zur Navigation springen
Barmstedter Zeitung

22. Oktober 2017 | 07:24 Uhr

Barmstedts Kino: Wie lange noch?

vom

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Barmstedt | Vor vier Jahren hat Reinhard Klietz das Saturn-Kino in Barmstedt übernommen. Jetzt bangt er um dessen Zukunft: Weder Bund noch Land haben ihm Zuschüsse für die Digitalisierung des großen Saals (75 Plätze) gewährt. Die dringend nötig sei, wie Klietz meint: "Sonst kann ich keine Filme der großen Verleiher mehr zeigen, weil die alle auf Digitaltechnik umstellen." Wie wichtig es sei, zeige sich am kleinen Saal (28 Plätze), der im Januar digitalisiert wurde: "Wir kriegen die Filme seitdem viel früher, und die Bildqualität ist deutlich besser." Die Investition habe sich bereits amortisiert, so Klietz.

Doch für die Umstellung des großen Saals sei er auf Zuschüsse angewiesen, sagt der Kino-Betreiber. "Die kostet 60 000 Euro, das kann ich nicht alleine wuppen." Doch um Geld vom Land oder von der Filmförderungsanstalt (FFA) des Bundes zu erhalten, erfüllt das Saturn-Kino die Kriterien nicht: Klietz hätte für jeden Saal mindestens 8 000 Besucher oder 25 000 Euro netto Umsatz pro Jahr vorweisen müssen. Für den großen Saal wäre das machbar, so Klietz, "aber für den kleinen ist es utopisch".

Nachdem sein Kino leer ausgegangen war, wandte Klietz sich erneut an die FFA und sprach persönlich mit Schleswig-Holsteins Kultusministerin Anke Spoorendonk (SSW) - ohne Erfolg. "Das Land habe kein Geld, sagte sie." Das ,Sonderprogramm für Kinodigitalisierung sei "im ländlichen Raum umfassend genutzt worden", teilte Ministeriumssprecher Oliver Breuer auf Anfrage unserer Zeitung mit. Es laufe allerdings Ende 2013 aus. Was Klietz nicht versteht. "Andere Bundesländer haben diese Fördertöpfe gerade aufgestockt." Kinos hätten auch einen touristischen Aspekt, betont der Betreiber. "Sonst schreien doch auch immer alle, dass ihre Städte und Gemeinden attraktiv sein sollen für Besucher." Dass das mit einem kleinen Programm-Kino funktionieren könne, zeige das Barmstedter: Das Einzugsgebiet reiche von Glückstadt bis Wahlstedt, so Klietz. "Und mit den Schul-Filmtagen und ähnlichem bieten wir darüber hinaus einiges für die Barmstedter." Allein im Rahmen des Kinderfests besuchen mehr als 500 Mädchen und Jungen die Vorführungen.

Als letzte Hoffnung setzt Klietz nun auf die Stadt. Sie könnte sich am Erwerb des 50 000 Euro teuren Projektors beteiligen, schlägt er vor. Morgen wird der Hauptausschuss darüber beraten (Beginn der Sitzung: 19.30 Uhr, Kommunale Halle). "Bis zum 24. August muss ich eine Entscheidung haben", sagt Klietz. Sollte die negativ ausfallen, "kündige ich den Mietvertrag und höre Ende November auf".

Die CDU und die BALL hatten sich im Vorfeld für den Erhalt des Saturn-Kinos ausgesprochen. Staatssekretär Ole Schröder (CDU) und Barmstedts CDU-Chef Ortwin Schmidt hatten bei Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) auf die Relevanz des Kinos für die Stadt hingewiesen. "Mit seinem hochwertigen Programm, das verschiedentlich ausgezeichnet worden ist, hat sich das Kino zu einem wichtigen kulturellen Bestandteil der Stadt Barmstedt mit steigenden Besucherzahlen entwickelt", argumentierten sie. Auch BALL-Fraktionschef Günter Thiel verwies auf den "hohen Stellenwert", den das Saturn-Kino "mit seinem vielfältigen Angebot für die Bürger, die Schulen und die Touristen" habe. Demzufolge müsse es gelingen, "unter aktiver Beteiligung der Stadt im Zusammenwirken mit anderen Zuschussgebern eine Lösung der gegenwärtigen Probleme zu erreichen", fordert die BALL.

www.saturn-kino.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen