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Kreis Pinneberg : Auf der Suche nach dem perfekten Baum

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Bis eine Tanne geerntet werden kann, muss sie mindestens acht bis zehn Jahre wachsen. Ansprüche der Kunden bezüglich Wuchs, Farbe und Fülle sind hoch.

Lutzhorn | Sie wachsen auf einer Fläche von etwa 13 Hektar und sind zwischen 25 Zentimetern und 15 Metern hoch. Zwischen den Tannen seiner Baumschule ist der Hemdinger Heinz Querling (74) zu Hause. Während des gesamten Jahres gibt es dort viel zu tun. Von Januar bis Dezember werden die Bäume von ihm „begöscht“, wie er es liebevoll ausdrückt. Im Winter werden die Flächen gesäubert und die Kulturen aufgeräumt. „Das ist immense Arbeit, aber ich bin in der Natur“, so Querling.

Die Ansprüche der Kunden an einen Weihnachtsbaum sind hoch, sagt der Hemdinger. Jeder habe seine Vorstellungen vom perfekten Baum. Ansprüche würden an den Wuchs, die Farbe, die Fülle die Zweige und die Etagenstellung gestellt. „Beliebt sind die Nordmanntannen, die spät nadeln, aber nicht duften“, so Querling.

Auch bei Ingrid Körner-Bornholdt vom Tannenhof Bornholdt in Lutzhorn sind die Nordmanntannen besonders gefragt. „Wir verkaufen die Weihnachtsbäume seit vergangener Woche“, berichtet sie. Derzeit würden unter anderem Gewerbekunden, die weihnachtliche Deko benötigen, bei ihnen Bäume kaufen. Besonders große und schöne Tannen könnten um die 1500 Euro kosten, so Körner-Bornholdt. Bei den großen Bäume stecke zudem viel Logistik hinter: „Den Baum auf dem Harburger Rathausmarkt haben wir vergangene Woche aufgestellt. Er ist zehn Meter hoch“, so die Lutzhornerin. 70 Hektar Fläche hat der Tannenhof, auf 25 Hektar werden die Bäume kultiviert – darunter auch auf Flächen in Vossloch. „Wir bekommen sie als vierjährige Pflanzen. Sie sind dann inklusive Wurzeln nur 30 Zentimeter groß“, erläutert Körner-Bornholdt. Dann müssen die Bäume wachsen. „Was wir in diesem Jahr gepflanzt haben, können wir in acht bis zehn Jahren ernten.“

„Was in den Baumschulen passiert, ist die Kultivierung von Jungpflanzen“, sagt Frank Schoppa vom Landesverband Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen. Im Alter von vier Jahren würden die Pflanzen dann verkauft. Was die Stückzahlen betreffe, geht er von mehreren Millionen im Kreis Pinneberg aus. Die kleinen Pflanzen würden dann weiter kultiviert – wie zum Beispiel in Lutzhorn.

Die erste Station ihrer Entwicklung verbringen viele Gehölze in Appen bei der Baumschule Pein. Dort wachsen aus dem Saatgut kleine Bäume heran, die später bundesweit verkauft werden. Zwei Millionen Sämlinge werden jedes Jahr auf dem 32 Hektar großen Areal produziert. Jede zehnte Nordmanntanne wurde in Appen herangezogen, jede Dritte als Samen von PlusBaum verkauft, an der Pein beteiligt ist.

Es hat in den vergangenen Tagen oft geregnet. Der Boden ist aufgeweicht. Auf dem großen Feld sind daher Gummistiefel angebracht. Nele Pein stapft voran und zeigt winzige Miniaturbäumchen, die erst ein Jahr alt sind. Später zeigt sie die größeren Exemplare, die vier Jahre alt sind, aber dennoch gerade mal für ein Puppenhäuschen reichen würden. Die 31-Jährige ist vor eineinhalb Jahren in die Geschäftsführung des elterlichen Unternehmens eingestiegen.

„Die Saat für die Tannen stammt aus Georgien und Russland“, erklärt Pein. Nach zwei Jahren Aufzucht in Appen sind die Bäume erst acht bis zehn Zentimeter groß. Dann müssen sie verpflanzt werden. „Die Aufzucht ist schon sehr aufwändig“, sagt sie. Von Beginn an werden sie beschnitten, so dass die Abstände zwischen den Ästen am Ende stimmen. Mit vier Jahren werden sie an die Weihnachtsbaumproduzenten verkauft. Dort werden sie weitere acht Jahre gepflegt.

Was einen schönen Baum ausmacht? Das sei reine Geschmackssache, so Pein. „Einige mögen einen mit krummer Spitze und nennen ihn Charakterbaum. Andere nicht“, berichtet sie. Auch in Appen werden die Weihnachtsbäume verkauft.

Bei der Anschaffung rät Pein, auf regionale Händler zurückzugreifen. Dort lägen die Bäume noch nicht so lange und hielten dementsprechend länger als bei großen Baumarktketten. Es sei ein Trugschluss, dass frisch geschlagene Tannenbäume gleich ins Haus gehören. Zunächst solle der Baum zwei Tage lang liegen, um sich zu akklimatisieren. Wer das lästige Nadeln herauszögern will, sollte die Tanne nicht zu früh in die warme Heizungsluft stellen. Das Phänomen lasse sich aber nicht vermeiden. „Wir verlieren ja auch jeden Tag Haare“, vergleicht Pein. Auf der Unterlage falle es weniger auf, indem man zusätzliche Zweige unter den Baum lege.

Besonders viel Abwechslung wünschen sich die Kunden nicht, wenn es um den Weihnachtsbaum, geht. Seit Jahrzehnten liegt der gleiche Baum im Trend: „Die Nordmanntanne ist beliebt wegen der guten Form, den nicht piksenden Nadeln und der schönen dunklen Farbe“, hat die 31-Jährige festgestellt. „Vor 40 Jahren war die Blaufichte im Trend, aber das ist lange vorbei.“

Auch in Lutzhorn und Hemdingen ist die Aufzucht der Bäume mit sehr viel Arbeit verbunden. „Die Bäume werden sehr intensiv gepflegt“, sagt Körner-Bornholdt. Mit der Maschine komme man nicht durch die Kulturen, daher sei viel Handarbeit nötig. Unter anderem würden die Mitarbeiter mit der Schere Spitzen schneiden, zudem werde Unkraut gejätet. Ziel sei es, auf den Anbauflächen möglichst viele Bäume verkaufsfertig zu kultivieren.

„Ich kaufe drei- bis vierjährige Jungpflanzen in Töpfen“, so Querling über seine Bäume. Dabei sei die Herkunft der Samen entscheidend. Das Wachstum der Bäume hänge davon ab. Das meiste Saatgut kommt aus Gegenden in Russland, wo niedrige Temperaturen herrschen. „Die Saat muss so beschaffen sein, dass die Bäume spät austreiben“, so Querling. Bei hiesigen, frühen Nachtfrösten würden zu frühe, junge Triebe abfrieren. Querling nutzt die Zwischenräume abgeholzter Bäume für Jungpflanzen. „Das ist für mich effektiv, hat aber den Nachteil, dass ich den Tannenwald nicht mit großen Fahrzeugen bewirtschaften kann, sondern per Hand“, sagte er.

Während der Ernte sind derzeit in Lutzhorn viele Saisonkräfte im Einsatz: „Die Bäume müssen geschlagen, genetzt und in manchen Fällen auch zu den Kunden gebracht werden“, erläutert Körner-Bornholdt. Um den dritten und vierten Advent sei das Geschäft mit den Privatkunden besonders stark. Dann ist in Hemdingen und Lutzhorn jeweils Tannenbaumschlagen mit Weihnachtsfesten geplant. „Viele schlagen ihre Bäume gern selbst“, so Körner-Bornholdt. Das sei für sie ein Teil der Vorbereitungen auf Weihnachten, wie das Keksebacken.

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer sind die Bäume, die es in Schleswig-Holstein zu kaufen gibt, von guter Qualität. 2015 sei ein gutes Wachstumsjahr gewesen, sagt Pressesprecherin Isa-Maria Kuhn. „Es gab ausreichend Wärme und genügend Feuchtigkeit. Das Frühjahr hat die Kulturen weitgehend vor Frostschäden verschont.“ Der laufende Meter koste zwischen 20 Euro und 25 Euro. Lediglich bei kleineren Bäumen ist bereits seit dem Vorjahr erkennbar, dass die Preise vermutlich leicht sinken werden, da sie reichlich am Markt vorhanden sind.

Konkrete Zahlen, wie viele Weihnachtsbäume in Schleswig-Holstein verkauft werden, gibt es nicht. Axel-Werner Graf von Bülow, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holsteinischer Weihnachtsbaumproduzenten, schätzt aber, dass bei etwa 2,8 Millionen Einwohnern in Schleswig-Holstein etwa 700  000 Bäume verkauft werden.

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erstellt am 28.Nov.2015 | 00:32 Uhr

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