zur Navigation springen

Barmstedt : Baumfällungen im Rantzauer Forst sorgen für Empörung

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Forstamt: Bäume hätten auf die Straße stürzen können.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Barmstedt | „Die wurden regelrecht niedergemetzelt“, sagt die Barmstedter Stadtvertreterin Mareyke Herrmann (BALL). „Es sieht aus wie nach einem Tornado“, meint der Barmstedter Fritz Schröder. Beide sind entsetzt über die Baumfällungen im Rantzauer Forst. Mitte März hatten Mitarbeiter der Landesforsten entlang der Pinneberger Landstraße (L110) in Barmstedt und in der Nachbargemeinde Bokholt-Hanredder mehrere dutzend Bäume gefällt. Die Folgen sind bis heute zu sehen: Am Waldrand ragen glatt abgesägte Stumpen in die Höhe – und daneben liegt das, was von den Bäumen übrig blieb: riesige Haufen aus Stämmen und Ästen.

Nicht nur Herrmann und Schröder sind über das Ausmaß der Fällungen entsetzt. „Ich höre das von zig Leuten, die sich darüber aufregen“, berichtet der Barmstedter Franz-Josef Sitta, der nahe der L110 wohnt und selbst betroffen war: Dadurch, dass im benachbarten Waldstück fünf Buchen gefällt wurden, sei eine „Windschneise“ entstanden. Folge: Beim Sturmtief „Niklas“ seien in seinem Garten drei Birken umgestürzt. „Die waren 40 Jahre alt und kerngesund“, so Sitta.

Revierförster Ditmar Langer begründete die Fällungen mit dem Argument der Verkehrssicherungssicherung: Die Bäume hätten auf die „viel befahrenen Straßen“ stürzen können. „Sie waren schon ziemlich alt und ragten über die Fahrbahn.“ Einige der etwa 135 Jahre alten Buchen hätten in den oberen Bereichen zudem Faulstellen aufgewiesen; manche seien auch von einem Pilz befallen gewesen. Genau untersucht würden die Bäume vor dem Fällen aber nicht, sagte Langer. „Wir entscheiden das nach äußerlicher Betrachtung.“ Die meisten Bäume hätten schlicht aufgrund ihres Alters eine Gefahr dargestellt. „Eine Buche hat mit 135 Jahren allmählich ihre Altersgrenze erreicht“, sagt der Förster. „Und je älter sie ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie umfällt.“

Dass sich jetzt so viele Bürger über die Fällungen aufregen, kann Langer nicht nachvollziehen. „Zum einen hatten wir sie über die Presse angekündigt. Und was meinen Sie, was los ist, wenn tatsächlich mal ein Baum auf ein Auto fällt.“ Zudem sei es kein „Kahlschlag“ gewesen, sondern eine selektive Auswahl. „Und wenn es bald grüner wird, wird es nicht mehr so auffallen.“

Stämme werden zu Brennholz

Dass die Überreste noch nicht weggeräumt sind, erklärt Langer so: „Wegen des Sturms sind wir noch mit anderen Arbeiten beschäftigt. Das Aufräumen wird also noch dauern.“ Dann würden die Stämme „aufgearbeitet“ und als Brennholz verkauft. Die sogenannten Hochstubben sollen stehen bleiben. „Sie schlagen nicht wieder aus, sondern sterben ab, so dass sich Pilze bilden und ein Lebensraum für holzliebende Insekten entsteht“, erläutert Langer. Das wiederum werde Vögel anlocken.

Die nächsten Fällungen sind schon geplant: Einige Eschen, die in der Nähe des Kreisels an der L110 stehen, seien von einem Pilz befallen. „Sie sterben dadurch von der Krone her langsam ab, und die Fäule zieht sich den Stamm runter, der dann eventuell abknickt“, so Langer. Notfalls müssten die Bäume deshalb sogar noch während der gesetzlich vorgeschriebenen Schutzzeit – vom 1. April bis zum 15. Juni – gefällt werden.

Unmittelbare Ersatzpflanzungen werde es für die gefällten Bäume nicht geben, sagte Langer. Anders als etwa im Straßenbau, geschehe das im Rahmen der Waldwirtschaft. „Wir fällen ja ständig irgendwo, pflanzen aber auch ständig nach.“ Fritz Schröder ist trotzdem empört. Der größte Stamm der gefällten Bäume habe einen Durchmesser von 1,15 Meter, hat er nachgemessen. „Vor so einem Baum sollte man Ehrfurcht haben.“ Aber er befürchtet: „In zwei Wochen haben die Leute alles vergessen – und dann geht alles wieder seinen gewohnten Gang.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen