Breitband im Amt Rantzau : Amt will dieses Jahr bauen

<p>Im vergangenen Jahr hatte das Amt Rantzau die Förderbescheide für den Breitbandausbau bekommen. Das Projekt umfasst ein Volumen von etwa 4,5 Millionen Euro. </p>
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Im vergangenen Jahr hatte das Amt Rantzau die Förderbescheide für den Breitbandausbau bekommen. Das Projekt umfasst ein Volumen von etwa 4,5 Millionen Euro.

Amtsdirektor Heinz Brandt spricht im Interview über den Glasfaserausbau, anstehende Straßensanierungen und die Flüchtlingssituation.

shz.de von
09. Januar 2018, 16:00 Uhr

Barmstedt | Das Amt Rantzau steht kurz vor der Umsetzung eines Millionen-Projekts. In diesem Jahr soll der lang erwartete Ausbau des schnellen Internets in den zehn Gemeinden und Klein-Offenseth-Sparrieshoop beginnen. Im Frühjahr soll dann auch feststehen, welches Unternehmen das Rennen im Bieter-Wettbewerb gemacht hat und künftig das Netz betreiben wird. Im Interview mit shz.de spricht Amtsdirektor Heinz Brandt über das weitere Vorgehen, mögliche Hürden sowie die Flüchtlingssituation und den Straßenausbau in der Region. Das Gespräch führte Christian Uthoff.

Wie sieht Ihre persönliche Bilanz für das Jahr 2017 aus?
Es war in verschiedener Hinsicht wieder ein aufregendes und mit Aufgaben vollgestopftes Jahr. Es gab viele verschiedene Themen im Amtsbereich, unter anderem das Flüchtlingsthema. Das war zeitweilig problembeladen und schwierig. Aber auch mit anderen Themen wie der Frage der flächendeckenden Versorgung mit schnellem Internet haben wir uns befasst. Das Thema bewegt uns schon seit etwa zehn Jahren. Immerhin hat es 2017 aber Fortschritte gegeben. Wir haben den Bundesförderbescheid im März erhalten. Damit hatten wir einen Meilenstein erreicht, zumal das Land ja auch schon eine Förderung zugesagt hatte. 50 Prozent der Wirtschaftlichkeitslückenförderung kommt vom Bund, 25 Prozent vom Land, den Rest zahlen die Gemeinden.

Wie ist der aktuelle Stand?

Im Moment sind wir im Verhandlungsverfahren, nachdem eine europaweite Ausschreibung stattgefunden hatte. Wir sind aber noch nicht so weit, dass wir einen Vertrag mit einem der Bieter schließen können, weil das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist. Wir hoffen, dass wir es im Frühjahr dieses Jahres abschließen und einen Vertrag mit einem der Bieter unterschreiben können.

Der Anbieter soll also rasch präsentiert werden?
Ja, aber aufgrund des laufenden Verfahrens können wir noch keine Details nennen. Wir hoffen und gehen davon aus, dass wir in 2018 mit dem Ausbau beginnen werden. Das wird sich in den Folgejahren fortsetzen und nicht 2018 abgeschlossen sein. Wir haben schon einen Antrag auf Fristverlängerung beim Bund gestellt. Es wird sich sicher bis ins Jahr 2020 ziehen.

Hemdingens Bürgermeister Hans-Hermann Sass hatte kürzlich betont, dass es Engpässe bei den Tiefbau-Firmen gebe.

Ja. Es zeichnet sich ab, dass geeignete Tiefbaufirmen kaum noch zur Verfügung stehen. Das wird ein Problem werden. Sicher scheint, dass sich die Kosten der Erdarbeiten in die Höhe bewegen werden.

Weil die Nachfrage so hoch ist und sich die Tiefbaufirmen die guten Aufträge aussuchen können?
Ja. Das ist das Spiel von Angebot und Nachfrage.

Sie hatten die Flüchtlinge im Amtsbezirk Rantzau eingangs bereits angesprochen. Anfang 2017 gab es Probleme mit einem Mann, der Wohnräume verwüstete und andere Menschen bedrohte. Wie ist da die Lage?
Es ist im Laufe des Jahres ruhiger geworden. Wir hatten im Februar und März viel Aufregung durch den außergewöhnlichen Vorfall in einer unserer Flüchtlingsunterkünfte. Das war ein sehr unschöner Vorgang, der uns auch großes Kopfzerbrechen in der Folge bereitet hat. Das hat uns eigentlich das ganze Jahr über beschäftigt. Die betroffene Familie konnten wir mit Hilfe des Kreises an eine andere Kommune abgeben. Das hat uns viel Druck genommen, zumal sich Ende des Jahres bereits eine weitere Konfrontation aufgebaut hatte.

Ist der betreffende Mann ebenfalls in die andere Kommune im Kreis gekommen?

Ja, er ist zusammen mit seiner Familie in eine andere Kommune gekommen.

Wie sieht es mit den Unterkünften des Amts aus?
Wir haben außer der Unterkunft in Langeln Immobilien in Groß Offenseth-Aspern, Bokholt-Hanredder, Heede und Lutzhorn. Diese sind relativ gut ausgelastet. Kapazitäten sind aber noch vorhanden. Für 2018 müssen wir mit mindestens zwei Familien-Nachzügen rechnen.

Damit käme das Amt klar?

Damit kommen wir klar. Wir haben keine großen Überkapazitäten, die wir vorhalten, weil diese wiederum viel Geld kosten. Mit unserem Konzept, einige Immobilien anzukaufen und hier und da Wohnraum anzumieten sind wir in den vergangenen beiden Jahren gut gefahren. Wir konnten Mietwohnungen zum Teil auch schon wieder aufkündigen. Wir haben zudem den Vertrag mit der Caritas gerade um zwei Jahre bis Ende 2019 verlängert. Das ist wichtig, dass wir diese gute Zusammenarbeit weiter fortsetzen.

Was macht die Caritas alles für das Amt und die Stadt Barmstedt?
Die Caritas ist die erste Anlaufstelle für unsere Flüchtlinge. Die nimmt den Gemeinden und Helfern vor Ort vieles an Beratungs- und Betreuungsleistungen ab, was wir als Verwaltung nicht leisten können. Dazu gehört auch eine mögliche Rückkehrberatung. Auch aus unserem Bereich wissen wir, dass es Flüchtlinge gibt, die wieder in ihre Heimatländer zurückkehren wollen. Zudem möchte ich die intensive Unterstützung unser ehrenamtlichen Helfer hervorheben. Ohne sie wäre eine gute Betreuung in den vergangenen Jahren nicht möglich gewesen. Und ohne diese ehrenamtliche Unterstützung wird es auch in der Zukunft nicht gehen.

Ist die Sanierung der Flüchtlingsunterkunft in Langeln mittlerweile abgeschlossen?
Ja, die Sanierung – hauptsächlich des Altbaubereichs in Langeln – ist abgeschlossen. Da konnten wir durch den Umbau doch einigen Druck aus der Unterbringungssituation herausnehmen, indem wir den Altbau aufgeteilt haben. Einzelne Personen und kleine Familien können wir jetzt besser unterbringen. Der Umbau ist teurer geworden als geplant. Das ließ sich nicht absehen. Erst nachdem wir angefangen hatten, Decken und Fußböden zu öffnen, wurde der Mehraufwand sichtbar.

Wie stark sind die Kosten angestiegen?

Wir hatten mit etwa 90 000 Euro geplant und sind bei 120 000 Euro gelandet.

Wie sind Ihre Eindrücke beim Thema Verkehr? Die Krückau-Brücke in Elmshorn war neun Monate gesperrt, die Umleitungsroute verlief durch das Amt Rantzau. Auch die Landesstraßen 75 und 110 sind zu großen Teilen saniert worden.
Was diese Landesstraßensanierung – insbesondere die L 75 – angeht, ergab sich zeitweilig ein Chaos. Das hat auch unsere Gemeinden heftig getroffen, wenn ich an die Ampelanlage in Hemdingen an der Kreuzung denke. Dort bildeten sich in Richtung Ellerhoop und Bilsen lange Schlangen. Und natürlich wurden viele unserer Gemeindestraßen und Wirtschaftswege durch Autofahrer arg belastet, die widerrechtlich diese Straßen als Abkürzung genutzt haben. Ein Beispiel ist der Ziegeleiweg in Heede. Da ist einiges kaputt gefahren worden. Unser Bauamt hat das mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) aber gut hinbekommen, dass diese Wege und Banketten im Nachhinein wieder instand gesetzt wurden.

Bevern und Bullenkuhlen waren wegen des Umleitungsverkehrs aus Elmshorn auch stärker belastet. Wie schaut es da aus?
Ja, Bevern und Bullenkuhlen waren auch sehr belastet. Unsere Gemeinden sind froh, dass die Bauarbeiten an der Krückau-Brücke beendet sind. Das ist ganz wichtig, wenn ich insbesondere an die weiteren Vorhaben des LBV wie die Sanierung der Barmstedter Straße in Ellerhoop und die L 75 in Bokholt-Hanredder in Richtung Elmshorn in diesem Jahr denke. Das wird wieder einiges an Umleitungsverkehr für unsere Gemeinden bedeuten.

Wie sieht es an dem ehemaligen Unfallschwerpunkt in Groß Offenseth-Aspern aus?
Seitdem die Ampelanlage dort installiert wurde, hat sich die Situation deutlich verbessert. Das ist eine gute Sache, dass nach vielen Jahren der Intervention beim LBV der unfallträchtige Kreuzungsbereich entschärft wurde.

Ein Wort zum Seniorenheim Barmstedt-Rantzau, an dem auch einige Amtsgemeinden beteiligt sind. Wie haben sich aus Ihrer Sicht die Bilanzen entwickelt?
Die Bilanzen haben sich meines Erachtens positiv entwickelt. Das belegen die jüngeren Zahlen. Der Wasserschaden trübt das jetzige Ergebnis leider. Wir hoffen, dass die Ursache möglichst bald gefunden wird und der Schaden behoben werden kann.

Wie bewerten sie den Amtshaushalt für das kommende Jahr?

Der Haushalt 2018 wurde Ende November durch den Amtsausschuss beschlossen. Er weist ein ausgeglichenes Ergebnis auf. Größere Investitionen seitens des Amts sind nicht geplant, weitere Kreditaufnahmen sind nicht erforderlich. Was auch positiv hervorzuheben ist: In den zehn Amtsgemeinden sind für 2018 keine Erhöhungen der Grund- und Gewerbesteuern geplant.

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