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Barmstedter Zeitung

22. Oktober 2017 | 14:40 Uhr

Das Gesicht der Kirche in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Kirchenkreis Seit zwei Jahren gibt es mit dem stellvertretenden Propst Torsten Becker wieder einen Vertreter in der Krückaustadt

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Zwei Jahre lang ist Torsten Becker nun schon stellvertretender Propst im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf. Und seit einem Jahr residiert er im neuen kirchlichen Zentrum im Herzen von Elmshorn. „Ich habe das Gefühl, dass die Elmshorner froh sind, dass es hier nach der Fusion der Kirchenkreise wieder eine pröpstliche Person vor Ort gibt“, sagt Becker. „Einige sprechen mich sogar mit ,Herr Propst’ an. Aber denen muss ich auch ganz klar sagen: Unser Propst sitzt in Itzehoe und heißt Bergemann.“

Torsten Becker fühlt sich wohl in Elmshorn. „Diese Stadt hat etwas sehr Offenes. Der Spruch ,Supernormal’ passt sehr gut, wie ich finde.“ Das treffe auch auf das neue Gebäude des Kirchenkreises zu. „Dieses neue kirchliche Zentrum macht Spaß. Es gibt hier unglaublich vielfältige Arbeits- und Lebensbereiche, die unter einem Dach aufeinandertreffen.“ Das kirchliche Zentrum sei nicht nur ein Bürogebäude, in dem die Kirchenkreisverwaltung, das Kitawerk oder die Diakonie untergebracht sind. „Hier wohnen Menschen, es gibt das Café und auch die Gemeinde St. Nikolai hat ihre Räume. Hier toben auch mal Konfirmanden durch das Haus oder man hört einen Chor proben.“

Täglich erlebe er einen quicklebendigen Kirchenkreis mit starken und schnellen Veränderungen, sagt Becker. Insbesondere das Konzept der regionalen Zusammenarbeit der Gemeinden habe sich bewährt: Der Kirchenkreis finanziert bestimmte Stellen zu 50 Prozent mit, wenn mehrere Gemeinden miteinander kooperieren. „Auf diese Weise haben wir beispielsweise in der Kirchenmusik oder in der Kinder- und Jugendarbeit eine sehr gute Personalausstattung, obwohl sich die einzelnen Gemeinden das nicht leisten könnten“, erklärt Becker. Als stellvertretender Propst ist er für diejenigen Bereiche im Kirchenkreis verantwortlich, die nicht in einer bestimmten Gemeinde angelegt sind. Dazu gehört etwa die Notfallseelsorge, Kirche in der Schule, Seelsorge im Krankenhaus oder auch der Ökumene-Pastor des Kirchenkreises.

Während der zwei Jahre im Kirchenkreis gab es einige Themen, die Beckers Arbeit besonders intensiv geprägt haben. Eins davon ist die Gewaltprävention. „Zum Glück gab es dafür bei uns keinen konkreten Anlass, aber wir wollen an dieses Thema ran gehen, damit es in unserem Kirchenkreis kein Thema wird.“ Ein Risikobereich sei beispielsweise die Flüchtlingsarbeit. Menschen, die traumatisiert sind und ihre Rechte nicht kennen, gerieten leicht in die Gefahr, Opfer von Abhängigkeiten zu werden.

Überhaupt war die Flüchtlingsarbeit ein Schwerpunkt in der Gemeindearbeit der vergangenen beiden Jahre. „Bei den Ehrenamtlichen habe ich viel Optimismus und Aufbruch erlebt, aber auch Enttäuschung und Überforderung“, sagt Becker. Flüchtlinge seien schließlich ganz normale Menschen, die nicht immer genau das täten, was man sich von ihnen wünschen würde. Ein besonders schwieriges Thema sei in diesem Zusammenhang das Kirchenasyl. Auch im Kirchenkreis wird Flüchtlingen, die hätten abgeschoben werden sollen, in Pastoraten und anderen kirchlichen Gebäuden Schutz gewährt. „Das ist den Behörden bekannt“, sagt Becker. „Kirchenasyl wird von den Behörden toleriert. Wir verfassen ein Dossier über den Einzelfall und bitten die Behörden, sich diese Fälle noch einmal in Ruhe anzusehen und erst dann zu entscheiden. Wenn die Menschen trotzdem abgeschoben werden sollen, müssen wir uns fügen.“ Solche Fälle belasteten die Gemeinden besonders.

Ein Thema, das in der Zukunft immer wichtiger werden wird, ist für Becker das Nachwuchs-Problem der Kirche. „Unsere Pastorenstellen sind im Moment voll besetzt und Elmshorn ist mit seiner Nähe zu Hamburg noch ein recht attraktiver Standort für junge Mitarbeiter“, sagt Becker. „Aber es wird ein Problem werden – und ist zum Teil schon ein Problem.“

Als stellvertretender Propst ist Becker nah an seinen Gemeinden und im Dialog mit den hauptamtlichen Mitarbeitern. Die Visitationen in den einzelnen Gemeinden des Kirchenkreises gemeinsam mit Propst Thomas Bergemann sind darüber hinaus eine gute Gelegenheit, mit den Gemeinden ins Gespräch zu kommen. Becker: „Der Blick von außen kann helfen. Wir geben ein Feedback. In der Regel ist das positiv – und geht in die Richtung: Merkt ihr eigentlich, was ihr täglich alles leistet?“.

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