zur Navigation springen

Westerhorn : Augenzeuge berichtet von seinen Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Für das Jahrbuch des Kreises Pinneberg berichtet ein Augenzeuge von seinen Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2014 | 14:15 Uhr

Westerhorn | Das Ende des Zweiten Weltkrieges liegt schon fast 70 Jahre zurück. Zeitzeugen sind entsprechend rar gesät. Doch im neuen Pinneberger Jahrbuch findet sich noch ein Augenzeugenbericht über die Kriegszeit in Westerhorn. Er stammt vom ehemaligen Landwirt und Kommunalpolitiker Ulrich Horn. Ergänzt und überarbeitet wurde der Text vom bekannten Bokeler Heimathistoriker Helmut Trede.

Horn ist Jahrgang 1931 und musste selbst nicht mehr ins Kriegsgeschehen eingreifen. Bei Kriegsausbruch 1939 war er acht Jahre alt. Horn wuchs auf dem elterlichen Bauernhof in Westerhorn auf. Sein Bruder Harald wurde als 18-Jähriger 1941 eingezogen und starb an der Ostfront. Vor seinem Tod machte er noch Fotos in der Sowjetunion, von denen einige im Jahrbuch zu sehen sind.

Doch nicht nur im fernen Russland tobte der Krieg, auch an der sogenannten „Heimatfront“ wurde das Leben zunehmend gefährlicher. „Gerade hier in Westerhorn, so nah an der Bahnstrecke“, wie Horn betont. Über dem Dorf und den benachbarten Moorgebieten habe ab 1943 „der Luftkampf getobt“. An der Bahnstrecke „stand eine schwere Flak und schoss unentwegt und mit unvorstellbarer Lautstärke auf die feindlichen Flugzeuge“. Die Dachziegel auf den Häusern schepperten, und in der Nachbarschaft „Am Beek“ fielen zwei große Bomben, erinnert sich Horn.

Es folgte der kalte Kriegswinter 43/44. Am 9. Januar griffen die Alliierten mit etwa 700 amerikanischen Bombern Kiel an. Über Westerhorn wurden diese auf ihrem Rückflug von deutschen Jagdfliegern gestellt. „Uns bot sich ein spektakuläres, aber auch grausames Schauspiel“, schreibt Horn. „Mindestens zehn Bomber wurden über unserem Luftraum abgeschossen, dazu ein deutsches Jagdflugzeug.“ Die Toten seien „auf unseren Friedhöfen begraben und nach dem Krieg in ihre Heimat überführt“ worden. Das ganze Jahr 1944 sei „von Trostlosigkeit gekennzeichnet gewesen“, so Horn. Im Herbst habe das Nazi-Regime 14- und 15 Jahre alte Schüler dazu „verpflichtet, Panzergräben an der Nordseeküste zu schaufeln“.

1945: Engländer ziehen in Westerhorn ein

Horn war damals 13 Jahre alt und Führer der örtlichen Hitlerjugend. Auch er musste vormilitärische Ausbildungen über sich ergehen lassen. Anfang 1945 hatte sich Westerhorns Einwohnerzahl verdoppelt. Flüchtlinge aus dem Osten lebten dicht an dicht. „Am 2. Mai kam es zu einer Teilkapitulation, im Umkreis von 50 Kilometern um Hamburg schwiegen die Waffen“, schreibt Horn. Anfang Juni zogen die Engländer in Westerhorn ein.

Auf dem Hornschen Grundstück an der Dorfstraße entstand ein Lager für 40 kriegsgefangene deutsche Soldaten. Es kam zu ersten Annäherungen der einstigen Feinde. Horn war inzwischen 14 Jahre alt und durch die Kriegsjahre „viel zu schnell erwachsen geworden“. Lebensmittel waren knapp, jeder Quadratmeter Garten wurde für den Gemüseanbau genutzt. Der Gesundheitszustand der Bevölkerung war schlecht, so dass in Hörnerkirchens Schule ein Lazarett eingerichtet wurde.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen