Wegen der Hitze : Barmstedt: Wo Bäche vertrocknen und Bäume verdursten

Laub statt Wasser: So wie hier im Seitengraben am Ziegeleiweg in Heede sieht es zurzeit in vielen Bächen aus.
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Laub statt Wasser: So wie hier im Seitengraben am Ziegeleiweg in Heede sieht es zurzeit in vielen Bächen aus.

Nach der wochenlangen Trockenheit führen kleine Gewässer in der Region Barmstedt kein Wasser mehr.

shz.de von
07. August 2018, 14:00 Uhr

Barmstedt | Die wochenlange Trockenheit macht Bäumen und Bächen in Barmstedt und Umgebung zunehmend zu schaffen. Nicht nur kleinere Bäche sind ausgetrocknet – auch der Oberlauf der Offenau in Groß Offenseth-Aspern führt kein Wasser mehr. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagte Karl-Heinz Bonnhoff, Verbandsvorsteher des Wasserverbands Krückau. Zwar sei es auch 1976 sehr trocken gewesen, „aber nicht so extrem“. Auch die Höllenbek zwischen Heidmoor und Lutzhorn sei zurzeit „so gut wie ausgetrocknet“. In die Krückau dagegen „bringen noch ein paar Nebenläufe etwas Wasser aus den Wiesen“. In der Nähe von Kölln-Reisiek betrage der Wasserstand allerdings „keine 20 Zentimeter mehr“. Für die Fische – etwa Neunaugen – reiche das Wasser in den Flüssen noch: „Sie halten sich in schattigen Bereichen oder Bereichen mit mehr Wasser auf.“

Dürre-Opfer: Diese Birke an der Kampstraße ist vermutlich nicht mehr zu retten.
Meyer
Dürre-Opfer: Diese Birke an der Kampstraße ist vermutlich nicht mehr zu retten.
 

Man könne jetzt nur noch auf Regen hoffen, sagte Bonnhoff. „Laut Wetterbericht soll der ja vielleicht ab Mittwoch kommen. Bisher hatten wir hier in der Gegend in diesem Sommer nur ein Mal fünf bis zehn Millimeter, während es in Quickborn zwei Mal 40 Millimeter gegeben hat.“ Zu viel Niederschlag auf einmal sollte es allerdings auch nicht sein, so Bonnhoff. „Dann steht gleich wieder alles unter Wasser.“

In Barmstedt kämpft der Bauhof derweil weiter um die Bäume, die zu vertrocknen drohen. „Drei Mitarbeiter wässern sie permanent“, berichtete Bauhofleiter Jörn Wölk gestern. Um eine gefährdete Rotbuche auf der Schlossinsel sowie um mehrere Linden an der Schulstraße herum seien Löcher zum effektiveren Bewässern gebohrt worden. Ob alle der mehr als 8000 Bäume durchkommen, sei aber ungewiss. So sei eine Birke an der Kampstraße vermutlich nicht mehr zu retten. Ein Anwohner hatte den Bauhof darauf aufmerksam gemacht, dass der etwa 50 Jahre alte Baum „wegen Wassermangels langsam einzugehen“ drohe. Die Birke stehe auf Privatgrund, stellte Wölk gestern nach einer Ortsbegehung fest. „Wir schreiben jetzt die Eigentümer an, dass sie sich kümmern sollen.“ Die Standsicherheit sei aber trotz der Trockenschäden gewährleistet.

Ausgetrocknet: Normalerweise fließt an dieser Stelle die Offenau unter der Landesstraße 113 in Groß Offenseth-Aspern hindurch. Jetzt kann man zu Fuß durch das Flussbett gehen.
Foto: Uthoff
Ausgetrocknet: Normalerweise fließt an dieser Stelle die Offenau unter der Landesstraße 113 in Groß Offenseth-Aspern hindurch. Jetzt kann man zu Fuß durch das Flussbett gehen.
 

Auch die Bäume in den Wäldern rund um Barmstedt leiden unter der Dürre. „Besonders kritisch ist es bei allen, die in den vergangenen fünf Jahren gepflanzt wurden“, sagte Volker Weiß, Sachgebietsleiter Naturschutz bei den Landesforsten. Vor allem bei Buchen, Tannen und Douglasien seien „erhebliche Welke-Erscheinungen“ zu beobachten. „Und etliche Lärchen sind schon vertrocknet.“

Landesweit seien seit 2013 etwa fünf Millionen Bäume gepflanzt worden, sagte Weiß. Wie viele von ihnen die Trockenphase überstehen, werde sich aber erst im kommenden Jahr zeigen. „Die Pflanzen sind geschwächt, könnten sich aber wieder erholen. Man muss sehen, ob sie es schaffen, im unteren Teil wieder durchzutreiben.“ Viele Bäume wurzelten mehr als zwei Meter tief, was dank des regenreichen Winters und Frühjahrs noch reichen könnte, um sich mit Wasser zu versorgen. Allerdings liege das Hauptwurzelsystem im oberen Bereich, in dem sich die Nährstoffe befinden, erklärte Weiß. Von daher seien alle „gespannt, wie der Wald diese Belastung übersteht“.

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