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„Jetzt fängt die gemütliche Zeit an“ : Das Arbeitsleben verlängern - ein Barmstädter macht es vor

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Barmstedter Erwin Knutzen hat nach seinem Ruhestand noch 16 Jahre lang gearbeitet – mit 75 hat er jetzt aufgehört.

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2015 | 13:00 Uhr

Barmstedt | „Wenn es meiner Familie gut gehen soll, muss ich arbeiten“: Das war Erwin Knutzens (75) Devise. 47 reguläre Berufsjahre hat der Barmstedter hinter sich, während dieser Zeit ist er nebenbei 30 Jahre lang Taxi gefahren und hat diverse Urlaubsvertretungen in einer Kohlenhandlung geleistet. Jetzt ist er endgültig in den Ruhestand getreten – nachdem er nach seinem Renteneintritt 1999 noch 16 Jahre Medikamente ausgefahren hatte.

„Mein Mann hat immer gearbeitet“, sagt Knutzens Ehefrau Heidi (71). „Jetzt holen wir alles nach, jetzt fängt die gemütliche Zeit an“, lachen beide. Knutzen wuchs in Groß Offenseth-Aspern auf und lernte in der Schuhfabrik Lüdemann Schuhfacharbeiter. Nach zwölf Jahren, als die Fabrik schloss, wechselte er in das Brauereilager am See, für das er als Kraftfahrer drei Jahre lang Bierkisten, Fässer und Eisblöcke transportierte. „Das war ein Knochenjob“, erinnert er sich. Die 100-Liter-Fässer mussten manchmal Stufe für Stufe über dem Knie die Kellertreppe hinunter gewuchtet werden. Die 30 bis 40 Kilogramm schweren Eisstangen zum Kühlen wurden mittels zweier Haken geschleppt.

Während seiner Zeit als Soldat arbeitete Knutzen als Urlaubsvertretung bei Kohlen-Jacobs an der Großen Gärtnerstraße. „Die Kohlen lagerten in großen Schuppen“, so Knutzen. Sie wurden dort gewogen und in Säcke abgekippt. „Um die Kunden zu erreichen, mussten wir mit den 50-Kilo-Säcken über der Schulter oft bis in den dritten Stock asten“, erzählt Knutzen.

Heidi Knutzen kümmerte sich derweilen meist allein um die drei Söhne, Haus und Garten. „Einmal kam Erwin nach Hause, stellte sich in die Verandatür und sagte, dass der Rasen mal wieder gemäht werden müsse“, erzählt sie lachend. Nach seiner Zeit im Brauereilager fuhr Knutzen zwölf Jahre lang Lastwagen bei Züchner – oft war er eine Woche am Stück unterwegs. Als Züchner schloss, fuhr er 20 Jahre lang Lastwagen für eine Spedition in Pinneberg. Wieder war er oft tagelang unterwegs. „Ich hatte aber ein Telefon im Auto und konnte jeden Abend mit meiner Frau sprechen“, sagt er.

Nachts an den Wochenenden fuhr er Taxi. „Gerade ältere Leute freuten sich, wenn ich mit ihnen Platt schnackte, und erzählten mir ihre Lebensgeschichten“, so Knutzen. Doch seine Zeit war noch nicht ausgefüllt: Beim SSV-Rantzau spielte er Fußball und pfiff als Schiedsrichter, beim Verein „Bunte Leute“ saß er im Vorstand. Zum Ausgleich unternahm er lange Spaziergänge mit seinem Hund. Als er 1999 in Rente ging, war seine Frau skeptisch. „Ich musste noch neun Jahre arbeiten und war besorgt, wie er wohl ohne Arbeit zurechtkommt“, sagt sie. „Ich nahm mir Haus und Garten vor, aber ohne kochen und waschen“, so Knutzen. Gereicht hat ihm das offenbar nicht: Er fand bei der Rantzau-Apotheke einen Job als Medikamentenausfahrer. Auch dabei öffnete ihm sein Platt Türen. „Die Leute luden mich spontan zum Kaffee ein“, schmunzelte er. Jetzt lehnt er sich entspannt im Sessel zurück – und resümiert: „Ich habe gern gearbeitet.“

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