Barmstedt antwortet nicht

Wollte Hans-Peter Gewandt gestern mit seinen Kunden telefonieren, musste er zum Smartphone greifen.
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Wollte Hans-Peter Gewandt gestern mit seinen Kunden telefonieren, musste er zum Smartphone greifen.

Etwa 1000 Telefon- und Internetanschlüsse in Barmstedt und Umgebung lahmgelegt / Baustelle in Elmshorn war die Ursache

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25. Juni 2020, 17:50 Uhr

Barmstedt | Eine großflächige Internet-Störung hat am Mittwochabend zahlreiche Anschlüsse im Barmstedter Stadtgebiet lahmgelegt. Kunden mehrerer Provider wie Telekom, Vodafone, 1&1 und O2 berichteten seitdem in den sozialen Netzwerken von Problemen bei der Nutzung von WLan, TV und Telefon.

Nach Informationen unserer Zeitung waren von dem Ausfall auch Banken und Supermärkte betroffen. Sowohl bei der Sparkasse Südholstein als auch bei der VR Bank in Holstein bekamen Kunden am Geldautomaten eine Fehlermeldung angezeigt. Laut Sparkassen-Filialleiterin Silke Rebehn wurde die Störung am Donnerstagmorgen um 7 Uhr bemerkt. Sie hatte daraufhin ihre Mitarbeiter informiert, dass die Schalter an diesem Vormittag geöffnet werden – denn eigentlich ist zu diesem Zeitpunkt kein Kundenverkehr geplant. Außer den Geldautomaten seien auch weitere Systeme ausgefallen, so dass die Kunden sich ihr Bargeld am Schalter auszahlen lassen mussten. Überweisungen konnten nur in Papierform entgegen genommen werden. Das Gleiche galt auch für die VR Bank in Holstein. Bürger berichteten zudem von langen Warteschlangen am Morgen an Supermarkt-Kassen. So soll es etwa bei Rewe und Lidl zeitweise Probleme mit der EC-Kartenzahlung gegeben haben.

Totalausfall herrschte jedenfalls im Geschäft HP’s Digitalfoto in der Reichenstraße. „Nichts geht mehr”, stellte Inhaber Hans-Peter Gewandt um kurz vor 9 Uhr fest. Bildbestellungen seien gestern nicht möglich gewesen, auch Telefon und EC-Gerät waren außer Betrieb. „Das schlimmste ist die Nichterreichbarkeit”, sagte der Inhaber. Laufkundschaft sei in Corona-Zeiten zwar noch da – aber viele würden eher anrufen. Beispielsweise diejenigen, die Passbilder benötigen, um telefonisch einen Termin vereinbaren. Immerhin schaffte er es, seinen Computer über sein Smartphone ins Internet zu bringen.

„Was mich auch stört: Wer hier anruft, bekommt zu hören, dass die Person nicht erreichbar sei. Hinter dieser Aussage kann sich alles verbergen“, sagte Gewandt. Vielmehr sollte die Telekom eine Ansage machen, in der gesagt wird, dass eine technische Störung vorliege. „Dann wissen die Anrufer jedenfalls, dass es mich noch gibt“, fügte Gewandt hinzu.

Nachfragen seinerseits bei der Telekom liefen den Vormittag über ins Leere. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte der Netzbetreiber eine großflächige Störung im Bereich Barmstedt. Die Ursache war nach Angaben von Telekom-Sprecherin Michaela Weidenbrück einige Kilometer entfernt in Elmshorn zu finden: Dort war am Mittwochabend bei Tiefbauarbeiten im Kreuzungsbereich von Wittenberger Straße und Köllner Chaussee ein Kabel beschädigt worden. Für Ersatz wurde über Nacht gesorgt, und Techniker waren den ganzen Donnerstagvormittag dabei, das neue Kabel einzusetzen.

„Es fehlen noch ein paar Meter”, sagte Weidenbrück gegen 13 Uhr. Sie ging davon aus, dass die Störung im Laufe des Tages behoben sein würde. Und so kam es auch: Etwa eine halbe Stunde später kamen die Signale wieder in Barmstedt an, Telefone und Internetverbindungen waren wieder aktiv. Und auch das Fotogeschäft von Hans-Peter Gewandt war wieder erreichbar. „So habe ich nur einen halben Tag verloren“, bilanzierte er. Laut Weidenbrück waren etwa 1000 Anschlüsse von der Störung betroffen.

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