Kirche : Barmstedt feiert den 300. Geburtstag der Heiligen-Geist-Kirche

Claus-Peter Jessen (links) und Michael Theilig referierten ausführlich zum Thema „Heiligen-Geist-Kirche“.
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Claus-Peter Jessen (links) und Michael Theilig referierten ausführlich zum Thema Heiligen-Geist-Kirche.

Zum Jubiläum veranstalteten Claus-Peter Jessen und Michael Theilig einen Vortragsabend zur Geschichte des Gotteshauses.

shz.de von
25. Mai 2018, 16:03 Uhr

Barmstedt | Ein weiterer Höhepunkt der Feierlichkeiten anlässlich des 300. „Geburtstags“ der Heiligen-Geist-Kirche war ein Lichtbildervortrag von Claus-Peter Jessen und Michael Theilig über die Geschichte des Gotteshauses bis in die jüngste Gegenwart. Nach der Begrüßung der etwa 80 Besucher durch Pastor Hans-Dieter Piepenburg ging es sogleich in medias res.

Die urkundliche Erwähnung einer ersten Kirche in Barmstedt datiert auf das Jahr 1140, der Bau wurde vermutlich durch die Ritter von Barmstede vorangetrieben. Als direkte Vorgängerin wird die sogenannte „St. Margarethen-Kirche“ benannt, die in ihren Grundmauern noch aus dem 13. Jahrhundert stammte. Sie bildete den Mittelpunkt der kleinen Siedlung Barmstedt. Die aus Feldstein errichtete Margarethenkirche wurde im Laufe der Jahrhunderte für die wachsende Gemeinde zu klein und genügte auch den repräsentativen Ansprüchen der dort herrschenden Rantzauer nicht mehr, so dass zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine neue Kirche hermusste. Für das neue Gotteshaus wurde die alte Kirche fast vollständig abgebrochen, lediglich der Turm und Teile der Westmauer blieben bestehen und in den Neubau integriert. Sie wurde durch Johann Lorentz Nerger im Auftrag von Graf Wilhelm Adolfs zu Rantzau zügig von 1717 bis 1718 errichtet und bereits zu Pfingsten 1718 eingeweiht. Deswegen trug sie fortan die Bezeichnung Heiligen-Geist-Kirche.

Mehrere Restaurierungen

Theilig unternahm es, die Einrichtung des Gotteshauses zu erläutern – vom Altar über den Grafenstuhl, die Kanzel und die Empore bis hin zu den Bildern. Die Geschichte der Heiligen-Geist-Kirche ist auch gekennzeichnet von verhältnismäßig vielen Restaurierungen – mindestens drei umfangreiche und mehrere kleinere. „Keine 40 Jahre nach der Weihe, schon 1754, musste das Deckengewölbe erneuert werden“, so der Referent. „War es zunächst gipsverputzt, wurde jetzt eine Holzverschalung eingebaut, die von dem Elmshorner Maler Hans Hinrich Morthorst bis 1756 mit alttestamentarischen Szenen ausgemalt wurde.“

Baugeschichtliche Fundstücke

Weitere Restaurierungsarbeiten folgten. So musste unter anderem der von der Vorgängerkirche übernommene Feldsteinturm mit Stützpfeilern im Westen gesichert werden und erhielt 75 Jahre später mutmaßlich nicht nur eine Ziegelsteinummantelung, sondern auch eine neue, 2,5 Meter starke Mauer, wodurch er stabiler wurde und wuchtiger wirkte. Seine Bedachung, bisher aus Holzschindeln, wurde bald danach durch Schiefer ersetzt. 1896 erhielt das Kircheninnere neue Bänke. Ihre vorletzte substanzielle Sanierung erfuhr das Gotteshaus zum 250. Kirchweihfest im Jahre 1968. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass bei den jeweiligen Aufbruch- und Renovierungsarbeiten eine Reihe von kirchengeschichtlichen und baugeschichtlichen Funden freigelegt wurden. So beispielsweise bei den jüngsten Sanierungsarbeiten im Mauerwerk des ersten Turmobergeschosses eine so genannte Konche. „Dabei handelt es sich um eine nischenartige Einbuchtung mit Bogenöffnung“, erklärte Theilig. „So könnte einem kirchlichen oder weltlichen Würdenträger die Teilnahme am Gottesdienst ermöglicht worden sein.“

Claus-Peter Jessen ergänzte die Ausführungen Theiligs, wobei er sich insbesondere den Zeitumständen des Kirchenbaus und der gräflichen Familie widmete. Die selbstständige Herrschaft eines der kleinsten Territorien im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation endete 1726 in einem aufsehenerregenden Kriminalfall nach dem Tod des rechtmäßigen Grafen. Jessen betonte in einer Erklärung, dass es hinsichtlich der Heiligen-Geist-Kirche viele Fragen gebe. Einige könne man beantworten, andere blieben offen.

Immerhin eine Hand voll Fragen wurden im Rahmen der Veranstaltung beantwortet, bevor es zum gemütlichen Beisammensein und Austausch hinausging.


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