aber wie lange man mit dieser Art der Unterhaltung das Wegenetz aufrecht erhalten kann, ist fraglich.“ Hartmut Klütz aus Bokel, der dem Zweckverband von 1983 bis 2009 als Verbandsingenieur zur Seite stand, pflichtete Offermann bei. „Wir laborieren an den Symptomen.“ Auf Dauer könne man nicht nur die Schäden reparieren, ohne Grund reinzubringen. Verband und Gemeinden benötigten dafür entsprechende finanzielle Mittel. Notfalls müssten die Kommunen umdenken und selbst mehr Geld in die Hand nehmen, falls das Land nicht investiere. Eine weitere Möglichkeit sei es, die Lohnunternehmer in die Pflicht zu nehmen. „Aber das schlägt natürlich auf die Landwirte zurück.“

Finanzielle Unterstützung hat es früher einmal gegeben: Der WUV Pinneberg war laut Offermann am 5. Januar 1967 auf Anregung des damaligen Landrats Udo Sachse gegründet worden. Ziel sei es gewesen, die Wirtschaftswege und Gemeindestraßen zu pflegen und zu unterhalten. Der Kreis werde die Gemeinden bei der Erfüllung dieser Aufgabe nicht im Stich lassen, betonte der damalige Landrat in der Barmstedter Zeitung. In der Anfangszeit habe der Kreis bis zu 60 Prozent der Kosten getragen, so die ehemaligen Mitglieder. Bis Ende der 90er-Jahre habe der Kreis noch einen Beitrag gezahlt. „Heute gibt es keinen Zuschuss mehr“, bedauerte Offermann.

Während einer Feierstunde im „Hemdinger Hof“ in Hemdingen sprachen Verbandsvorsteher Reimer Offermann (Fünfter von links) und Geschäftsführer Klaus Perthen (Vierter von rechts) mit Weggefährten, Ingenieuren und Gästen über die Zukunft des Zweckverbands. Zum 50. Geburtstag hat sich der Verband zudem ein eigenes Logo zugelegt.
Während einer Feierstunde im „Hemdinger Hof“ in Hemdingen sprachen Verbandsvorsteher Reimer Offermann (Fünfter von links) und Geschäftsführer Klaus Perthen (Vierter von rechts) mit Weggefährten, Ingenieuren und Gästen über die Zukunft des Zweckverbands. Zum 50. Geburtstag hat sich der Verband zudem ein eigenes Logo zugelegt. Foto: Christian Uthoff
 

Und wie läuft die Arbeit des WUV ab? Die Gemeinden melden ihre Straßenschäden an die Ämter. Der Zweckverband schaut sich diese an, später folgen Beratungen. Schließlich werden die Arbeiten ausgeschrieben. „Es gibt immer Fachleute, die vor Ort absprechen, welche Arbeiten durchgeführt werden“, so Offermann. Jede Gemeinde bekomme ihre Abrechnung und wisse, wie viel Geld sie ausgegeben habe. „Der WUV ist wie eine Einkaufsgemeinschaft“, fügte er hinzu. „Wir können günstigere Preise erzielen und haben das Know-how durch unsere Fachkräfte.“

Der Wegeunterhaltungsverband Pinneberg wurde am 5. Januar 1967 ins Leben gerufen. Erster Verbandsvorsteher war Bokholt-Hanredders damaliger Bürgermeister Theodor Kruse. Auf ihn folgten Claus-Michel Hell (Kurzenmoor), Karl-Heinz Reumann (Rellingen) und Eduard Riepen (Brande-Hörnerkirchen). Seit 2008 ist mit Reimer Offermann (Heede) wieder ein Bürgermeister aus dem Amtsbezirk Rantzau Verbandsvorsteher. Um die Geschäftsführung kümmert sich Klaus Perthen vom Bauamt des Amts Rantzau. Ehemalige Geschäftsführer sind Hans Jändling und Siegfried Hannemann, beide arbeiteten auch als Leitende Verwaltungsbeamte des Amts Rantzau. Seit 2010 ist Stefan Reese als Verbandsingenieur tätig. Seine Vorgänger sind Hartmut Klütz (Bokel) und Willi Hauschildt (Itzehoe). Von 1967 bis 1971 war das Kreisbauamt des Kreises Pinneberg für die Abwicklung der Arbeiten zuständig.
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