Hofserie "Unsere Landwirte" : Bio-Anbau seit 33 Jahren

Ihr Reich ist die Backstube: Konditorin Martina Grag-Werner verwendet für ihre Kreationen nur Zutaten aus ökologischem Landbau.
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Ihr Reich ist die Backstube: Konditorin Martina Grag-Werner verwendet für ihre Kreationen nur Zutaten aus ökologischem Landbau.

Ökologische Landwirtschaft: Drei Familien bewirtschaften den Schümannhof in Brande-Hörnerkirchen.

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23. November 2013, 16:38 Uhr

Rund 960 landwirtschaftliche Betriebe gibt es im Kreis Pinneberg. In unregelmäßigen Abständen stellt die Barmstedter Zeitung Höfe in den Ämtern Rantzau, Hörnerkirchen sowie der Stadt Barmstedt vor. Im dritten Serienteil erläutert Wilfried Schümann, warum er und seine Frau Martina den Schümannhof Brande-Hörnerkirchen auf biologische Landwirtschaft umgestellt haben – und wie daraus eine Erfolgsgeschichte wurde.

„Einige haben gedacht, wir sind Spinner“, sagt Wilfried Schümann (60). Es war das Jahr 1980, zwei Jahrzehnte, bevor der Bio-Handel in Deutschland an Schwung aufnahm. Wilfried und Martina Schümann stellten ihren Hof auf biologische Landwirtschaft um. „Es musste sich was ändern. Wir wollten eine Landwirtschaft machen, die unabhängig ist von Düngemitteln und Zukäufen aus dem Ausland“, sagt er. Sie ließen ab diesem Zeitpunkt Dünge- und Spritzmittel weg. „Es gab kaum Kunden, keiner kannte Bio, es gab Rückschläge, und wir hatten keine Erfahrungen“, so Schümann weiter. „Aber wir haben entschlossen weitergemacht.“

Sie bauten eine Gärtnerei und eine Bäckerei auf, gründeten den Hofladen, führten einen Lieferservice ein und fuhren mit ihrem Marktstand auf Wochenmärkte in Pinneberg, Uetersen und Elmshorn. „Es wurde immer umfangreicher“, so Schümann.

Und es wurden immer mehr Hofbewohner: Mittlerweile leben und arbeiten etwa 23 Menschen auf dem Schümannhof, bewirtschaftet wird er mittlerweile von drei Familien. Im Sommer 2011 haben die Heyders ihr Zuhause auf dem Hof gefunden, im Februar 2012 kamen die Pietrucks hinzu. „Es ist irgendwann über das, was eine Familie leisten kann, hinausgegangen“, sagt Schümann über die Gründe. Insgesamt 20 Arbeitsplätze – zum Beispiel für zwei Bäcker und eine Konditorin – seien während der vergangenen Jahre entstanden. Neben den Familien haben so viele weitere Menschen Arbeit auf dem Hof gefunden. Es sei eine „Lebens- und Arbeitsgemeinschaft“, sagt Schümann. Zum Mittagessen sitzen alle an einem Tisch, gegessen wird gemeinsam.

90 Hektar landwirtschaftliche Fläche umfasst der Hof, 80 Hektar davon werden bewirtschaftet. Diese teilen sich wiederum in 50 Hektar Ackerland und 30 Hektar Grünland auf. Angebaut werden unter anderem Weizen, Roggen, Hafer, Gerste oder Dinkel. Die Gärtnerei hat eine Fläche von 3000 Quadratmetern unter Glas, zusätzlich ist auf 80 000 Quadratmetern Platz für Feldgemüse. 40 verschiedene Gemüsesorten werden dort angebaut, darunter Tomaten und Feldsalat. Doch damit nicht genug: Zusätzlich leben auf dem Hof 70 Rinder und etwa 25 Schweine, es gibt Enten, Pferde, Esel, Katzen und Hunde sowie ein Hühnermobil – ein Hühnerstall auf Rädern für 220 Tiere.

Die ersten Anfänge des Hofes gehen in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg zurück, berichtet Schümann. Am bemerkenswertesten sind jedoch die Veränderungen in den vergangenen 33 Jahren. „Es hat sich ganz gut entwickelt“, meint Schümann bescheiden. „Es ist ein kleines mittelständisches Unternehmen. Ich bin glücklich, es ist schön, dass es so gekommen ist.“ In den vergangenen Jahren sei das Interesse an Bio-Produkten stark gestiegen, so Schümann weiter. „Wir merken das beim Verkauf, das hat ganz stark zugenommen.“

Kernpunkt seiner Arbeit sei, den Boden fruchtbar zu halten. „Das heißt möglichst wenig Maschinen, keine tiefe Bodenbearbeitung und den Kompost auf die Felder zurückbringen, damit die Bodenlebewesen immer etwas haben, was sie bearbeiten können“, so Schümann. Eine Landwirtschaft, die in die Zukunft weise. Die Familien setzen dabei auf eine achtjährige Fruchtfolge, was bedeutet, dass die Hauptfrüchte erst nach acht Jahren wieder auf dem Feld wieder an derselben Stelle stehen. Bei Möhren sei die Zeitspanne noch extremer: „Das dauert zwischen 25 und 30 Jahren, bis wir mit denen wieder an derselben Stelle sind. Das hält kein Schädling durch.“

Auch außerhalb der Landwirtschaft ist der Schümannhof aktiv: Es wurden Ferienwohnungen eingerichtet, zudem haben Wilfried und Martina Schümann eine sozialtherapeutische Ausbildung gemacht. Fünf Menschen werden dort betreut, sie leben und arbeiten auf dem Schümannhof.

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