Barmstedt : Als Pokale eingeschmolzen wurden – Ein Vortrag zu 100 Jahre SSV Rantzau

Dieses Foto zeigt die Eröffnung des Unterkunftsgebäudes auf dem Spielplatz im Jahre 1926.
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Dieses Foto zeigt die Eröffnung des Unterkunftsgebäudes auf dem Spielplatz im Jahre 1926.

Historischer Abend im Barmstedter SSV-Heim: Vereinsarchivar Siegfried Seidler beleuchtet die Vereinsgeschichte.

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25. Mai 2018, 12:00 Uhr

Barmstedt | Erinnerungen wurden lebendig auf der jüngsten Veranstaltung des Vereinshistorikers Siegfried Seidler, der im Vereinsheim zum Thema „100 Jahre SSV Rantzau“ referierte. Dabei befasste er sich mit den Anfängen des SSV, mit den Familien, die über Generationen hinweg im Verein Fußball spielen und mit der Historie der Düsterlohe. Er umspannte also mit seinem Lichtbildervortrag einen weiten zeitlichen Rahmen und warf ein Schlaglicht auf eine Epoche, die gekennzeichnet war durch viele gesellschaftliche und politische Veränderungen, durch zwei Weltkriege, durch Zerstörung und Wiederaufbau.

Volle Reihen

In seiner launigen Begrüßung stellte Seidler erfreut fest, dass der Raum bis auf den letzten Platz besetzt sei – aber das war keine neue Erfahrung für ihn. Viele Anwesende fanden sich später in Seidlers Vortrag wieder. Sie waren mittlerweile zwar ein wenig älter geworden, aber sämtlich noch gut beisammen, wie man sehen konnte. „Sie haben sich ausgezeichnet entwickelt“, formulierte es der Referent.

Die Gründung des SSV Rantzau datiert auf das Jahr 1912 und erfolgte im „Waldschlösschen“. Eine Fotografie, die Seidler auf die Leinwand warf, zeigte es in seiner damaligen Schönheit. Heute ist es ein Wohnhaus. Viele Namen geisterten durch den Vortrag – Namen von ehemaligen aktiven Spielern und deren Söhnen und Enkeln, die ebenfalls dem Verein angehören und dort Fußball spielen. Dazu gehören der „Oldie“ Heinz Draht und der hoffnungsvolle Nachwuchs Julius und Vincent Draht. „Sie sind große Talente des SSV“, sagte Seidler.

Metall war knapp, Vereinspokale wurden eingeschmolzen

Natürlich spiegelte der Vortrag auch die Zeit des Nationalsozialismus wider, der sich in seiner Ausprägung in Barmstedt in nichts vom restlichen Deutschland unterschied. So gab es dort einen „Adolf-Hitler-Platz“ und ein „Denkmal der Nationalen Erhebung und der Volksgemeinschaft“. Zudem wurde viel marschiert – beispielsweise zur Arbeit und wieder zurück, wie einige Lichtbilder belegten. Der Fußballsport erlebte damals einige Höhepunkte – beispielsweise 1938, als ein Großturnier mit 60 teilnehmenden Mannschaften stattfand. Anfang des Zweiten Weltkrieges änderte sich viel. So avancierten sämtliche Vereinsvorsitzenden zu Vereinsführern, und es dauerte nicht lange, bis die Vereinspokale eingeschmolzen wurden: Metalle waren kostbar. Mit dem Kriegsende kehrte allmählich wieder die Normalität in Barmstedt ein. Allerdings konnte anfangs auf der Düsterlohe kein Fußball gespielt werden, da sich dort englische Panzer und Soldaten befanden. Als Ausweichplatz diente die Riemannsche Wiese.

Seidler rannte mit seinem Vortrag bei den Anwesenden offene Türen ein. Ihm gelang es, eine Brücke zu schlagen vom Damals zum Heute und viele Menschen persönlich anzusprechen.

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