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AKN in Barmstedt : Belästigung durch laufende Motoren

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

„Motor aus müsste für die Bahn gelten“. Stadtwerkechef: AKN-Züge lassen minutenlang die Motoren laufen.

Barmstedt | Wenn Barmstedts Stadtwerkeleiter Fred Freyermuth aus seinem Bürofenster guckt, sieht er den Barmstedter Bahnhof. Und dort oft: AKN-Züge, die Abgase in die Luft pusten – teilweise minutenlang. Manchmal sei es so schlimm, „dass wir die Fenster schließen müssen“, sagt Freyermuth. Und wenn die Zugführer den Motor doch ausstellten und ihn später wieder anließen, „kommt da kohlrabenschwarzer Qualm raus“.

Die von den AKN-Zügen verursachte Schadstoffbelastung sei „ein Vielfaches von dem, was ein Auto rausblasen darf“, meint Freyermuth. „Während man sich bei den Autos um Euro 5 und Euro 6 streitet, kann die Eisenbahn anscheinend machen, was sie   will.“ In Anbetracht der Motor-Aus-Schilder, die vor dem Bahnübergang hängen, frage er sich, „wo die Verhältnismäßigkeit bleibt. Eigentlich müssten die Schilder auf den Gleisen stehen“.

Der hohe Schadstoffausstoß liege wohl auch daran, dass einige Züge noch aus den 70er Jahren stammten „und sich die Abgasvorschriften nur auf die neuen Wagen beziehen“, vermutet Freyermuth. Dem widerspricht AKN-Sprecherin Christiane Lage-Kress. „Alle unsere Züge erfüllen die vorgeschriebenen Abgasemissionswerte, auch die ältesten Triebwagen, die 1976 und 1977 gebaut wurden und derzeit noch auf der Linie A3 zwischen Elmshorn und Ulzburg Süd eingesetzt werden“, betonte sie auf Anfrage von shz.de. Die Landeseisenbahnaufsicht kontrolliere die Fahrzeuge regelmäßig, „und sie sind alle abgenommen, sonst würden sie nicht fahren“.

Grundsätzlich gelte, dass Zugführer den Motor ausstellen müssen, wenn sie absehen können, dass sie länger als fünf Minuten im Bahnhof stehen werden, erklärt Lage-Kress – was in Barmstedt „fahrplanbedingt“ häufig vorkommt. Dass Motoren bei längerem Stillstand laufen gelassen werden, könne aus unterschiedlichen Gründen nötig sein – etwa, um die Batteriespannung zu halten oder um die Heizung und das Licht zu betreiben. „Wenn der Motor aus ist, ist das aber lediglich eingeschränkt möglich, da der Ladezustand der Batterie erhalten werden muss. Sonst ist sie plötzlich leer“, so Lage-Kress. Triebfahrzeuge mit Autos zu vergleichen, sei nicht möglich, erklärte Lage-Kress. „Denn zum Beispiel die Leistungsübertragung ist eine ganz andere.“ Die Frage, ob für Eisenbahnen weniger strenge Emissionswerte gelten als für Pkw, konnte die zuständige Behörde gestern bis Redaktionsschluss nicht mehr beantworten.

Für Entlastung dürfte die Modernisierung der AKN-Flotte sorgen, die nach dem Fahrplanwechsel im Dezember erfolgen soll. „Dann werden die fast 40 Jahre alten Fahrzeuge des Typs VTE ausgemustert, die auf der Linie A3 fahren“, so Lage-Kress. Sie werden durch jüngere Fahrzeuge des Typs VTA ersetzt, die derzeit auf der Linie A1 fahren. Die AKN könne nachvollziehen, „dass Bürger sich wundern, warum die Züge teilweise länger und zum Teil mit laufendem Motor im Bahnhof stehen“, sagt Lage-Kress. „Und wir nehmen Beschwerden auch ernst, weil uns ein gutes Miteinander mit den Anwohnern an unserer Infrastruktur sehr wichtig ist.“

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erstellt am 30.Okt.2015 | 13:00 Uhr

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