Holocaust : Barmstedt gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Stefan Bolln (rechts) unternahm die Einführung in die Thematik. Er erinnerte unter anderem an die Greuel im Konzentrationslager Auschwitz, das 1945 befreit wurde.
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Stefan Bolln (rechts) unternahm die Einführung in die Thematik. Er erinnerte unter anderem an die Greuel im Konzentrationslager Auschwitz, das 1945 befreit wurde.

Am Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz lud die SPD zu einer Feier am Gräberfeld von Zwangsarbeitern auf dem Friedhof ein.

shz.de von
29. Januar 2018, 12:30 Uhr

Barmstedt | Das verbrecherische nationalsozialistische Regime hat den Zweiten Weltkrieg entfesselt mit insgesamt 55 Millionen Toten und darüber hinaus planmäßig und systematisch die Vernichtung der europäischen Juden betrieben. Ihnen sowie allen anderen Opfern wurde am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, bundesweit gedacht. In Barmstedt lud der SPD-Ortsverein zu einer Feier auf den Friedhof, genauer: an das Gräberfeld von Zwangsarbeitern, ein. Mit dabei waren Bürgermeisterin Heike Döpke, Vertreter der Sozialdemokraten und der AG Stolpersteine. 

Die Einführung in die Thematik unternahm der SPD-Vorsitzende Stefan Bolln, der auf das Vernichtungslager zu sprechen kam und Zahlen und Fakten dazu nannte. So wurden dort innerhalb von fünf Jahren mehr als eine Million Menschen ermordet. Zeitweise war das Lager mit 20.000 Insassen belegt. Heute ist es ein Museum, das insbesondere von vielen Schülern besucht wird. Bolln ging auch auf den erstarkten Rechtspopulismus und -extremismus ein und stellte fest, dass derzeit ein Tabu nach dem anderen gebrochen werde. Er bekräftigte, dass eine Gedenkveranstaltung wie diese außerordentlich wichtig sei, um die Erinnerung an die Verbrechen des NS-Regimes in der Zivilgesellschaft in Zukunft wach zu halten.

Luzian Bucke von der AG Stolperstein widmete sich in seinem Redebeitrag den auf dem Gräberfeld bestatteten zwölf Kindern und Jugendlichen sowie dem Schicksal der Familie Dedoscha aus der Ukraine. Die Gräber der Geschwister Dedoscha seien ein stilles Zeugnis grausamer Tragödien, die zu viele Zwangsarbeiter-Familien hätten erleiden müssen. Bucke setzte sich zudem mit der Fragestellung auseinander, ob eine Veranstaltung wie diese noch zeitgemäß sei. „Die Gedenkveranstaltungen des heutigen Tages beziehen sich auf ein Ereignis und das dadurch offenbarte Grauen, das vor 73  Jahren und früher geschah“, stellte er fest. „Es brachte den wenigen Überlebenden des KZ Auschwitz die Freiheit zurück.“ Dem deutschen Volk und der Welt habe es die Möglichkeit eröffnet, das verdrängte Wissen über das ungeheuerliche mörderische Wirken der nationalsozialistischen Rasseideologen zur Gewissheit werden zu lassen und damit Ausmaß und Ursache erforschen zu können.

So habe erst spät und zögerlich ein notwendiger, wenn auch häufig mit Widerständen alter Seilschaften belasteter Prozess der Aufarbeitung begonnen. Dieser Prozess der Aufarbeitung pervertierten menschlichen Verhaltens müsse auch heute noch Entsetzen und Betroffenheit über die unvorstellbare Empathielosigkeit der Täter und der Mitläufer auslösen. „Die Frage nach der Zeitgemäßheit dieser Gedenkveranstaltung stellt sich mir angesichts vergangener nationalsozialistischer Gräueltaten und gegenwärtiger neonazistischer Strömungen nicht“, stellte der Redner fest. „Die Abgründe hasserfüllter Vernichtungsfantasien und Intoleranz, die sich abhängig von gesellschaftlichen Befindlichkeiten mehr oder weniger öffentlich ständig wiederholen, fordern uns zur aktiven Wachsamkeit und zur Ursachenforschung und -verhinderung heraus.“

Bucke plädierte dafür, neben dieser jährlichen Gedenkveranstaltung auch andere Formen des Gedenkens, näher an der Bevölkerung, zu initiieren. Mit der Kranzniederlegung am Gedenkstein durch den SPD-Vorsitzenden Stefan Bolln und den Fraktionsvorsitzenden Hans Hansen schloss die Veranstaltung.

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