Anlaufstelle für Ausflügler schließt

 Karin Semmelhaack macht nach 17 Jahren ihr Fahrrad-Café zu.
Karin Semmelhaack macht nach 17 Jahren ihr Fahrrad-Café zu.

Nach 17 Jahren: Ende von Karins Fahrrad-Café in Lutzhorn aus Altersgründen

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06. Mai 2019, 14:13 Uhr

Lutzhorn | „Schade!“, sagen viele Radfahrer, die auf ihren Touren gern bei Karins Fahrrad-Café in der Reihe 6 in Lutzhorn Halt gemacht und in gepflegten, lauschigen Ecken im Freien selbst gebackene Torten und Kaffee genossen haben. Nach 17  Jahren schließt Karin Semmelhaack die Pforten. „Es war viel Arbeit, aber mein Mann und ich haben es gern gemacht“, sagte sie. Alters- und krankheitsbedingt könnten sie den Aufwand nicht mehr stemmen.

„Mein Mann hatte damals die Idee“, sagte sie. Er habe häufig Radgruppen vor dem ehemaligen Gasthof in der Nähe enttäuscht umkehren sehen, weil das geschlossen hatte. „Wir schnackten mit dem Bürgermeister und mussten uns mit viel Bürokratie herumplagen, auch weil unser Grundstück im Außenbezirk liegt“, sagt sie.

Sie mussten 17 Instanzen durchlaufen und viele Auflagen erfüllen. „Uns wurde sogar vorgeschrieben, welche Gehölze wir zu pflanzen hatten“, so Semmelhaack.

Natürlich waren auch Hygiene-Lehrgänge dabei. „Das wird allgemein Hackfleischverordnung genannt“, erzählt Semmelhaack lachend. Zunächst war die Einrichtung alkoholfrei. „Viele Besucher hätten gern ein Bier oder ein Glas Sekt getrunken“, sagte sie – und reichte die Konzession nach.

Wenn sie zurückdenkt, hat sie überwiegend nette Erinnerungen, häufig musste sie auch kurzfristig außer der Zeit ackern. Wie etwa, wenn zehn Personen angemeldet waren und sie abends am Telefon erfuhr, dass am nächsten Tag doch 52 Personen kommen würden. „Dann wurde nachts gebacken“, berichtete Semmelhaack. Tochter, Schwiegertöchter und Freunde halfen dann aus.

Einmal kamen 250 Biker, die setzten sich aber auf die Wiese. Busladungen waren keine Seltenheit. Es habe aber auch angemeldete Gruppen gegeben, die dann mit Abwesenheit glänzten.

Um die 100 Plätze standen in dem idyllischen Garten mit Nischen und Pavillons zur Verfügung. „Normalerweise habe ich Sonnabend früh gebacken, trotz der Anmeldungen wusste ich nicht, wie viele Besucher zusätzlich kommen würden“, sagte sie.

Manchmal war der Kuchen vorzeitig verputzt. Es gab jedoch auch Wurst- und Käsebrötchen sowie Eis. „Etliche Besucher, die sich als Kinder kannten, haben sich bei uns wiedergesehen“, so Semmelhaack, die viele Stammgäste hatte.

Die Besucher kamen aus ganz Schleswig-Holstein, aus Hamburg und aus Niedersachsen. „Viele Familien waren dabei, für Kinder hatten wir eine Spielecke“, so Semmelhaack. Leider habe es auch unbelehrbare Kinder gegeben. „Wir hatten einen Springbrunnen, mit dem Wasser haben Kinder Besucher nassgespritzt, so dass wir ihn schließlich abbauten“, sagte sie. Auch Sand verschwand, die Kinder warfen damit durch die Gegend. Ein Gast liebte ihr blaues Kaffeegeschirr. „Als ihm Kuchen auf einem anderen Teller serviert wurde, hat er es nicht akzeptiert“, erinnert sich Semmelhaack. „Es war eine schöne Zeit, wir haben viele Leute kennengelernt, und sie haben sich bei uns wohlgefühlt.“


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