„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ : Aktionstag an der James-Krüss-Schule: „Rassismus ist leider immer noch ein Thema“

Die Lehrer bildeten mit je einem Elternteil aus einem anderen Herkunftsland ein „Länder-Tandem“, von dem die Schüler etwas  über das Land erfahren konnten.

Die Lehrer bildeten mit je einem Elternteil aus einem anderen Herkunftsland ein „Länder-Tandem“, von dem die Schüler etwas  über das Land erfahren konnten.

Schüler erfahren Wissenswertes über fremde Länder und Kulturen. Das Ziel: Bewusstsein für Unterschiede wecken.

shz.de von
01. Juni 2018, 16:00 Uhr

Barmstedt | Es ist der Geburtstag von James Krüss, dem Namensgeber der Barmstedter Grundschule am Heederbrook, an dem Schulleiterin Anke Bothe Eltern und Schüler zum Aktionstag „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am Donnerstag begrüßen konnte. Vor einem Jahr hatte die Schule diesen Titel erhalten. „Wir haben uns damit verpflichtet, beständig Aktionen zu diesem Thema durchzuführen, daher auch dieser Tag“, sagte Bothe.

Länder-Tandem

Die Idee war folgende: Die Lehrer bildeten mit je einem Elternteil aus einem anderen Herkunftsland – etwa China, Polen, Kap Verden, Griechenland, Armenien und Kamerun – ein „Länder-Tandem“, von dem die Schüler etwas über das Land erfahren konnten. Insgesamt wurden neun Länder vorgestellt. Am Afghanistan-Stand etwa erfuhren die Kinder, dass Muslime kein Schweinefleisch essen, dass nicht alle Frauen ein Kopftuch tragen und die Wörter von rechts nach links geschrieben werden. Emilie (9) war fasziniert. „Das habe ich nicht gewusst, dass nicht immer Kopftuch getragen wird. Ich lerne so viel Neues“, sagte sie und berichtete stolz: „Gleich geht es um Kamerun, darauf bin ich sehr neugierig.“ Burto, ebenfalls neun Jahre alt, ist seit drei Wochen in Deutschland und besucht die DaZ-Klasse. Er kommt aus dem kurdischen Irak, spricht Kumamschi und kann schon ein Wort auf Deutsch: „Ja.“

Essen wie in China: Es ging auch darum fremde Kulturen näher zu bringen.
Peter Jaster
Essen wie in China: Es ging auch darum fremde Kulturen näher zu bringen.
 

Dass Rassismus auch in Deutschland immer noch ein großes Thema sei, betonte die Elternbeiratsvorsitzende Servim Ulusoy. „Meine Mutter ist seit 20 Jahren hier. Wenn wir in der Türkei sind, bin ich die Deutsche, und hier bin ich die Türkin, obwohl ich hier aufgewachsen bin. Wenn ich Sprüche höre wie „immer diese Ausländer“ schmerzt das sehr. Meine Heimat ist Deutschland, aber ich frage mich manchmal, wo ich eigentlich hingehöre.“ Umso mehr danke sie der Schule für den Aktions-Tag.

Mehr Respekt

Bothe appellierte an die Schüler: „Denkt immer daran: Zu Hause seid ihr deutsch, aber in allen anderen 193 Ländern der Erde seid ihr Ausländer. Deshalb seid respektvoll zu jedem Menschen.“ Es sei wichtig, „dass die Kinder das Bewusstsein, dass Menschen unterschiedlich sind, schon früh entwickeln“, erklärte sie. Jedes Kind habe andere Stärken, und gerade die Vielfalt mache die Schule aus.

In der Pause gab es eine Stärkung mit Brezel.
Peter Jaster

In der Pause gab es eine Stärkung mit Brezel.

 

Auf dem Pausenhof hatten Eltern ein großes Buffet aufgebaut, das großzügig mit internationalen Köstlichkeiten bestückt war. Eine Mutter hatte mitten in der Nacht noch extra „Koltek“ – eine kurdische Spezialität bestehend aus Teig mit Fleisch und Zwiebeln – zubereitet. Auch Anisbrötchen oder „Feqqas“, trockene Kekse aus Marokko, waren im Angebot.

Nicht nur die Schüler, sondern auch die Eltern waren von dem Tag begeistert. „Es wäre gut, wenn uns Eltern auch mal jemand so persönlich sein Land vorstellen würde. Aber wir setzen uns nachher einfach dazu“, sagten zwei Mütter, die beim Buffet mithalfen.

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