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Neue A23-Abfahrt? : Bokholt-Hanredder lehnt Idee ab

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Debatte über eine neue A23-Abfahrt in Bokholt-Hanredder spaltet die Gemüter.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Barmstedt | Die Gemeinde Bokholt-Hanredder lehnt die Idee einer A 23-Abfahrt im Ort ab. „Wir wollen das nicht“, betonten Bürgermeister Wolfgang Mohr (CDU) und die stellvertretende Bürgermeisterin Katrin Weihrauch-Lenz (FWG) vor Kurzem während einer Sitzung des Gemeinderats. Die Gemeinde fürchte vor allem einen starken Anstieg des Durchgangsverkehrs, so Mohr. Die Landesstraße 75, die von Barmstedt nach Elmshorn quer durch den Ort führt, werde durch eine weitere Anschlussstelle zwischen den bestehenden Abfahrten Elmshorn und Horst/Elmshorn zum Autobahnzubringer.

Ein weiterer A 23-Anschluss für Elmshorn: Die Christdemokraten aus Elmshorn und Barmstedt haben die alte Diskussion neu entfacht. Doch laut Landesverkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) ist ein solches Vorhaben „in Kiel zurzeit kein Thema“. Für neue Abfahrten sei eine enge Abstimmung mit dem Bund nötig. „Der Bund entscheidet bei diesem Thema sehr restriktiv“, betonte der Minister. Fakt ist: Ohne die Genehmigung des Bundes geht nichts. Den Antrag zum Bau der Abfahrt müsste das Land stellen und begründen. Laut dem Kieler Verkehrsministerium wurde zuletzt im Jahr 2014 mit der Anschlussstelle Gudow an der A  24 ein Anschluss an einer bestehenden Autobahn für den Verkehr freigegeben.

Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje (parteilos) ist der Überzeugung, dass die Stadt einen zweiten Autobahnzubringer aufgrund der baulichen und verkehrlichen Entwicklung „dringend benötigt“. An die Realisierung einer neuen Abfahrt glaubt er aber nicht. „Das ist eher utopisch.“ Die Stadt Barmstedt begrüßt die Abfahrts-Idee.

Das Thema stand nicht auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung Bokholt-Hanredder – und war dennoch der Aufreger der jüngsten Sitzung: der Bau einer zusätzlichen  Abfahrt an der A23 im Ort, den die Christdemokraten aus Elmshorn und Barmstedt ins Spiel gebracht haben, um einem drohenden Verkehrskollaps Herr zu werden.  Als Trasse für eine neue Anschlussstelle nebst Zubringer favorisiert die CDU die Strecke über Kaltenweide und Bokholt-Hanredder zur A23.  Die Barmstedter könnten die neue Anschlussstelle über Vossloch erreichen. Die Gemeindevertretung Bokholt-Hanredder hat eine ganz klare Meinung dazu: Wir wollen das nicht. Anders sieht das die Stadt Barmstedt: „Eine zusätzliche Autobahnauffahrt wäre aus Barmstedter Sicht zu begrüßen“, teilte Stadtsprecher Wolfgang Heins auf Anfrage mit.

Der Bokholter Verkehrsausschussvorsitzende Rüdiger Ahrens (FWG)  hatte das Thema als erster angesprochen. „Wie ist das zu bewerten?“, fragte er.  Nach einer kurzen Debatte entschieden sich die Politiker  dafür, die künftigen Entwicklungen rund ums Thema  im Auge zu behalten. „Solch ein großes Infrastrukturprojekt zieht ein Planaufstellungsverfahren nach sich“, fasste Bürgermeister  Wolfgang Mohr (CDU) die Diskussion zusammen. „Wir haben alle Möglichkeiten.“

Die Einwände sind vielfältig: Martin Epha (FWG) kritisierte den Vorschlag aus Barmstedt und Elmshorn als „Aufhänger, um Stimmung zu machen“. Auch die  zeitlichen Zusammenhänge zwischen dem Bau der neuen Krückaubrücke in Elmshorn, der dieses Jahr noch vollendet werden soll, und  der langwierigen Planung und dem Bau einer Anschlussstelle  würden nicht zusammen passen, so Epha. Für ihn sei es „ein bisschen Panikmache“, kritisierte auch Ahrens. Auch müsse man sich die  Situation vor Augen führen: Die Autobahn berühre in diesem Bereich das FFH-Gebiet Obere Krückau.

Mohr erinnerte daran, dass das Thema vor Jahren bereits auf der Tagesordnung gestanden habe und brachte auch den Grenzweg-Ausbau zwischen Horst und Elmshorn ins Spiel. Er verbindet den Norden Elmshorns auf direktem Weg mit der Ausfahrt Horst/Elmshorn. Einer Autobahnabfahrt in Bokholt-Hanredder erteilte auch er eine ganz klare Absage: „Wir werden uns total dagegen wehren.“ Die Landesstraße 75 werde so zum Autobahnzubringer, und sowohl die Barmstedter als auch die Sparrieshooper würden dann über Bokholt-Hanredder auf die Autobahn fahren, so seine Befürchtung.

Die Stadt Barmstedt steht der Idee im Gegensatz zu Bokholt-Hanredder  positiv gegenüber: „Damit bestünde neben Oha und Horst/Elmshorn eine weitere Zufahrtsmöglichkeit, die mit Sicherheit sowohl für unsere Naherholungsfunktion als auch für die Unternehmen und Betriebe in unserer Stadt von großer Bedeutung wäre. Der Kreis braucht Gewerbeflächen – wir arbeiten an einer solchen Ausweisung und als Standortfaktor ist eine schnelle Anbindung an das überörtliche Verkehrsnetz sehr wichtig“, so Stadtsprecher und Wirtschaftsförderer  Heins. „Dann noch eine Anschlussstelle in Bokel mit der künftigen A20 – das kann unserer Region im ländlichen Norden des Kreises Pinneberg nur gut tun.“

Auch Elmshorn Bürgermeister Volker Hatje  (parteilos)  ist der Überzeugung,  dass  die Stadt   einen zweiten Autobahnzubringer  aufgrund  der verkehrlichen Entwicklung  „dringend benötigt“.  Dass das Projekt realisiert wird, glaube er aber nicht. Alternativ schlägt er ebenfalls den seit Jahren geplanten Ausbau des Grenzweges von Horst nach Elmshorn vor. „Das wäre ein zweiter Bypass für Elmshorn.“ 

Wer müsste den Bau einer neuen Abfahrt beantragen? Und wer finanziert ein derartiges Projekt?  Laut Harald Haase, Sprecher des Verkehrsministeriums in Kiel, bedürfen neue Anschlussstellen grundsätzlich der Zustimmung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). „Anträge zur Errichtung einer neuen Anschlussstelle sind von den Auftragsverwaltungen der Länder an das BMVI zu richten und zu begründen.“ Wenn an bestehenden Straßen Anschlussstellen neu gebaut werden – so wie es in Bokholt-Hanredder an der Landesstraße 75 der Fall wäre –  müssten wahrscheinlich der Bund und das Land für die Kosten aufkommen.

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