Trinkwasserversorgung : Aufbereitung stößt an ihre Grenzen

Beliefert 28 Gemeinden im Norden von Barmstedt und Elmshorn: das Wasserwerk in Horst-Hahnenkamp.
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Beliefert 28 Gemeinden im Norden von Barmstedt und Elmshorn: das Wasserwerk in Horst-Hahnenkamp.

Der Wasserverband Krempermarsch kann mitunter den Druck in den Leitungen nicht halten – die Auswirkungen spürt man in Lutzhorn.

shz.de von
05. August 2018, 16:00 Uhr

Lutzhorn | Die wochenlange Gluthitze hat auch beim Wasserwerk in Horst-Hahnenkamp Spuren hinterlassen. „Das besonders heiße Sommerwetter und die schon länger anhaltende Trockenheit führten in unserem Versorgungsgebiet dazu, dass wir in den Grenzbereich unserer Trinkwasserliefermöglichkeiten kamen“, sagt Geschäftsführer Volker Ahrens (Foto). „Dieser Zustand ist in unserem Wasserwerk in dieser Ausprägung wie auch bei anderen Versorgern bisher noch nie aufgetreten.“ Als Konsequenz wurden die Kunden gebeten, mit dem Trinkwasser sparsam umzugehen und den Wasserverbrauch insbesondere in der Zeit zwischen 17 und 21 Uhr so gering wie möglich zu halten.

308 Quadratkilometer misst das Gebiet, das vom Wasserwerk Horstheide versorgt wird. Es reicht von Glückstadt bis nach Lutzhorn, und vom Süden der Stör bis hinunter zur Krückau. 28 Gemeinden sind angeschlossen, rund 27 000 Einwohner werden insgesamt von Horst aus mit Wasser beliefert. Betreiber ist der Wasserbeschaffungsverband Krempermarsch. „Wir sind ein ländlicher Flächenversorger“, erklärt Ahrens. Und genau dieser Fakt bereite nun Sorgen. Man müsse ein großes Areal versorgen – und viel Vieh. „Das trinkt bei dem Wetter viel und verbraucht entsprechend viel Wasser“, sagt Ahrens. Auch Baumschulen müssten derzeit kräftig wässern, um über die Runden zu kommen. Entsprechend hoch sei der Wasserverbrauch. Wobei das Wasser als solches kein Problem sei. Grundwasser gebe es auch in der derzeitigen Trockenheit noch in Hülle und Fülle. „Aber unsere Aufbereitungsanlage stößt an ihre Grenzen.“ Der Wasserverbrauch sei in den vergangenen Wochen derart hoch gewesen, „dass wir den Druck nicht halten konnten“, gibt Ahrens zu.

Die Folgen sind nicht überall zu spüren. So werde beispielsweise das Freibad in Krempe mit Wasser versorgt, ohne dass es dabei bislang zu Problemen gekommen sei. „Wir haben ein sehr ebenes Gebiet“, sagt der Wasserwerke-Chef. Mit einer Ausnahme: Lutzhorn. Das Dorf liege am Rand des Versorgungsgebietes. Außerdem gebe es dort Gebiete, die bis zu 20 Meter höher lägen. „Dort sind die Auswirkungen des geringeren Wasserdrucks teilweise deutlich spürbar“, sagt Ahrens. Eine dieser Leidtragenden ist Karin Semmelhaack, die in der Reihe 6 wohnt. „Anfang Juni kam kaum eine Tasse aus dem Hahn“, sagt sie. Schon Zähne putzen und Kaffee kochen sei „da ein echtes Problem gewesen“. Aktuell fließe das Wasser wieder wie gewohnt aus dem Hahn. Das bestätigt auch Ahrens. Die Lage sei „gerade wieder gut“. Was sich aber bei anhaltender Dürre auch schnell einmal wieder ändern könne. In der aktuellen Extremsituation mit der größten Trockenperiode der vergangenen 15 Jahre „kann es vorübergehend zu geringen Beeinflussungen der sonst hohen Versorgungssicherheit kommen“.

Im Gegensatz zum Wasserwerk Horst haben die Elmshorner Kollegen derzeit keine Probleme mit dem Wasserdruck. Auch die Versorgung mit Trinkwasser läuft reibungslos. „Wir haben genügend Ressourcen“, sagt Stadtwerke-Chef Sören Schuhknecht. Notfalls könne man sogar 48 Stunden autark vom Stromnetz liefern. „Natürlich spüren auch wir den derzeitigen Mehrverbrauch“, erklärt Schuhknecht. Den höchsten Verbrauch gab es in Elmshorn am 29. Mai mit 13 900 Kubikmetern Wasser. Das entspricht fast 14 Millionen Litern. Am Abend desselben Tages wurde mit etwa 1150 Kubikmetern auch der höchste Stundenwert gemessen. 12 800 Kubikmeter wurden am 27. Juli verbraucht – also mitten in der Ferienzeit, in der viele Elmshorner im Urlaub sind. Der maximal mögliche Förderwert in Elmshorn liegt bei 1300 Kubikmeter Wasser pro Stunde. Hinzu kommen Speicherkapazitäten von fast 9000 Kubikmetern. „Wir sind super aufgestellt“, betont Schuhknecht. Dem schier endlosen Hochsommer gewinnt der Stadtwerkeleiter auch eine positive Seite ab: „Wir freuen uns sehr über den sehr guten Freibadbesuch.“ Das Bad läuft unter Regie der Stadtwerke.

Beim Wasserverteilungszweckverband (WVZV) Rantzau gebe es keine Probleme mit der Wasserversorgung, berichtet Gerhard Jöhnk vom WVZV. Der Verband erhalte sein Wasser vom Wasserförderverband Quickborn, abgewickelt werde das Ganze über die Stadtwerke Quickborn. „Da habe ich nichts von Problemen gehört.“ Was allerdings auffällig sei: Laut Jöhnk war der Wasserverbrauch beim WVZV im Mai und Juni stark angestiegen – verglichen mit dem Vorjahr. Durchschnittlich waren etwa 10 000 Kubikmeter Wasser mehr durch die Leitungen geflossen. Zum WVZV Rantzau gehören die Gemeinden Alveslohe, Seeth-Ekholt, Bullenkuhlen, Bevern, Heede und Hemdingen, Langeln und Bilsen.

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