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„So ein Angebot ist Gold wert“ : Barmstedt mietet zwei Hotels als Unterkünfte für 60 Flüchtlinge an

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Viele Bürger kritisieren den Standort am Rantzauer See. Angespannte Diskussionen in den sozialen Netzwerken.

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2016 | 14:00 Uhr

Barmstedt | Bei Facebook schlagen die Wellen hoch: Etwa 60 Flüchtlinge will die Stadt Barmstedt künftig im geschlossen Hotel Restaurant „Rosenkavalier“ und im Hotelbereich des „Seegartens“ am Rantzauer See unterbringen. Auf mehr als 130 Kommentare hatte es ein entsprechender Beitrag am Donnerstagnachmittag schon gebracht. Der Grundton ist angespannt.

Laut Fachamtsleiter Uwe Dieckmann und Bürgermeisterin Heike Döpke sollen im Hauptgebäude des geschlossenen „Rosenkavalier“ 19, im Nebengebäude 14 Flüchtlinge untergebracht werden – hauptsächlich Familien. Auch die Heilsarmee könnte dort Platz für ihre Kleiderkammer erhalten. Zusätzlich soll es einen Büroraum für eine hauptamtliche Kraft geben. Man sei seitens des „Rosenkavalier“ auf die Stadt zugekommen und habe das Gespräch gesucht, so Dieckmann. „So ein Angebot ist Gold wert“, sagt der Fachamtsleiter.

Beim „Seegarten“ gehe es nur um den Hotelbereich, so Dieckmann weiter. Man rechne dort damit, etwa 24 Asylbewerber unterzubringen. Auch in diesem Fall sei man vom „Seegarten“ aus an die Stadt herangetreten. Auf diese Art und Weise könne auch verhindert werden, dass die Räume im schlimmsten Fall leer stehen oder das Hotel ganz schließen müsste, gibt der Fachamtsleiter zu bedenken.

Mit den neuen Unterbringungsmöglichkeiten sei die Stadt sehr gut aufgestellt, berichten die Bürgermeisterin und der Fachamtsleiter. Für beide Mietverträge gebe es zudem ein Enddatum. Hinsichtlich des „Rosenkavaliers“ seien die Anwohner in einem „sehr angenehmen Gespräch informiert“ worden. Und Informationen gebe es immer, betont Dieckmann angesichts der Kommentare bei Facebook. „Jeder, der bei mir anruft, bekommt alle Infos, die wir außerhalb des Datenschutzes zur Verfügung stellen können“ – auch kurzfristig. Und weiter: „Wir reden hier nicht über eine Wahl, das zu tun. Menschen unterzubringen, die auf der Flucht sind, ist unsere Aufgabe.“

Die Diskussionen drehen sich auch um den Hotelbereich des „Seegarten“ am Rantzauer See. (Foto: Uthoff)
Die Diskussionen drehen sich auch um den Hotelbereich des „Seegarten“ am Rantzauer See. (Foto: Uthoff)
 

Verschärft werde die Situation in Barmstedt durch den Wohnungsmangel: „Wir brauchen dringend neuen Wohnraum für alle Bürger“, sagt Bürgermeisterin Döpke. Zur Unterbringung von Asylbewerber stünden der Stadt sukzessive etwa 140 Plätze zur Verfügung, ergänzt Dieckmann. Das seien aber Erstaufnahmeeinrichtungen, keine permanenten Wohnungen, sagt er. Doch die jetzt in der Region eingetroffenen Flüchtlinge könnten frühestes im Juli oder August Asyl in Deutschland beantragen. „Und selbst, wenn sie anerkannt sind, finden sie keine Wohnung“, so Dieckmann weiter. „In Barmstedt gibt es zu wenig Wohnraum für alle.“

„Barmstedt wird alles verlieren“: Auf Facebook überwogen die kritischen Stimmen. (Screenshot: Facebook / bz)
„Barmstedt wird alles verlieren“: Auf Facebook überwogen die kritischen Stimmen. (Screenshot: Facebook / bz)
 

Barmstedts Migrationsbeauftragte Andja Zdravac-Vojnovic hält die Unterbringung in den Hotels für alternativlos. Jede Kommune suche händeringend nach Möglichkeiten, die ihr zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen. „Wir müssen das nutzen, was wir vor Ort an Ressourcen haben. Das hat die Verwaltung bisher optimal gelöst. Und es ist wesentlich besser, als Zelte oder hässliche Container aufzustellen“, sagte sie.

Die etwa 60 zusätzlichen Flüchtlinge zu betreuen, werde kein Problem sein, betonte Zdravac-Vojnovic. „Das ist machbar. Bisher haben die Ehrenamtlichen es ganz ohne Unterstützung geschafft. Ab Februar werden wir darüber hinaus eine hauptamtliche Kraft einstellen, die jeden Tag im ,Leuchtturm‘ sein wird und die Beratung übernimmt.“ Die Stadt habe die Stelle für die Caritas „eingekauft“, sagte Dieckmann. „Diese professionelle Unterstützung ist auch sinnvoll, denn wir sind personell schon jetzt unterbesetzt.“ Bund und Land finanzierten pro 150 Flüchtlinge eine hauptamtliche Betreuungskraft. „Wir haben bisher keine – bei 225 Flüchtlingen in der Stadt und den Ämtern.“

Wie es mit dem Restaurant des „Seegarten“ weiter geht, ist derzeit unklar. Nach Informationen dieser Zeitung soll der Betrieb weiter laufen. Gestern war dort jedoch niemand zu erreichen.

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