Bokel ist seine Welt

Wolfgang Münster lenkt seit zehn Jahren die Geschicke seiner Gemeinde. Gerade wurde er für fünf weitere Jahre als Bürgermeister im Ehrenamt bestätigt.
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Wolfgang Münster lenkt seit zehn Jahren die Geschicke seiner Gemeinde. Gerade wurde er für fünf weitere Jahre als Bürgermeister im Ehrenamt bestätigt.

Wolfgang Münster ist seit zehn Jahren Bürgermeister seines Geburtsortes / Im Ruhestand bleibt jetzt noch mehr Zeit fürs Ehrenamt

shz.de von
10. August 2018, 16:00 Uhr

Sie sind Chefs und Repräsentanten ihrer jeweiligen Kommunen: Die Bürgermeister in den Gemeinden rund um Barmstedt erledigen ihre Arbeit ehrenamtlich. Unsere Zeitung stellt im Zuge einer Serie die Menschen vor, die hinter den Ämtern stehen. Heute: Wolfgang Münster aus Bokel.

In diesem Jahr feiert Wolfgang Münster sein zehnjähriges Bürgermeister-Jubiläum. Fünf weitere Jahre kommen nun hinzu. Im Mai wurde Münsters Bokeler Runde bei der Kommunalwahl als stärkste politische Kraft im Ort bestätigt. Kurz darauf wurde auch Münster als Bürgermeister im Rahmen der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates wiedergewählt. Einstimmig, wohlgemerkt.

65 Jahre ist Wolfgang Münster alt. Im April ging der Datenverarbeitungs-Kaufmann in den Ruhestand. Seither muss er nicht mehr Tag für Tag von Bokel nach Hamburg pendeln. Es bleibt also noch mehr Zeit für die Lokalpolitik. Wobei Zeit ein gutes Stichwort ist: „Dass das Ehrenamt des Bürgermeisters so viel Zeit kostet, habe ich vorher nicht gedacht“, gibt Münster zu. „Eigentlich vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwer wegen irgendwas anruft.“ Hinzu kommen die diversen Sitzungen in Fachausschüssen, Amtsausschuss, Gemeindevertretung und Co.

Münster ist gebürtiger Bokeler. „Ich wurde genau hier geboren“, sagt er – und meint den ehemaligen Bauernhof, in dem er heute mit seiner Frau lebt. Münster ist gelernter Landwirtschaftsmeister. Später machte der Computerfan dann aber sein Hobby zum Beruf. Im Haus hat sonst nur noch die jüngste Tochter, die gerade studiert, ein Zimmer als Rückzugsort im elterlichen Reich.

Drei Kinder hat Wolfgang Münster insgesamt. Und zwei Pferde. Die stehen direkt hinterm Haus auf der familieneigenen Koppel. Stall inklusive. „Die Pferde darf ich mit versorgen“, umschreibt Münster seinen Anteil am Familienhobby. „Reiten tun nur die Frauen.“ Auf die Frage, warum er sich nicht selbst in den Sattel schwingt, sagt er mit einem Lächeln: „Die armen Pferde.“

In die große weite Welt hat es Münster nie gezogen. „Ich war mal ein Jahr in Itzehoe“, verrät er. „Zu meiner Bundeswehrzeit.“ Ansonsten reichten ihm seine Arbeit in der Großstadt und kleine Abstecher im Urlaub. Gefragt nach seinen Hobbys, sagt Münster „Kommunalpolitik und Verreisen“. Von kleinen Wochenendtrips bis hin zur großen Kreuzfahrt.

In die Kommunalpolitik stieg Bokels Bürgermeister einst ein, als er sich 1998 über die zentrale Ortsentwässerung ärgerte. Das Projekt bewegte vor zwei Jahrzehnten den ganzen Ort und führte schließlich zur Gründung der Bokeler Runde. „Dass ich zehn Jahre später Bürgermeister sein würde, hätte ich damals nie gedacht“, gibt Münster zu.

Seither kostet das Ehrenamt viel Zeit, macht aber auch Freude. Auf seine politischen Erfolge angesprochen, nennt Münster zuerst den amtsweiten Breitbandausbau, der für ein schnelles und zeitgemäßes Internet im Norden des Kreises Pinneberg sorgt. Auch die neue Dörpstuv, in der die Lokalpolitiker tagen und auch privat gefeiert werden kann, geht auf Münsters Initiative zurück.

Mit großen Zielen in den kommenden fünf Jahren will sich Bokels Bürgermeister zurückhalten. „Erstmal müssen wir alles abbezahlen“, spielt er auf die Projekte der jüngeren Vergangenheit an. Ganz ohne größere Ausgaben dürfte es aber auch zukünftig nicht gehen. So steht ein neues Feuerwehrauto auf der Agenda. „Natürlich in enger Abstimmung mit der Wehr“, wie Münster betont. Und auch die A 20 könnte irgendwann mal wieder ein Thema werden. Die geplante Trasse verläuft über Bokeler Gemeindegebiet. Wobei noch immer nicht geklärt ist, wann die neue Autobahn die A 23 erreichen wird.

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