zur Navigation springen

Unmut in Ellerhoop : Anwohnern leiden unter Verkehr

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Bauarbeiten in Oha: Viele Autofahrer missachten die Durchfahrtsverbote im Thiensener Weg.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Ellerhoop | Der Fahrtwind des vorbeirauschenden Lastwagens lässt Janina Kubietz-Grünbergs Haar nach hinten wehen. Auch die Ohren ihrer zwei Golden Retriever werden leicht angehoben. Kubietz-Grünbergs Ehemann Andreas Grünberg kneift die Augen zusammen und zieht die Schultern hoch. Mit ländlicher Idylle und einem kinderfreundlichen Umfeld hat der Thiensener Weg in Ellerhoop in diesen Tagen nichts mehr gemein: Weil die Kreuzung Oha wegen einer Baustelle seit dem 25. September gesperrt ist, nutzen viele Autofahrer die Straße als Abkürzung, um die Baustelle zu umfahren – obwohl laut Beschilderung nur Anlieger die Straßen nutzen dürfen.

Für Anwohner wie die Grünbergs hat das ein lange brodelndes Fass nun zum Überlaufen gebracht: „Meine Katze wurde im letzten Jahr überfahren, die Katze unserer Nachbarn überlebte einen Unfall, musste aber für mehrere tausend Euro operiert werden“, beklagt sie. „Seit der Baustelle hat es sich noch mehr zugespitzt: Hier gehen Kinder zur Schule, aber einen Gehweg zum Ausweichen gibt es nicht“, so Kubietz-Grünberg. Ihre Kritik: Die Straßen Thiensen und Thiensener Weg seien dafür nicht ausgelegt und auch schon vor Baustellenzeiten über Gebühr genutzt worden.

Auch hielten sich die Autofahrer nicht an das Tempolimit und die Einbahnstraße, so die Anlieger weiter. „Wenn man hier schon durchfährt, könnte man es wenigstens rücksichtsvoll tun“, so Grünberg. „Erinnern wir per Handzeichen an das Tempolimit, werden wir teils sogar bedroht“, sagt Kubietz-Grünberg.

Besondere Sorgen bereitet ihr zudem die Kreuzung von Thiensener Weg und Ohlekamp: „Wer schneller als 30 fährt, kann die Einmündung kaum sehen. Kinder kommen da heraus, die Fahrer vergessen die Rechts-vor-links-Regel. Muss erst etwas passieren?“ Die Grünbergs fühlen sich von der Gemeinde und der Verwaltung im Stich gelassen. Sie wünschen sich ein Warnschild vor der Kreuzung Ohlekamp, einen Gehweg und eine besser ausgebaute Anfahrt zum Arboretum. „Dass landwirtschaftlicher Verkehr nötig ist, ist mir völlig klar“, sagt sie. „Aber als Durchfahrtsweg für den Ort ist die Straße einfach nicht geeignet.“

Ordnungsamt: Polizei ist täglich präsent

Sabine Preuß, Leiterin des Ordnungsamts Rantzau, weiß um die aktuelle Situation: „Durch die Baustelle ist die Lage verheerend“, sagt sie. „Wir haben versucht, durch eine bestmögliche Beschilderung zu verhindern, dass der Bereich als Durchgangsstrecke genutzt wird. Aber die Autofahrer setzen sich darüber einfach hinweg. Wir müssen mit ansehen, wie die Straße ruiniert wird, und bleiben auf den Sanierungskosten sitzen.“ Die Polizei sei täglich über Stunden präsent. Rund um die Uhr könne sie nicht vor Ort sein. Das wäre aber wohl das einzige, was die Autofahrer abhalten würde. „Man muss auch an deren Vernunft appellieren“, so Preuß. Der Zeitgewinn sei minimal gegenüber der offiziellen Umleitung. „Dass man solche Sanierungen inzwischen in Vollsperrung macht, ist für die Gemeinden ein ernstes Problem.“ Früher habe man halbseitig gearbeitet, nun werde aus Sicherheitsgründen die Straße während einer Baustelle voll gesperrt.

Man dürfe aber das grundsätzliche Begehren nach einer Beschilderung mit der aktuellen Situation nicht vermischen, so Preuß weiter. „Schilder können wir nur nach ganz klaren Regeln aufstellen, unsere persönliche Meinung spielt da keine Rolle“, erläutert sie. Was kann die Bürgerin tun, wenn sie der Ansicht ist, dass ein Schild zur Gefahrenabwehr notwendig ist? „Sie muss über ihre Gemeinde gehen, die Mitglieder der Gemeindevertretung überzeugen. Die Bürgermeisterin kann das bei uns in der Verwaltung antragen, und wir stellen dann einen Antrag beim Straßenverkehrsamt.“

Polizei: Zahl der Verstöße ist hoch

Die Polizei sei in den vergangenen Wochen regelmäßig am Thiensener Weg, Thiensen und Eekbarg im Einsatz gewesen, berichtet Sascha Schmidt, Stationsleiter in Barmstedt. Beinahe täglich hätten die Beamten für mehr als drei Stunden kontrolliert, ob sich die Autofahrer an die Durchfahrtsverbote hielten. Und die Zahl der Verstöße ist hoch: Allein gestern habe die Polizei zwischen 10.25 und 10.40 Uhr 24 Ordnungswidrigkeiten gezählt, so Schmidt. Zusätzlich unterstützten Beamte des Polizeiautobahn- und Bezirksreviers Pinneberg die Barmstedter Polizei, obwohl Ellerhoop gar nicht zu deren Zuständigkeitsbereich zähle. Die Kontrollen seien basierend auf der vorgenommenen Beschilderung durchgeführt worden. „Mehr können wir nicht“, so Schmidt. Andernfalls hätte man die Beschilderung anders wählen müssen. Ansprechpartner für Bürger sei dann der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr. Bis zum Ende der Baustelle werde die Polizei die Straßen weiter überwachen, kündigt Schmidt an. „Wer dort unberechtigt durchfährt, wird aufgeschrieben und verwarnt. Das gilt insbesondere für den Schwerlastverkehr.“

Wie lange die Kreuzung in Oha noch gesperrt bleibt, ist laut Kai-Uwe Schacht, Leider der Niederlassung Itzehoe des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr, derzeit nicht sicher. Wegen des Sturms „Xavier“ habe die Asphaltdeckschicht auf die Kreuzung nicht aufgebracht werden können. „Bei Regen geht es nicht“, sagt Schacht. Die Schichten würden sich nicht verbinden; zudem entständen Blasen. Die Beteiligten setzten nun alles daran, die Bauarbeiten bis Mittwochabend zu beenden. Der Asphalt solle am Montag eingebaut werden. Sollte das Wetter nicht mitspielen, könnten sich die Arbeiten aber um bis zu zwei Tage verzögern. Einfach am Wochenende zu asphaltieren, sei wegen des hohen Aufwands kaum möglich. „Am Sonntag herrscht Fahrverbot für Lkw. Die Mischwerke arbeiten nicht und die Firmen müssen sich an Arbeitszeitgesetze halten.“

Auf Wunsch der Gemeinde seien zahlreiche Wege rund um die Baustelle gesperrt worden, sagt Schacht zur Kritik der Anlieger. Problematisch sei, dass viele Autofahrer die Verbotsschilder nicht beachteten. „Das greift zunehmend um sich, dass Vorgaben ignoriert werden.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen