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Mit Kommentar aus der Redaktion : Barmstedt will sich besser verkaufen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Es ist der erste Schritt zum Stadtmarketing: Die Verwaltung in Barmstedt wirbt um Geld für ein Gutachten. Die Politiker tun sich mit der Zustimmung schwer.

Barmstedt | Elmshorn hat es, Pinneberg hat es, Quickbon hat es. Und Barmstedt hat es vielleicht bald auch: ein Stadtmarketing. Der Hauptausschuss hat während seiner jüngsten Sitzung den ersten Schritt dafür genehmigt.

Stadtmarketing ist – laut gängiger Definition – Marketing für Kommunen. Es verfolgt das Ziel, ein positives Image einer Kommune zu erschaffen oder zu festigen. In Quickborn kümmert sich ein Verein um das Thema Stadtmarketing. Unter anderem setzen sich die ehrenamtlichen Mitglieder für den Wochenmarkt ein und haben einen Quickborn-Gutschein entwickelt. In Elmshorn gibt es ebenfalls einen Stadtmarketing-Verein, der allerdings hauptamtliche Mitarbeiter hat. Sie initiieren vor allem  in der Weihnachtszeit viele Aktionen, etwa die Eisbahn. Auch in Pinneberg ist das Stadtmarketing hauptamtlich besetzt. Die beiden Mitarbeiter organisieren große Feste – etwa das Weihnachtsdorf – und repräsentieren die Stadt unter anderem auf Messen. Überregional bekannt wurde die von ihnen entwickelte Kampagne „Pinneberg – Persönlich. Ehrlich. Anders“.

Die Verwaltung hatte darum gebeten, einen Gutachter beauftragen zu dürfen, der das Thema unter steuerlichen und wirtschaftlichen Aspekten beleuchtet und der Verwaltung Grundlagen vermittelt, mit deren Hilfe später ein Ortsentwicklungskonzept entstehen soll. Geschätzte Kosten: 20.000 Euro. „Wir würden aber versuchen, dafür Fördermittel vom Holsteiner Auenland und aus EU-Töpfen zu beantragen“, sagte Wirtschaftsförderer Wolfgang Heins.

Innenstadt, Tourismus und Gewerbe gemeinsam betrachten

Die Politiker waren trotzdem skeptisch. „Warum brauchen wir dafür wieder ein Gutachten?“, frage Hauke Johannsen (CDU). Das sei notwendig, „weil uns das notwendige Fachwissen fehlt, zum Beispiel für die Rechtsform“, sagte Sven Werner (Verwaltung). Heins erklärte, es sei wichtig, alle Bereiche – Innenstadt, Tourismus, Gewerbe – gemeinsam zu betrachten und herauszufinden, „wohin wir überhaupt wollen und wie wir das erreichen“. Dazu brauche man den Rat von Fachleuten. „Wir wollen jemanden, der uns sagt, wo und wie wir uns verbessern und wie wir uns einheitlich als Stadt darstellen können“, sagte Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos).

Wie wichtig der „Blick von außen“ sei, betonten auch Claus-Peter Jessen (Grüne) und Christian Kahns (FWB). Es sei „schon faszinierend“, was Gästen auffalle, wenn sie sich Barmstedt anschauten, sagte Jessen. „Das können wir nicht mit Bordmitteln.“

„20.000 Euro sind zu viel“

Es fehle schon „an einem einheitlichen Bild des Rathauses“, ergänzte Kahns, und auch Döpke erklärte: „Man sieht schon an den kleinen Dingen, dass es Handlungsbedarf gibt.“

Überzeugt waren die Kritiker nicht. „20.000 Euro sind viel zu viel. Und das Ergebnis des Gutachtens wird sein, dass wir noch mehr Geld für weitere Projekte ausgeben müssen“, sagte Johannsen. Günter Thiel (BALL) nannte den Auftrag „nebulös, weil nicht klar ist, was die Zielsetzung ist: Belebung des Einzelhandels? Erhöhung der Einwohnerzahl? Mehr Gewerbegebiete?“ Die Einwohnerzahl steige schon durch die Ausweisung neuer Baugebiete, und auch Gewerbeflächen schaffe die Stadt gerade.

 

 Als Anziehungspunkt für Touristen sei Barmstedt ebenfalls „gut aufgestellt durch den Stoppelmarkt, den Weihnachtsmarkt und die Schlossinsel“. Als Kompromiss rege er an, so Thiel, für ein Gutachten „mal Kontakt mit der Nordakademie oder einer Uni aufzunehmen. Deren Studenten können sich mit dem Thema befassen, die machen sowas gern und kostenlos.“

Letztlich sprachen sich drei der neun Ausschussmitglieder dafür aus, den Posten mit einem Sperrvermerk zu versehen. Bevor die Verwaltung den konkreten Auftrag vergibt, soll zudem die Politik noch einmal darüber beraten. Sechs Politiker enthielten sich der Stimme, womit der Beschluss als angenommen gilt.

Kommentar: Stadt würde draufzahlen

Abgesehen davon, was der Aufbau eines Stadtmarketings kosten würde, stellt sich die Frage: Was würde es bringen? Vermutlich nicht viel.  In Barmstedt gibt es vier große Märkte im Jahr, dazu diverse Veranstaltungen auf der Schlossinsel. Außerdem ist die Stadt durch ihren See  und die Heiligen-Geist-Kirche sowieso weithin bekannt. Ob ein einheitliches Logo viel ändern würde, sei dahingestellt. Und selbst wenn – durch was für Aktionen auch immer – tatsächlich mehr Besucher  in die Stadt kommen würden: Profitieren würden vor allem die Geschäftsleute. Die Stadt aber – die die Organisation der Aktionen ja  bezahlen würde – bestimmt nicht in dem Maße, dass es die Kosten  decken würde. (Elisabeth Meyer)

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erstellt am 10.Feb.2017 | 12:00 Uhr

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