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„Integration heißt nicht nur nehmen“ : Barmstedts Migrationsbeauftragte berichtet über die Situation der Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Andja Zdravac-Vojnovic hat auf Einladung der Seniorenakademie einen Vortrag über die Situation der hiesigen Flüchtlinge gehalten.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2016 | 13:00 Uhr

Barmstedt | Barmstedts ehrenamtlich tätige Migrationsbeauftragte Andja Zdravac-Vojnovic hat auf Einladung der Seniorenakademie einen Vortrag über die Situation der hiesigen Flüchtlinge gehalten. Sie informierte die Besucher im Gemeindehaus zunächst über den Aufbau der Flüchtlingshilfe in Barmstedt. „Nach einer Sprechstunde für Flüchtlinge konnten wir einen Arbeitskreis aufbauen“, sagte sie. Besonders hob sie die gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Kirche und freiwilligen Helfern hervor.

„Hier in Barmstedt ist unglaublich viel passiert“, so Zdravac-Vojnovic. Was hier geleistet werde, sei nahezu einmalig. „Die knapp 300 Flüchtlinge in Barmstedt und den Ämtern Hörnerkirchen und Rantzau sind dezentral untergebracht, das wirkt sich vorteilig aus“, sagte sie. „Integriert in dem starken Ehrenamt sind auch die Sportvereine“, lobte sie. Wichtig sei ihr gewesen, die Ehrenamtler zu bündeln und ein Willkommensteam zu gründen, das sich an jedem ersten Dienstag um 19 Uhr in der kommunalen Halle trifft, wo jeder willkommen ist. Zudem sei der Verein Flüchtlingshilfe Barmstedt gegründet worden. „Für alle war die Situation neu – wir wachsen daran“, so Zdravac-Vojnovic.

Als Glücksfall bezeichnete die Migrationsbeauftragte die von der Stadt eingerichtete Begegnungs- und Integrationstätte „Leuchtturm“ mitten in der Stadt. Dort sei jeder herzlich willkommen; es würden Beratung, Informationen und Betreuung koordiniert. Gerade für junge Flüchtlinge sei die Wartezeit für Deutschkurse oder auf das Stellen eines Asylantrags belastend – ebenso wie der Umstand, ohne Arbeit zu sein. „Dazu kommen die menschlichen Aspekte wie Flucht und häufig Ungewissheit über den Verbleib der Familie“, so Zdravac-Vojnovic. Sie koordiniere, aber die Helfer stünden in der ersten Reihe. „Es ist mir wichtig, dass sie jede Unterstützung erhalten“, fügte sie hinzu.

In der anschließenden Diskussion stellte Zdravac-Vojnovic klar, dass Integration nicht innerhalb eines Jahres möglich sei und dass auch nicht alle bleiben dürften. „Integration heißt für die Flüchtlinge nicht nur nehmen“, betonte sie auf eine Frage hin. Werte wie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit sollten sie lernen. Auch gegenseitiger Respekt, Offenheit und ein Lächeln gehörten dazu. Wie das mit Tätigkeiten wie Gartenanlagen selbst pflegen sei, fragte jemand. „Das ist schwer umzusetzen, weil es gesetzlich nicht geht. Es muss ein Unternehmen engagiert werden“, lautete die Antwort. Auf weiterhin kommende Flüchtlinge angesprochen, sagte Zdravac-Vojnovic, dass Familienangehörige zu erwarten seien, die in der Türkei und im Libanon warteten. „Familie bedeutet für Flüchtlinge allerdings häufig der gesamte Verwandtenkreis“, sagte sie.

Nicht einfach sei die Situation für die 184 unbegleiteten Kinder im Kreis Pinneberg. Die Frage nach den Nationalitäten beantwortete sie mit: „Hier leben Geflüchtete aus sieben Nationen, die größten Gruppen stellen Syrer, Afghanen und Iraker, auch aus dem Iran, Eritrea und Armenien sind Menschen hier.“ Auf die Frage, ob alle bleiben wollen, sagte sie: „Viele Syrer möchten schon zurück in die Heimat.“ Es sei wichtig, ihnen das nötige Rüstzeug mitzugeben, so dass sie ihr Land wieder mit aufbauen könnten.

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