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Arboretum Ellerhoop : Das Blütenparadies wird teurer

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Für die neue Saison ist das Eintrittsgeld von sieben auf neun Euro erhöht worden. Mindestlohn und Gehaltserhöhungen sind die Gründe für die neue Preisstruktur, sagt Leiter Hans-Dieter Warda.

„Soll das ein Aprilscherz sein?“ „Ich schlage vor, für das Sitzen auf der Parkbank auch Geld zu verlangen.“ „Das sprengt unsere Möglichkeiten für einen Familienausflug.“ Die Gemüter einiger Besucher der Norddeutschen Gartenschau im Arboretum in Ellerhoop sind erhitzt. Das zeigt sich im Gästebuch der Einrichtung. Denn für die neue Saison wurde das Eintrittsgeld von sieben auf neun Euro erhöht – eine Preissteigerung von fast 30 Prozent. Der ehrenamtliche Leiter der Einrichtung, Hans-Dieter Warda, begründet dies mit den gestiegenen Personalkosten – auch verursacht durch den Mindestlohn.

Warda kann zwar die Reaktion verstehen, es habe allerdings keine Alternative gegeben. „Meine Intention ist es, die Menschen in eine wunderschöne Parkanlage zu führen, in der sie die Seele baumeln lassen können“, sagt er. „Allerdings muss ich auch einen ordnungsgemäßen Ablauf garantieren und meine Angestellten bezahlen.“ Außer den vielen ehrenamtlichen Kräften arbeiten 40    Mitarbeiter im Arboretum. 30 davon sind 450-Euro-Kräfte – und bekommen nun den höheren Mindestlohn. Zudem hätten einige Angestellte eine Lohnerhöhung von 2,5    Prozent erhalten. „Wir orientieren uns am öffentlichen Dienst“, so Warda weiter. „Die Personalkosten sind gestiegen. Die Materialkosten ebenso. Es wird alles teurer.“ Eigentlich müsse er für die Gartenpflege zwei weitere Mitarbeiter einstellen. „Viele Gärtner machen unbezahlte Überstunden. Die setzen sich alle wahnsinnig ein.“ Als gemeinnütziger Verein sei es ihm nicht gestattet, Gewinne zu machen oder Rücklagen aufzubauen. „Wenn Zoos und Kinos ihre Tickets für immer mehr Geld verkaufen, beschwert sich niemand.“ Bei Gärten- und Parkanlagen reagierten die Verbraucher hingegen mit Unverständnis.

Die meisten Besucher hätten den Preis aber akzeptiert, sagt Warda. „Nur fünf Prozent meckern oder beschweren sich.“ Im Vergleich zu anderen Parkanlagen sei neun Euro nicht zu teuer. Zudem könnten Kinder bis 16    Jahre den Park genießen, ohne Eintritt zu bezahlen. Schüler und Studenten zahlen 7,50 Euro. Hartz-IV-Empfänger fünf Euro. „Es macht uns auch keinen Spaß, die Preise zu erhöhen, aber alle Rationalisierungsmaßnahmen greifen nicht mehr. Jetzt muss der Besucher etwas tiefer in die Tasche greifen. Es geht eben nicht anders.“

Um weitere Einnahmequellen zu erschließen, hatten Warda und sein Team erst kürzlich das Dielen-Café vom Pächter übernommen. Auf das Anlernen eines Nachfolgers verzichte Warda vorerst ebenso.

Das Arboretum wird vom gemeinnützigen „Förderkreis Arboretum Baumpark Ellerhoop-Thiensen“, den Warda damals mit seiner Frau Swantje gegründet hatte, betrieben. Das Areal gehört dem Kreis. Für sein Engagement bekam Warda bereits das Bundesverdienstkreuz. Jedes Jahr erhält der Verein einen Zuschuss des Kreises Pinneberg in Höhe von 110  000 Euro. Dazu kommt ein jährlicher Betrag in Höhe von etwa 42  000 Euro für die bauliche Unterhaltung. Im Jahr 2011 wurde der Nutzungsvertrag einvernehmlich neu gestaltet. Vorher hatte die Einrichtung jedes Jahr 30  000 Euro mehr Fördergeld bekommen. Seitdem wurde der Betrag auf 110  000 Euro festgelegt. In der Ausschussvorlage heißt es, es sei beabsichtigt, „die Kosten für den Kreis zu reduzieren, um der Finanzsituation des Kreises Rechnung zu tragen“.

Um die Gartenanlage zu bewirtschaften, reichen aber weder die Förderung, noch das Eintrittsgeld aus, sagt Warda. Der Verein sei zusätzlich von hohen Spendensummen abhängig. „Einige fragen mich, wie ich das überhaupt hinkriege, den Park für neun Euro Eintrittsgeld anzubieten.“ Oliver Carstens, Sprecher des Kreises, erklärte auf Anfrage, die Preisgestaltung obliege dem Verein. „Ob der Zuschuss erhöht wird, wäre eine rein politische Entscheidung.“

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erstellt am 18.Apr.2015 | 16:00 Uhr

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