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„Mir macht der Job riesigen Spass“ : Bürgermeisterin Heike Döpke ist seit einem Jahr im Amt

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Eine Zwischenbilanz zur Amtszeit von Barmstedts Bürgermeisterin Heike Döpke. Politiker loben ihre Präsenz. Die CDU übt Kritik.

Barmstedt | Neue Sporthallen, die wegen Schimmels monatelang gesperrt sind. Ein Bürgerentscheid, der das aufwendig geplante Projekt Sohlgleite zu Fall bringt. Ein tödlicher Unfall am Bahnübergang. Kostenexplosion im kommunalen Seniorenheim. Ein Freibad, das wegen Blaualgen ständig schließen muss. Ein völlig missglückter Stoppelmarkt. Die Queen hätte die Aneinanderreihung dieser Vorkommnisse, die sich in Barmstedt in den vergangenen zwölf Monaten ereigneten, wahrscheinlich als „annus horribilis“ (Jahr des Schreckens) bezeichnet. Heike Döpke, die sich mit all dem in ihrem ersten Jahr als Bürgermeisterin konfrontiert sah, hat sich davon nicht beirren lassen. „Mir macht der Job noch immer riesigen Spaß“, sagt sie anlässlich ihrer einjährigen Amtszeit, die mit ihrer Vereidigung am 20. August 2013 begann. Die Aufgaben und ihr Arbeitspensum seien zwar „ambitioniert“, räumt sie ein. „Aber wenn es so weiterläuft, ist es sehr gut.“

Während es in Sachen Sporthallen, Beschrankung der Bahnübergänge und Strandbad vorangehe, sei der Haushalt mit zurzeit 2,9 Millionen Euro Defizit und etwa 17 Millionen Euro Schulden ihr „Sorgenkind“, so Döpke. „Mein großes Ziel ist ein ausgeglichener Haushalt.“ Ein erster Schritt auf dem Weg dorthin sei die Umstrukturierung in der Verwaltung, wodurch ab 2017 jährlich etwa 140.000 Euro an Personalkosten gespart werden sollen. „Wir werden das Schritt für Schritt umsetzen“, so Döpke. Eines ihrer Wahlversprechen habe sie bereits eingelöst: „Ich habe mit jedem Mitarbeiter im Rathaus ausführlich gesprochen.“ Die Einlösung eines zweiten Versprechens – mehr Bürgerbeteiligung – stehe kurz bevor: Für Dienstag, 2. September, ist eine Einwohnerversammlung geplant, in deren Rahmen sich die Barmstedter zu den Zielen der Politik äußern dürfen.

Als „Luxus“ in ihrem neuen Job sieht Döpke ihren kurzen Arbeitsweg an – von ihrer Wohnung bis zum Rathaus sind es zu Fuß nur wenige Minuten –, der ihr auch den direkten Kontakt zu den Bürgern ermögliche. „Der ist mir ganz wichtig.“ Nach wie vor sei sie von Barmstedt begeistert, sagt Döpke, die vorher in Niedersachsen gelebt hat. „Die Menschen hier sind offen, engagiert und wollen was bewegen.“ Auch die anfangs ungewohnte Fernbeziehung mit ihrem Mann habe sich gut eingespielt. „Wir besuchen uns abwechselnd.“ Auf Urlaub habe sie dagegen im ersten Jahr weitgehend verzichtet, so Döpke. „Mal eine Woche, mal ein paar Tage, mehr war nicht drin.“

Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit sei das Repräsentieren, sagt Döpke – mit der Folge, dass sie oft abends und am Wochenende Termine wahrnimmt. Was ihr von Seiten der Politik hoch angerechnet wird: Fast alle Fraktionschefs loben ihre „ständige Präsenz“. „Sie ist immer da“, sagte Marina Quoirin-Nebel (Grüne), „das gefällt uns gut.“ Ihre „häufige Anwesenheit an den Veranstaltungen der Vereine und Verbände an den Wochenenden“ zeige, „dass sie sich mit der Stadt identifiziert“, sagte Hans-Christian Hansen (SPD). „Ihre fast dauerhafte Präsenz wird von den Bürgern und uns positiv gesehen“, lobte Peter Gottschalk (FWB). Und selbst die CDU, die mit Ortwin Schmidt einen eigenen Kandidaten um das Bürgermeisteramt aufgestellt hatte, hebt Döpkes „Engagement für Bürgernähe durch zahlreiche Sprechstunden und die Teilnahme an vielen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen“ hervor.

Ein weiteres Lob zollen SPD, FWB und Grüne der Verwaltungschefin dafür, dass sie sich gründlich in die kommunalpolitischen Themen eingearbeitet habe und stets gut vorbereitet sei. „Sie hat unsere Erwartungen voll erfüllt – und das, obwohl ihr Start mehr als schwierig war“, bilanziert Hansen.

Nach anfänglicher Skepsis, ob Döpke tatsächlich in Barmstedt Fuß fassen würde, zeigt sich die FWB auch davon angetan. „Die Einhaltung ihrer Zusage, nach der Wahl ihren Lebensschwerpunkt nach Barmstedt zu verlegen, sehen wir sehr positiv“, so Gottschalk. Zudem sei „eine neue Kultur im politischen und verwaltungsseitigen Umgang wahrzunehmen“.

Die CDU sieht die Arbeit der Verwaltungschefin deutlich kritischer. „Wir sind unzufrieden mit der Situation der Sporthallen und den damit verbundenen Lösungsansätzen durch das Rathaus“, erklärte Fraktionschef Hauke Johannsen. Die Verkleinerung des Stoppel- und des Weihnachtsmarkts werde Barmstedts Attraktivität erheblich mindern. „Der Absicherungswunsch, jede Entscheidung bis in den hinterletzten Paragraphen zu hinterfragen, kann kontraproduktiv sein.“ Die „weglaufenden Kosten“ beim Seniorenheim müssten gebremst werden, und in Sachen Freibad und Rantzauer See erhoffe sich die CDU „mehr Entscheidungsfreude, und auch in Bezug auf eine mögliche Verwaltungszusammenlegung mit dem Amt Rantzau wünschen wir uns eine engagierte Haltung“. Schließlich habe Döpke es „bisher nicht vermocht, zu den Parteien ein Vertrauensverhältnis auf Basis tragfähiger gegenseitiger Achtung zu schaffen“, so Johannsen – obwohl die CDU sich „sehr darum bemüht“ habe.

Die BALL hält sich mit einem Urteil zurück. „Wir haben nicht erwartet, dass sich durch den Wechsel in der Verwaltungsspitze grundlegend etwas ändert“, erklärte Fraktionschef Günter Thiel. Da „die großen Weichen für die Kommunalpolitik in Berlin und Kiel gestellt werden“, habe die Stadtvertretung nur einen „sehr eingeengten Entscheidungsspielraum, innerhalb dessen die Bürgermeisterin Beschlüsse vorzubereiten und umzusetzen“ habe. Urteil der BALL: „Das war mal besser, mal schlechter.“

Ein halbes Jahr vor der Wahl des neuen Barmstedter Verwaltungschefs am 26. Mai 2013 hatte es noch so ausgesehen, als würden zwei gebürtige Barmstedter das Rennen unter sich ausmachen: Die Polizeibeamten Ortwin Schmidt (CDU) und Jörg Dittmer hatten ihren Hut in den Ring geworfen. Doch dann präsentierte die örtliche SPD die in Barmstedt völlig unbekannte Diplom-Verwaltungswirtin Heike Döpke (parteilos) aus dem niedersächsischen Rodenberg, die bei der Stadt Hannover für das Gebäudemanagement zuständig war. Im ersten Wahlgang am 26. Mai schieden Schmidt und der vierte Bewerber – der Barmstedter Diplom-Verwaltungswirt Stefan Haupt – aus. Die Stichwahl am 16. Juni konnte Döpke mit  hauchdünnem Vorsprung (50,83 Prozent der Stimmen) für sich entscheiden. Sie ist Nachfolgerin von Nils Hammermann, der das Amt 19 Jahre lang innehatte.
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erstellt am 20.Aug.2014 | 10:00 Uhr

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