"Zisch" : Bewerbungen: Neuntklässler trainieren mit Profis

„Zisch“-Zeitung in der Schule ist ein gemeinsames Projekt des A. Beig-Verlags, Edeka und der Sparkasse Elmshorn.

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29. Januar 2015, 15:37 Uhr

Barmstedt/Elmshorn | „Wer war denn der Kanzler vor Angela Merkel?“ Der Personalleiter der Sparkasse Elmshorn guckt Martin (15) erwartungsvoll an. Doch der ist gerade verwirrt. Mit der Frage hat der Schüler der Barmstedter Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) nicht gerechnet. „Wirtschaft und Politik ist neben Mathematik ein wichtiges Schulfach für unsere Auszubildenden“, erklärt Herr Schäfer auf Nachfrage.

Seit 180 Jahren besteht die Sparkasse Elmshorn bereits. In den sechs Filialen und dem Hauptgebäude arbeiten rund 200 Mitarbeiter und ungefähr 21 Auszubildende. Sie kosten die Bank etwa 400.000 Euro im Jahr, weshalb  Herr Schäfer und seine Kollegin Frau Stade bei der Auswahl der Bewerber sehr genau sind. „Jährlich bekommen wir 120 bis 150 Bewerbungen auf den Tisch. Da ist nur wenig Zeit, sich intensiv mit den einzelnen Personen auseinanderzusetzen. Der erste Eindruck zählt.“

Einen sehr guten ersten Eindruck von dem Bewerbungstraining hatten die Schülerinnen und Schüler der 9f bereits beim Betreten des Konferenzraumes, der extra für sie mit Getränken und kleinen Werbegeschenken hergerichtet worden war. „Es ist alles ein wenig ungewohnt, auch dass wir gesiezt werden, aber irgendwie auch voll cool“, findet Tom.

Beim Stress-Interview fehlen die Argumente

„Wir beginnen immer mit einer kleinen Vorstellungsrunde, bei der jeder 30 bis 60 Sekunden über sich erzählt“, startet Herr Schäfer das Bewerbungstraining. Eine lange Zeit für Jugendliche. „Was soll ich denn so lange über mich erzählen?“, fragt  Marie (14) verzweifelt. Doch trotz aller Aufregung wirken die Jugendlichen sehr souverän. Nur mit der Zeitvorgabe klappt es bei den wenigsten.

Eine Gruppenübung, wie sie auch im Assessmentcenter üblich ist, folgt. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler als Gruppe einen Bambusstock auf den Boden legen, der nur auf ihren Fingern liegt. Keiner aus dem Team darf den Kontakt zu dem Stock verlieren. Wichtig ist dabei nicht das Ergebnis, sondern die Rolle, die der Einzelne innerhalb der Gruppe einnimmt

„In dem Wort ‚Bewerbung‘ steckt das Wort ‚Werbung‘. Werbung um die eigene Person“, erklärt Herr Schäfer. Deswegen ist eine ordentliche Bewerbungsmappe ohne Rechtschreibfehler und mit professionellen Fotos so wichtig. „Wir hatten schon mal eine Bewerbung, da war auf dem Foto noch der Arm der abgeschnittenen Person zu sehen.“ Auch die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen, wird von einem Bewerber erwartet.

„Wir sind  bei unseren Bewerbungsgesprächen ganz human“, erklärt Herr Schäfer. „Woanders werden Stress-Interviews geführt. Hat jemand gerade Lust?“ Ein Schüler, der sich bereit erklärt, wird im nächsten Moment in missbilligendem Ton gefragt, wie er denn überhaupt gekleidet sei und warum er sich für das Bewerbungsgespräch keinen Anzug angezogen habe. Eine Respektlosigkeit sei das. Eine Zeitlang hält Felix dagegen, doch dann gehen ihm die Argumente aus. Das Interview wird abgebrochen.

Ein kleiner Einblick in die Arbeitswelt mit vielen nützlichen Tipps. Vielen Dank!

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