Barmstedt : Ausstellung im Rathaus

Letzter Pinselstrich: Michaela Berbner mit dem Porträt ihrer vierjährigen Tochter Anna.
Letzter Pinselstrich: Michaela Berbner mit dem Porträt ihrer vierjährigen Tochter Anna.

Michaela Berbner machte sich in den USA als Malerin selbstständig und lebt jetzt seit 2013 in Barmstedt.

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23. Januar 2015, 16:00 Uhr

Barmstedt | Landschaften sind nicht ihr Ding. „Über Menschen lassen sich viel mehr Emotionen transportieren“, sagt Michaela Berbner. Deshalb sind sie ihr liebstes Motiv. „Vor allem ältere, bei denen man die Spuren des Lebens sieht.“ Aber auch ihre vierjährige Tochter Anna hat die Barmstedterin schon auf der Leinwand verewigt. 2004 hat die heute 46-Jährige begonnen, sich  intensiver mit der Malerei zu beschäftigen. Sie war damals mit ihrem Ehemann, der als Korrespont beim NDR arbeitete, nach Washington gezogen. „Ich musste meinen Job deswegen leider aufgeben“, sagt die Journalistin, die ebenfalls beim NDR gelernt hat und unter anderem für Magazine wie Extra3, Panorama und DAS tätig war. Sie habe nur noch vereinzelt Aufträge annehmen können. „Und dann habe ich mir gedacht, widme ich mich doch wieder meiner versteckten Leidenschaft.“

Gedacht, getan: Nachdem sie mehrere Kurse bei Porträtmalern belegt hatte, machte sie sich 2005 als freiberufliche Malerin selbstständig. „Ich habe viele Indianer gemalt, aber auch andere interessante Menschen, die ich auf unseren Reisen kennengelernt habe.“ Etwa einen Kapitän mit einem Totenkopf auf der Mütze und einem Bart bis zum Bauch – „ein total netter Typ“ – und einen Hurrikane-Überlebenden aus New Orleans, „der sich seinen Lebensmut bewahrt hat“. Auch zwei Präsidenten der USA – Abraham Lincoln und Barack Obama – hat Berbner in Öl verewigt. Während Lincoln sehr düster blickt, sieht Obama unbeschwert aus. „Das war noch am Anfang seiner Amtszeit.“

2008 wurde Thomas Berbner in die Bundeshauptstadt versetzt, also zog das Ehepaar nach Berlin. Dor startete Berbner ihr Projekt „Gesichter Berlins“: Porträts von Menschen, die sie auf der Straße getroffen hatte. „Ich habe sie einfach angesprochen und gefragt, ob sie mitmachen würden. Schließlich machen die Bewohner eine Stadt aus.“ Die meisten wollten, und so entstanden 16 Bilder. „Es sollten 30 werden, aber dann kam meine Tochter dazwischen“, sagt Berbner lächelnd. Die Porträts werden aber Teil ihrer Ausstellung sein, die sie ab dem 30. Januar in Barmstedt zeigt.

Ende 2013 folgte der nächste Umzug: Ihr Ehemann wurde nach Hamburg versetzt, „und wir sind in der Umgebung herumgefahren und haben nach einem Ort gesucht, der uns gefällt“. Die Wahl fiel auf Barmstedt. „Es ist echt super hier“, schwärmt Berbner. Sie habe nie geglaubt, „dass wir uns als Großstädter in einer Kleinstadt wohlfühlen würden – aber es ist so“. Ihre Tochter geht hier in die Kita, sie ist Mitglied im BMTV. Und um ihre Liebe zur Malerei weiterzugeben, gibt sie Mal- und Zeichenkurse – unter anderem als Dozentin bei der Familienbildungsstätte Elmshorn. „Der Kunstunterricht, den ich früher in der Schule hatte, war sehr uninspiriert“, sagt sie. „Das möchte ich  anders machen.“

Michaela Berbners Ausstellung „Von Deutschland nach Amerika“ in der Kommunalen Halle  im Barmstedter Rathaus (Am Markt 1) wird am kommenden Freitag, 30. Januar, eröffnet. Die Vernissage beginnt um 19 Uhr; der Eintritt ist frei. Bis Ende Februar zeigt Berbner einen Querschnitt ihrer Arbeiten. Die Kommunale Halle ist montags und dienstags jeweils von 8 bis 16 Uhr, donnerstags jeweils von 8 bis 19 Uhr sowie mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr geöffnet.
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