Freiwilliges Soziales Jahr : Barmstedter betreut Waisen in Namibia

Die namibischen Waisenkinder freuten sich über die Fußbälle, die Felix Polomsky (hinten, Zweiter von rechts)  ihnen mitgebracht hatte.
Die namibischen Waisenkinder freuten sich über die Fußbälle, die Felix Polomsky (hinten, Zweiter von rechts) ihnen mitgebracht hatte.

Drei Monate lang hat Felix Polomsky (19) Kinder und Jugendliche in einem Waisenhaus in Namibia betreut. Der junge Barmstedter hatte sich im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres um das Projekt beworben – und erlebte leidvolle Schicksale.

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03. Juli 2014, 16:00 Uhr

Barmstedt | Morgens Toast und Tee, um 10 Uhr Haferbrei, mittags dicke Bohnen, abends Maisbrei: So sah der Speiseplan von Felix Polomsky aus. Jeden Tag. „Ab und an gab es mal ein Stück Obst“, berichtet der 19-jährige Barmstedter. Für ihn endete die einseitige Ernährung nach drei Monaten – für die von ihm betreuten Waisenkinder ging sie weiter. „Das war schon schlimm da“, sagt Polomsky. Im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) war er zusammen mit drei weiteren deutschen FSJ-lern und zehn Einheimischen für die Betreuung der etwa 100 Jungen und Mädchen zuständig. „Sie hatten entweder keine Eltern mehr oder durften nicht mehr bei ihnen wohnen“, erzählt Polomsky. Die meisten hätten zu Hause zudem Messerattacken, Schläge oder Vergewaltigungen erlebt. „Wir haben versucht, sie ihre Erlebnisse vergessen zu lassen und ihnen eine schöne Kindheit zu ermöglichen“, sagt Polomsky und stellt fest: „Wir waren die  einzigen, die ihnen Zuneigung geschenkt haben.“

Nach seinem Abitur hatte er sich für den FSJ-Platz beworben, „weil ich gern mal aus Deutschland und Barmstedt raus- und was erleben wollte“. Ursprünglich hatte er geplant, zuerst in Burundi zu arbeiten. Das habe aber nicht geklappt – stattdessen ging er zunächst für drei Monate nach Israel, wo er in einem Kibbuz aushalf. „Das war aber nicht so toll, da waren wir billige Arbeitskräfte.“ Nach fünf Tagen „Zwischenstopp“ in Barmstedt flog er im Januar nach Namibia. Das Waisenhaus liege fernab der Zivilisation, so Polomsky: „Wir waren da im Busch.“ Geschlafen hat er – wie alle Betreuer – in einem Gruppenraum mit 20 bis 30 Kindern.

Der Alltag im Heim sei schwierig gewesen, sagt Polomsky. Im Durchschnitt hätten sie drei Tage pro Woche ohne fließendes Wasser und Strom auskommen müssen. Lebensmittel wurden nur alle zwei Wochen geliefert – aus der nächstgelegenen Stadt, die zwei Autostunden entfernt war. Ein weiteres Problem sei Aids gewesen. „Die inoffizielle Krankheitsquote liegt in Namibia bei 30 bis 40 Prozent“, so Polomsky. „Wir haben deshalb immer Handschuhe getragen und mussten auch aufpassen, dass die Kinder sich nicht gegenseitig anstecken.“

Um die Kinder aufzuheitern und von ihren traumatischen Erlebnissen abzulenken, hätten die Betreuer nach der Schule – die dem Waisenhaus angeschlossen ist – mit ihnen gemalt, Baumhäuser gebaut, Tanzpartys und Schnitzeljagden veranstaltet, erzählt Polomsky. Der SSV – bei dem er seit 14 Jahren Fußball spielt – hatte ihm mehrere Bälle mitgegeben. „Die haben allerdings nicht lange gehalten“, sagt er. So begeistert hätten alle damit gespielt. Das habe ihn besonders beeindruckt, sagt er: die Kreativität und Freude, die die Kinder beim Spielen und Basteln entwickelten. „Sie haben zum Beispiel aus einfachen Drähten Modellautos gebaut.“

Nach den drei Monaten sei er „ausgelaugt“ gewesen, sagt Polomsky. Die Verantwortung, die Schicksale, der Alltag – all das sei nicht immer leicht zu ertragen gewesen. „Und die Kinder waren manchmal dreist oder haben einen verletzt. Aber sie meinen es nicht so. Sie kennen es   halt nicht anders.“ Der Abschied sei ihm trotzdem nicht leichtgefallen, sagt er. „Ich vermisse die Kinder schon.“

Namibia liegt im Südwesten Afrikas und hat etwa 2,1 Millionen Einwohner. Etwa die Hälfte von ihnen lebt unter der internationalen Armutsgrenze. Nach offiziellen Angaben sind zudem etwa 17 Prozent der Bevölkerung an AIDS erkrankt.
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