Eier-Skandal : Besuch im Hofladen: Die Kunden kaufen jetzt lokal

Eier aus Barmstedter Produktion: Christoph Hanewinkel inmitten seiner Legehennen.
Eier aus Barmstedter Produktion: Christoph Hanewinkel inmitten seiner Legehennen.

Hofläden profitieren von Verunsicherung. Produktion vor Ort ist transparent. Langfristiger Effekt ungewiss.

shz.de von
18. August 2017, 12:00 Uhr

Barmstedt/Hemdingen | Insektengift im Frühstücksei? Mit Fipronil belastete Eier sind zu einem internationalen Lebensmittelskandal geworden. 15 EU-Staaten, die Schweiz und Hong-Kong sind betroffen. In 13 deutschen Bundesländern gingen die belasteten Eier in den Handel. Allein in Niedersachsen sollen es 35 Millionen gewesen sein. Schleswig-Holstein blieb ebenfalls nicht verschont. Doch es gibt auch Profiteure des Skandals: Hofläden, die Eier aus der Region anbieten und das Vertrauen der verunsicherten Kunden haben.

Einer der Anbieter ist Christoph Hanewinkel aus Barmstedt. Der 30-Jährige studiert in Kiel Agrarwissenschaft und betreibt auf dem Hof Huckfeldt ein Hühnermobil mit etwa 230 Tieren. In einem kleinen Hofladen verkauft er regionale Produkte wie Wurst aus Hemdingen, Joghurt aus Rellingen, Erdbeer-Marmelade aus Lutzhorn, Kartoffeln aus Alveslohe (Kreis Segeberg) und Eier aus eigener Hühnerhaltung. Vor dem Fipronil-Skandal reichte das Angebot bis zum Abend. „Neuerdings sind mittags alle 200 Eier weg“, sagt Hanewinkel.

Der Barmstedter Jürgen Schwab ist Stammkunde des Hofladens am Jittkamp und völlig überrascht, dass gegen Mittag fast alles weg ist. „Ich kaufe aus Überzeugung lokal. Es gibt einen persönlichen Bezug zum Produzenten und damit Vertrauen. Ich weiß, dass er das hier ordentlich macht“, sagt Schwab. Er wünscht sich eine Rückbesinnung auf eine bewusste Ernährung. „Mit einem Schnitzel für 40 Cent geht das nicht.“

Hanewinkels Legehennen verbringen die Nacht im Hühnermobil, eine Art Wohnwagen für Federvieh. Der Anhänger steht auf einer etwa 3800 Quadratmeter großen Wiese. Alle paar Wochen wird er verschoben, sodass sich der Rasen erholen kann. „Wir verwenden keine chemischen Spritzmittel für die Desinfektion der Tiere. Sie scharren im Boden und nehmen ein Staubbad. Das ist die natürliche Form, Parasiten loszuwerden. Im Wagen steht zudem eine Schale mit Kieselgur, Mehl aus fossilen Kieselalgen, mit dem sie das Gefieder bestäuben können“, sagt Hanewinkel. Die Sitzstangen werden regelmäßig abgeflämmt.

Angebot soll wachsen

Das konventionelle Futter kommt von einem Hersteller in Pinneberg. „Wir produzieren lokal, aber nicht Bio. Wer an der Tierhaltung bei uns interessiert ist, kann sich gerne ein Bild machen.“ Hanewinkels Pläne für die Zukunft: ein zweites Hühnermobil und Galloway-Rinder, deren Fleisch er verkaufen will. Auch Mast-Hähnchen stehen auf der Ideen-Liste.

Ob die neuen Kunden dauerhaft lokal kaufen? Hanewinkel ist skeptisch. „Es ist schade, dass es immer erst Skandale geben muss. Ich befürchte aber, dass das schnell wieder aus den Köpfen der Leute verschwindet.“

Da ist Cornelia Mohr aus Hemdingen deutlich optimistischer. Auch sie stellt eine deutlich steigende Nachfrage fest. „Ich glaube, dass ein Großteil der neuen Kunden auch wiederkommen wird“, sagt Mohr. Ihr Hofladen liegt verkehrsgünstig an der Ortsdurchfahrt, die Wiese mit ihrem Hühnermobil ist vom Auto aus gut zu sehen. „Wir haben 220 Legehennen. Unsere eigenen Eier sind oft schon gegen 11 Uhr weg.“ Sie kauft Eier aus Bodenhaltung von einem Hof in Bevern zu. Bisher seien im Geschäft etwa 1700 Eier pro Woche über den Tresen gegangen. Nun seien es 2000.

Nachwuchs beim Hühnerfüttern: Denise Mohr aus Hemdingen wird den Hof ihrer Eltern übernehmen.
Tobias Thieme
Nachwuchs beim Hühnerfüttern: Denise Mohr aus Hemdingen wird den Hof ihrer Eltern übernehmen.
 

Mohr kann sich an nur einen Skandal erinnern, der so massiv das Geschäft beeinflusste. „BSE war so ein Thema. Ich habe damals in einer Bäckerei gearbeitet, in der es auch Fleischwaren gab. Der Absatz ist komplett eingebrochen.“

Für die Mohrs ist der Hofladen ein zusätzliches Standbein. Landwirt Norbert Mohr kümmert sich um das Milchvieh. Und die Nachfolge ist auch geregelt. Tochter Denise hat grade ihre Ausbildung abgeschlossen. Sie wird den Hof später übernehmen. Die 20-Jährige sagt: „Es ist für alle einsehbar, wie wir unsere Hühner halten. Und besonders für Kinder ist es spannend, hier vorbeizuschauen.“

Eine gestiegene Nachfrage registriert auch Dörthe Kühl aus Hemdingen, die insgesamt 200 Hühner in zwei Ställen mit Auslauf hält. „Durch die Krise sind viele neue Kunden auf unseren Laden aufmerksam geworden. Inzwischen kommen sie sogar aus Barmstedt.“

Ähnlich sieht es in Quickborn und Umland aus. „Bei uns ist deutlich mehr los, als sonst zur Urlaubszeit. Die Nachfrage können wir aber noch gut decken“, berichtet Henning Meyn, der mit seiner Familie bei Quickborn den gleichnamigen Hof betreibt. Seine Tiere leben in Bodenhaltung, die Eier werden im Hofladen, an den Lebensmitteleinzelhandel sowie an Handwerksbetriebe und Gastronomen verkauft.

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