zur Navigation springen
Barmstedter Zeitung

17. August 2017 | 16:23 Uhr

Barmstedt : Das Geheimnis des Wasserwerks

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Stadtwerke Barmstedt bauen eigenes Rechenzentrum unter dem Gebäude auf. Serverschränke werden mit Wasser gekühlt.

Barmstet | Im Herz der Barmstedter Wasserversorgung ist es laut. Langsam gehen Fred Freyermuth und Olaf Lorenz von den Stadtwerken Barmstedt die Treppe im Wasserwerk hinunter, wo drei große und eine kleine Pumpe stehen. Sie sorgen dafür, dass in den Haushalten in der Region fließendes Wasser aus der Leitung kommt. Die großen Pumpen haben eine Leistung von 100 Kubikmeter pro Stunde, die kleine schafft 30 Kubikmeter. Genug Leistung sei in jedem Fall vorhanden, sagt Stadtwerke Geschäftsführer Freyermuth. „Es kann ruhig eine große Pumpe ausfallen. Wir haben trotzdem genug Leistung.“ Die Stadtwerke modernisieren ihr Wasserwerk derzeit Schritt für Schritt im laufenden Betrieb. Seit drei bis vier Jahren sei man bereits an der Arbeit, so Freyermuth. Doch das Wasserwerk ist nicht nur ein Wasserwerk: Im Keller darunter arbeiten die Stadtwerke an ihrem neuesten Projekt – und dafür ist auch jede Menge Wasser notwendig.

Acht bis neun Grad habe das Wasser, wenn es in die Leitung fließe, so Freyermuth. 500.000 Kubikmeter würden pro Jahr ins Netz gehen. Das benötigte Rohwasser komme aus Brunnen überall im Stadtgebiet. Einer der Hauptbrunnen mit einer Tiefe von etwa hundert Metern befinde sich im Steinmoor in Richtung Lutzhorn. Es folgt die Enteisenung und Entmanganung. „Das ist das Wesentliche, das wir hier herausfiltern“, sagt Freyermuth.

Das ganze System laufe vollständig automatisch ab, so Freyermuth weiter. „Alles wird fernüberwacht.“ Wichtig sei auch, dass das System autark sei – und somit durch Angriffe von außen geschützt. „Es hängt nicht am Netz. Es kann keiner von außen rein. Das gilt auch für die Spannungsversorgung.“

Anschließend sperren Freyermuth und Lorenz die Türen zum Wasserwerk wieder zu. Über eine Treppe im Hof betreten die beiden nun den Keller des Wasserwerks. Die Türen sind mehrfach gesichert, nur wenige Menschen haben Zutritt. Hier bauen die Stadtwerke seit Mitte 2014 ihr neues Rechenzentrum auf.

Zwischen 50 und 100 virtuelle sowie physikalische Server stehen in den Räumen, erläutert Olaf Lorenz. „Und das ist beliebig erweiterbar.“ Unternehmen können dort unter anderem ihre Firmendaten lagern oder sichern. Den Support übernehmen die Stadtwerke, die sich mit den IT-Services ein neues Geschäftsfeld erschließen. „Die sensiblen Daten liegen nicht in einer Cloud in Amerika“, sagt Freyermuth. „Sie verlassen Barmstedt nicht.“ Hinsichtlich des Supports habe es immer wieder schon Nachfragen von Geschäftskunden gegeben, ergänzt Lorenz.

Glasfasern, so weit das Auge reicht: In einem kleinen Häuschen am Bahnhof laufen die Anschlüsse mehrerer tausend Kunden zusammen. (Foto:  Uthoff)
Glasfasern, so weit das Auge reicht: In einem kleinen Häuschen am Bahnhof laufen die Anschlüsse mehrerer tausend Kunden zusammen. (Foto:  Uthoff)
 

Von zentraler Bedeutung sei dabei der Standort Wasserwerk, sagt Freyermuth. „Die Kühlung der Anlagen ist das A und O und und ein Kostenfaktor im langfristigen Betrieb. Und daher werde das Rechenzentrum mit einer Wasserkühlung betrieben. „So haben wir keinen Stromaufwand für die Kühlleistung“, berichtet Freyermuth. „Das war ein ausschlaggebender Faktor, zu sagen: Wir bauen hier das Rechenzentrum rein“, sagt Freyermuth. Die noch verbrauchte Energie werde aus Wasserkraft gewonnen.

Trinkwasser-Kreislauf und Kühlkreislauf seien dabei voneinander getrennt, betont Freyermuth. Die Verbindung sei lediglich thermisch. Das etwa 22 Grad warme Wasser aus dem Rechenzentrum laufe dann zurück und fließe durch einen Sicherheitswärmetauscher. Um bei Probleme gerüstet zu sein, ist alles doppelt ausgeführt.

Im Rechenzentrum stehen bereits mehrere Serverschränke, die mit Türen verschlossen sind, damit die Luftzirkulation funktioniert, wie Lorenz berichtet. Die warme Luft wird eingesaugt, dann erfolgt der Wärmetausch zwischen Luft und Wasser. Die Räume besitzen einen Doppelboden. „Die Leitungen verschwinden darin“, sagt Freyermuth. „Die Energieleitungen im Fußboden und oben die Glasfaser“, so der Geschäftsführer mit Blick an die Decke.

Nach der Tour durch das Wasserwerk geht es weiter zum Barmstedter Bahnhof. In einem unscheinbaren Häuschen laufen die Glasfaseranschlüsse tausender Kunden der Stadtwerke Barmstedt zusammen, berichtet Freyermuth. Allein 2500 seien in Barmstedt am Netz. Tausende Kabel und hunderte blinkende Lämpchen sind zu sehen – alles fein säuberlich beschriftet, um die Übersicht zu behalten. „Hier kommen die Daten an und von hier läuft es dann ins richtige Internet“, sagt Freyermuth. Auch die Signale aus den Außenbereichen wie Hemdingen oder Bevern würden dort ankommen. Insgesamt gebe es zwei dieser Anlagen in Barmstedt und eine in Sparrieshoop – um wieder die Redundanz zu erzeugen.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Feb.2016 | 15:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen