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Rettungswege zu schmal : Barmstedter Innenstadt-Märkte vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Verwaltung warnt: Die Sicherheitsbestimmungen können nicht eingehalten werden. Politiker wollen die Traditionsveranstaltungen aber erhalten.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2014 | 07:00 Uhr

Barmstedt | Den großen Barmstedter Märkten droht in ihrer jetzigen Form das Aus. Beim Stoppel- und beim Weihnachtsmarkt könnten die Sicherungsbestimmungen nicht eingehalten werden, sagte Uwe Dieckmann vom Ordnungsamt gestern Abend während der Stadtvertretersitzung auf Anfrage von Hauke Johannsen. Ein Gespräch mit einem Brandschutzexperten habe ergeben, dass die Rettungswege während der Märkte zu schmal seien und die Buden zu dicht an den Häusern stünden. „Wir wollen die Märkte nicht aufgeben, aber in den Innenstadtstraßen geht es einfach nicht“, sagte Dieckmann. „Wenn eine Veranstaltung nach Abwägung aller Fakten nicht sicher ist, wird es niemanden in der Verwaltung geben, der die Verantwortung dafür übernimmt – auch ich nicht“, erklärte Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos).

Die Politiker waren von der Verwaltung am 1. April in einer E-Mail über das mögliche Aus der Märkte informiert werden. Wörtlich habe es darin geheißen, dass „nach Auffassung der Ordnungsbehörde ab sofort in der Innenstadt keinerlei Marktveranstaltungen mehr durchzuführen“ seien, sagte Henning Behrens (CDU). „Wir haben das zuerst für einen Aprilscherz gehalten. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.“

Anlass für die Gespräche sei das THW-Zelt gewesen, das während des vorigen Weihnachtsmarkts abgebrannt war, sagte Dieckmann. „Daraufhin haben wir uns letzte Woche mit dem Experten zusammengesetzt.“ Der habe klargemacht, dass die Rettungswege mindestens fünf Meter breit und Buden mit brennbaren Gegenständen mindestens fünf Meter von Hauswänden entfernt stehen müssten. „Das ist in der Innenstadt beim besten Willen nicht möglich“, so Dieckmann. So sei die Straße an der engsten Stelle lediglich 7,50 Meter breit.

Die Politiker wollten sich mit der Aussage aber nicht so leicht abfinden. „Apodiktisch zu sagen: ,Ab sofort geht nichts mehr’, so darf die Verwaltung nicht denken“, sagte Behrens. In anderen Städten gälten andere Abstände, „die reichen bis zu sechs Meter. Daher scheinen mir die genannten Werte Optimalforderungen zu sein, über die man sicher reden kann.“ In die gleiche Kerbe schlug Michael Schönfelder (FWB): „In anderen Städten wie Lübeck geht es doch auch, und da haben sie viel engere Gassen.“ Allerdings sei es auf dem Barmstedter Weihnachtsmarkt – etwa vor Rossmann – „stellenweise schon extrem eng, das muss ich zugeben“. Dennoch „sollten wir versuchen, die Maximalforderungen zu senken. Der Charakter unserer Märkte muss erhalten bleiben.“ Auch Ernst-Reimer Saß (CDU) verwies auf andere Gemeinden. „Da werden sicher auch viele Dinge gemacht, die eigentlich nicht gehen. Nur hat da offenbar noch niemand so genau hingeguckt.“

Döpke betonte, es gehe nicht darum, die Märkte aufzugeben. „Nur so, wie es bisher war, kann es nicht bleiben. Wir müssen uns neue Konzepte überlegen.“ Denkbar sei etwa, die Märkte nur noch auf dem Marktplatz, rund um die Kirche oder am See aufzubauen, sagte Dieckmann. Allein, um die Drehleiter der Feuerwehr aufzubauen, seien fünf Meter Breite notwendig. „Es geht hier darum, wer die Verantwortung übernimmt, wenn etwas passiert“, sagte er. „Und die Verantwortung für die Märkte zu übernehmen, war in den letzten 30 Jahren schon grenzwertig.“

Behrens gab dennoch nicht auf. „Die Brücke zur Schlossinsel ist auch nur vier Meter breit. Soll da auch nichts mehr stattfinden?“, fragte er und erklärte: „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um zu verhindern, dass die Märkte beendet werden.“

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