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Nach Stammzellenspende : Baptiste geht es immer besser

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Langelner ist nach einer Stammzellenspende wieder zuhause.

shz.de von
erstellt am 04.Nov.2015 | 16:00 Uhr

Langeln | Entwarnung kann noch nicht gegeben werden, aber die Hoffnung ist groß: Nach seiner Stammzellentransplantation geht es Baptiste Tassel aus Langeln immer besser. Der 26-Jährige war an schwerer Aplastischer Anämie erkrankt, und sein Körper konnte aufgrund kaum vorhandener eigener Stammzellen kein neues Blut mehr produzieren. Nachdem im Juni ein Stammzellenspender in Nordamerika gefunden worden war, ist der entsprechende Eingriff in einem Hamburger Krankenhaus vorgenommen worden. Seit vergangenen Donnerstag ist Baptiste nun wieder zuhause. Die Hoffnung ist groß, dass die neuen Zellen die komplette Blutproduktion übernehmen.

„Aufgrund des fehlenden Immunsystems darf er sein Zimmer nicht verlassen, und wir tragen alle Mundschutz“, sagt sein Vater Bernd Mölck-Tassel. Der häusliche Aufenthalt sei jedoch sicherer, weil Baptiste sich im Krankenhaus mit multiresistenten Keimen infizieren könne. Hundert Tage, so die Faustregel, müsse abgewartet werden, ob der Körper von Baptiste die fremden Zellen annimmt. „Seine Blutwerte steigen, aggressive Reaktionen sind nicht eingetreten“, so sein Vater erleichtert.

Baptiste war am 10. Februar 2015 aufgrund lebensbedrohlicher Blutwerte in das Krankenhaus eingeliefert worden – eine Woche nach seinem Bachelorabschluss in Kommunikationsdesign. „Wir hatten seinen Abschluss gefeiert, und dann kam der große Schock“, sagt Mölck-Tassel. Baptiste erhielt Bluttransfusionen, ohne die er nicht überlebt hätte. Sein Knochenmark war zerstört. „Hoffnung gab es mit der Pferdeeiweiß-Therapie, doch die scheiterte. Es war ein schwerer Moment für uns.“ Die Ärzte hätten daraufhin massiv auf eine Stammzellentransplantation gedrängt, sagt er weiter.

In Alveslohe wurde anschließend eine Typisierungsaktion für Baptiste durchgeführt. „Wir hatten dabei große Unterstützung von Familie und Freunden“, so Mölck-Tassel. 512 potenzielle Stammzellenspender hatten sich typisieren lassen. Auf die Beine gestellt worden war die Aktion von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei und dem Sportverein TuS Teutonia Alveslohe. Es wurde an diesem Tag zwar kein Spender für Baptiste gefunden, aber eine Spenderin aus den USA hatte zu hundert Prozent identische Werte mit Baptiste. „Ein Kurier hat das Blut der Amerikanerin, der Stammzellen aus dem Beckenknochen entnommen worden waren, per Flugzeug nach Hamburg gebracht“, berichtet Mölck-Tassel. Der Kurier durfte das organische Material nicht aus der Hand geben. Er stieg als erster aus dem Flugzeug aus und wurde mit einem Taxi sofort in die Klinik gebracht.

Transfusion verläuft erfolgreich

Baptiste erhielt das Blut über den gesamten Tag verteilt. „Er sagte uns, dass er zum ersten Mal ein sehr gutes und positives Gefühl bei einer Bluttransfusion gehabt hätte“, so Mölck-Tassel. Er und seine Frau brachten ihrem Sohn jeden Tag Essen in die Isolierstation. Aufgrund des fehlenden Immunsystems musste Baptiste von allen Keimen fern gehalten werden. „Wir bereiteten das Essen frisch zu und füllten es in spezielle Behälter, die im Krankenhaus in die Mikrowelle gestellt wurden“, so Mölck-Tassel und weiter: „Das war ein kleiner Gruß von zu Hause, viel mehr konnten wir nicht tun.“

Aber auch die Freunde von Baptiste taten etwas. Sie legten zusammen und spendierten ihm eine Internetverbindung im Krankenhaus. „Wir haben viele Gespräche geführt. Baptiste war immer positiv, das hat uns geholfen, nicht zu verzweifeln“, so Mölck-Tassel. „Wir konnten ihn nur unterstützen, wenn wir uns selbst nicht gehen ließen“, sagt er weiter. Das habe viel Kraft gekostet.

Und es ging aufwärts. Die Blutwerte stiegen, es waren genug Leukozyten vorhanden. Baptiste plant derzeit seine Zukunft. Er hat sich für einen Master-Studiengang mit Schwerpunkt Game-Entwicklung beworben und wurde angenommen. „Das jetzige Semester muss er krankheitsbedingt noch aussetzen“, so Mölck-Tassel. Ein Jahr werde Baptiste noch benötigen, um wieder gesund zu werden.

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