Kenia-Netzwerk : Barmstedt pflegt Partnerschaften, die funktionieren

In bester Stimmung: Die Teilnehmer des Arbeitskreises Kenia bei ihrem Aufenthalt in Barmstedt.
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In bester Stimmung: Die Teilnehmer des Arbeitskreises Kenia bei ihrem Aufenthalt in Barmstedt.

Teilnehmer des bundesweiten und kirchlich organisierten Netzwerks treffen sich in Barmstedt.

shz.de von
30. Januar 2018, 12:00 Uhr

Barmstedt | Als ein „eindrückliches Zeichen der Liebe zu Kenia“ bezeichnet die kenianische Pastorin Margaret Obaga das bundesweite Netzwerktreffen des Arbeitskreises Kenia, das in Barmstedt mit Vertretern aus den drei Landeskirchen im Rheinland, in Bayern und Norddeutschland organisiert wurde. 

Alle zwei Jahre treffen sich engagierte Personen aus der ganzen Bundesrepublik, die kirchliche Partnerschaften zur kenianischen Evangelisch-Lutherischen Kirche pflegen. Sie treffen sich an wechselnden Orten, um sich über ihre Partnerschaftserfahrungen auszutauschen und gemeinsame Überlegungen zur Gestaltung der Partnerschaft zu entwicklen – diesmal in der Schusterstadt.

In diesem Jahr waren der gemeinsamen Einladung der ökumenischen Arbeitsstelle des Kirchenkreises Rantzau-Münsterdorf und dem Afrika-Referat der Nordkirche etwa 25 Teilnehmer aus Bayern, dem Rheinland und der Nordkirche in den Norden gefolgt.

Während einer Hamburger Hafenbesichtigung mit dem Arbeitskreis „Hamburg Postkolonial“ konnten die Kenia-Aktiven einen Blick hinter die Kulissen des großen Welthandelsplatzes werfen. Die Fahrt veranschaulichte die Hintergründe des Welthandels mit Afrika, Asien und Lateinamerika.

Rüstungsgüter und atomare Fracht

Nicht nur Kaffee, Kakao, Sojabohnen oder Bananen werden im direkten Gegenüber zur Elbphilharmonie im Hamburger Hafen verladen, sondern auch Rüstungsgüter und atomare Fracht.

Neben dem Austausch über die bestehenden Partnerschaften und aktuelle Projekte, schauten die Teilnehmenden gemeinsam mit den Partnerschaftsreferenten Martin Haasler und Valinirina Namenjanahary auf die zukünftige Ausrichtung der Partnerschaftsarbeit. Die „Weltwärts“-Freiwillige Manjuki Kimani, die für ein Jahr aus Kenia in der Nordkirche tätig ist, gab einen Perspektivwechsel auf ihre Erfahrungen in Deutschland.

Mit einer eindrücklichen Bitte um das gemeinsame Gebet für ein „offenes Fenster des friedlichen Dialogs” schloss William Obaga seinen Bericht über die politische und gesellschaftliche Situation in dem ostafrikanischen Land. Nach Aufständen und hartem polizeilichen Eingreifen im Zuge der Neuwahlen im vergangenen Jahr ist die Bevölkerung eingeschüchtert und unzufrieden.

„Die Situation ist verfahren, jeder wünscht sich eigentlich nur Frieden und eine friedliche Zukunft“, versucht der kenianische Gastdozent die Lage zu beschreiben. „Gemeinsam können wir für Frieden beten“, ergänzt seine Frau Margaret. Für drei Jahre ist das kenianische Ehepaar als ökumenische Mitarbeitende in der bayrischen Landeskirche tätig. Die Verbindungen der Landeskirchen zu den afrikanischen Partnern werden jeweils von den Partnerschaftsgruppen in Kenia und Deutschland mit Leben gefüllt.

„Die Partnerschaftsgruppen sind meist über viele Jahre durch gegenseitige Besuche, Partnerschaftsgottesdiensten und gemeinsamen Projekten miteinander verbunden“, betont Heike Spiegelberg, Afrika-Referentin der Nordkirche, sichtlich beeindruckt von dem hohen ehrenamtlichen Engagement. „Ich denke, dass es nicht viele gesellschaftliche Bereiche gibt, wo das interkulturelle Kennenlernen und die gemeinsame Gestaltung der globalen Welt so intensiv und langfristig gelebt werden“, so das Resümee der Pastorin zu der mehrtägigen Veranstaltung.

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